Joshua Sperrle: “2021 möchte ich die WM-Norm knacken”

Joshua Sperrle, 22-jähriger Ultraläufer aus Passau, zieht eine positive Saisonbilanz. Auch in der Zukunft hat Sperrle großes vor – die 100 Kilometer möchte er unter sieben Stunden laufen. Mehr dazu im Interview.

Foto: ©Joshua Sperrle

Helden des Laufsports: Wie lautet deine Bilanz für die Saison 2020? 

Joshua Sperrle: Mit dieser Saison kann ich zufrieden sein. Im Februar wollte ich meine Form beim Marathon in Bad Füssing testen. Leider erwischte mich wenige Tage zuvor ein Infekt. Den Start ließ ich mir aber nicht nehmen und beschloss einen Trainingslauf zu absolvieren, hinsichtlich der geplanten 100-km-Meisterschaft Ende März. Diese wurde dann eine Woche vorher aber abgesagt. Letztendlich trainierte ich das Jahr normal weiter, um dann einigermaßen fit für potentielle Wettkämpfe zu sein. So wurde es ein richtiger Wettkampf. In Innsbruck beim „Innsbruck Alpine Trailrun-Festival“ lief ich 80 Kilometer mit 3000 Höhenmeter. Am Ende landete ich auf Platz neun, was durchaus in Ordnung war. Leider verpasste ich die Top 5, da ich mich um drei Uhr nachts (Start war um 23 Uhr) verlaufen hatte. Dennoch kann ich mit dieser Leistung zufrieden sein und ich bin mir sicher, dass ich davon noch in den nächsten Jahren profitieren werde. 

Du bist dieses Jahr über 5.000 Kilometer gelaufen, richtig? 

Das ist richtig. Ich konnte sehr konstant das Jahr über trainieren. Darüber bin ich sehr froh. Anfangs bestand ja noch Hoffnung, dass im Sommer/Herbst doch einige große Wettkämpfe stattfinden würden. Somit entschied ich mich während des ersten Lockdowns einfach weiterzulaufen, vor allem auch weil es mir unglaublich viel Spaß macht und einen perfekten Ausgleich zu meinem Jura-Studium an der Universität Passau darstellt. 

Wie sah bei dir in den letzten Wochen und Monaten eine intensive Trainingswoche aus?

Hier muss ich zunächst einmal sagen, dass ich die letzten drei Jahre mehr oder weniger in Eigenregie unterwegs bin. Ich habe seit 2017 keinen Trainer mehr und probiere einige Sachen aus. Allerdings habe ich mich ab Januar 2021 einem neuen Verein angeschlossen, bei dem ich trainingstechnisch auf höchstem Niveau beraten werde. Das schätze ich enorm und darauf freue ich mich sehr. Ansonsten trainiere ich seit eineinhalb Jahren immer nach dem selben Schema, da ich mich seit dem sehr gut entwickeln konnte. So auch die letzten Wochen und Monate. Grundsätzlich besteht meine Trainingswoche aus vier Grundlageneinheiten (15 bis 25 Kilometer mit 200 bis 500 Höhenmetern), die ich nüchtern auf schwierigem Untergrund im Neuburger Wald bei Passau absolviere. Hierdurch wird mein Fettstoffwechsel trainiert, der für Ultraläufe ja mitentscheidend ist. Zusätzlich mache ich, ein bis zwei Tempo- oder spezifische Einheiten. Das können Bergintervalle, schnelle Intervalle auf der Bahn oder auch ein 55-km-Lauf sein. Ergänzend mache ich einmal spezifisches Krafttraining im Fitnessstudio (oder zu Hause), laufe gerne auch mit meiner Freundin, oder verschiebe eine Einheit auch mal aufs Spinningrad. 

Was waren deine bisher größten Lauferfolge?

Die Frage ist nicht ganz leicht zu beantworten, weil der große Erfolg schlechthin bisher ausgeblieben ist. In der Jugend war ich früher beim VfL Sindelfingen als Bahn- und Straßenläufer aktiv. Da ist dann schon die ein oder andere Medaille von Meisterschaften rausgesprungen. Allerdings bin ich dann in doch recht jungen Jahren auf die Straße und Trailstrecke und seit 2018 auch Ultrastrecke gekommen, da mich die langen Distanzen unglaublich faszinieren. Dort erreichte ich etliche Top-10-Platzierungen bei vielen verschiedenen Läufen (Zugspitz Ultra-Trail, UTLW etc.). Am wertvollsten ist aber wohl mein Dritter Platz beim Arberlandultratrail (64 Kilometer) ) und das Top-10 -Finish dieses Jahr in Innsbruck, da der Lauf wie schon erwähnt nachts stattfand und ich doch als „Passauer Flachlandtiroler“ in die alpine Spitze laufen konnte. Letztendlich war ich aber doch heilfroh, als ich im Ziel war. 😉

Was sind deine Ziele für 2021?

Erstmal möchte ich gesund bleiben, denn das ist das wertvollste Gut, egal ob Läufer oder Nichtläufer. Grundsätzlich habe ich aber schon die 100-km-Distanz auf der Straße ins Auge gefasst. Dort würde ich gerne unter sieben Stunden laufen, was auch WM-Norm bedeuten würde. Ob das 2021 schon realistisch ist, wird man sehen. Ansonsten versuche ich über alle Straßenlaufdistanzen schneller zu werden und auch bei dem ein oder anderen Ultra-Trail mal ans Podest anzuklopfen. An dieser Stelle bedanke ich mich bei allen Supportern der letzten Monate und Jahre. Ebenso auch bei euch für das Interview. Tolle Sache und bis bald.

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