Tanja Stroschneider: “Wichtiger Schritt in die richtige Richtung”

Die Wienerin Tanja Stroschneider (team2012.at, bikepirat.at) eröffnete am letzten Wochenende im spanischen Melilla ihre Triathlon-Saison. Im Interview spricht die 30-Jährige über das Rennen und ihr Trainingslager in Südafrika.

Foto: ©Wilhelm Lilge

Helden des Laufsports: Wie war das Gefühl, wieder bei einem Triathlon an der Startlinie zu stehen?

Tanja Stroschneider: Als Leistungssportler sucht man immer den Leistungsvergleich, sei es mit sich selbst oder mit den Konkurrentinnen. Wegen Corona gab es so lange keine „normalen“ Wettkämpfe, d.h. für uns Spitzensportler kein Leistungsvergleich, kein Wettkampf-Adrenalin und auch keine Möglichkeit Sponsoren zu präsentieren etc. und damit eigentlich auch ein Berufsverbot. Deshalb war dieser Triathlon nach der langen Pause schon etwas Besonderes. Ja, es war ein tolles Gefühl, endlich wieder mit diesem Prickeln am Start zu stehen. Genau dafür trainiere ich schließlich das ganze Jahr über jeden Tag!

Wie zufrieden bist du mit deiner Leistung?

Jeder Leistungssportler kann unabhängig von Platzierung oder Zeit einschätzen, ob man mit sich selbst einigermaßen zufrieden sein kann oder nicht. Ich bin eigentlich immer sehr selbstkritisch, aber mit diesem Wettkampf und dem Gefühl, das ich dabei hatte, bin ich wirklich zufrieden. Ein Ziel war, bestimmte Dinge (z.B. Technik beim Schwimmen) in der Wettkampfpraxis umzusetzen, das ist recht gut gelungen. Natürlich könnte man sagen, zufrieden darf man erst sein, wenn man mit Rekordvorsprung vor der Weltklasse gewonnen hat. „Erfolg“ ist also immer relativ und es wird auch immer Kritiker geben, wenn man nicht gerade Olympiasieger geworden ist. Ich weiß, was gut gelungen ist und wo wir im weiteren Saisonverlauf ansetzen müssen. Das Rennen war ein richtiger und wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Das Europacuprennen (u.a. mit US-Amerikanern, Japanern, Australiern, …) war weit besser besetzt als „normale“ Europacup-Rennen, weil es das erste internationale Rennen in dieser Saison überhaupt war.

“Erfolg ist immer relativ”

Tanja Stroschneider.

Wie und wo hast du dich in den letzten Wochen und Monaten auf deinen Saisonstart vorbereitet?

Unser traditionelles Lauftrainingslager im Jänner in Portugal war heuer nicht möglich, aber ich war dann zwei Wochen mit meiner Schwimm-Trainingsgruppe in Teneriffa. Ab Mitte Februar – auch wie jedes Jahr – war ich ein Monat in Südafrika und konnte dort sehr gut trainieren. Danach war ich dann noch ein paar Tage wieder mit der Schwimmgruppe von Marco Wolf in Belek. Als Triathlet ist das Radtraining im Winter in Österreich eben ganz schwierig und jetzt kam wegen Corona noch dazu, dass die normalen Hallenbäder in Österreich alle gesperrt sind, genauso wie die Fitnesscenter fürs Ergänzungstraining. Deshalb waren die Auslandstrainingslager heuer noch wertvoller.

“Die Auslandstrainingslager waren heuer noch viel mehr Wert”

Tanja Stroschneider war im Februar einen Monat in Südafrika.

Wie präsent war in Spanien Corona? Hast du im Rennen Einschränkungen gespürt?

Wie schon beim Trainingslager in Teneriffa tragen die Menschen auch in Melilla im Freien (mehr oder weniger konsequent) Masken, sonst gibt es wenig Einschränkungen. Das war in Stellenbosch (Südafrika) auch nicht anders. Auch die Lokale, Fitnesscenter und Schwimmbäder, etc. hatten überall offen. Beim Wettkampf selbst war fast alles normal, außer eben der Coronatest davor, ein Korridor zum Startbereich (also ein Zaun zur Abschirmung) und wir mussten bis kurz vor dem Start Masken tragen. Beim Lauf mussten wir bei der Labestation selbst die Getränke nehmen, in der Praxis war das aber alles nicht so schlimm und die Stimmung mit den vielen Zuschauern war schon toll.

Wie sieht deine weitere Saisonplanung aus?

Es werden auch derzeit dauernd internationale Rennen abgesagt und verschoben, aus derzeitiger Sicht werden Mitte Mai ein weiteres Europacuprennen in Caorle und dann in Polen folgen. In Österreich giibts in den nächsten Monaten kaum Startmöglichkeiten, zumindest zur Formüberprüfung und als Trainingswettkämpfe hätte ich diese natürlich gerne gemacht. Mit entsprechenden Leistungen bei den Europacup-Rennen möchte ich mich natürlich für die Weltcuprennen und die Europameisterschaft qualifizieren.

Nach 2019, wo eine Bandscheiben-OP im Sommer praktisch kaum eine Saison zuließ und den vielen coronabedingten Absagen und Einschränkungen 2020 wäre es schön, wenn die aktuelle Saison zumindest in der zweiten Hälfte wieder einigermaßen „normal“ wird. Mir ist aber bewusst, dass wir sehr flexibel sein müssen und für die Rennen (und die Trainingslager) einen ziemlichen Aufwand betreiben müssen.

Archivbild: Stroschneider (Nr. 736) Foto: ©Wilhelm Lilge

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