25.10.2009: Günther Weidlinger läuft ÖLV-Marathon-Rekord

Text: Mario Friedl. Ein Beitrag aus der Reihe: “Was geschah am …?”

Bis zum 25. Oktober 2009 hatte der alte österreichische Marathon-Rekord aus dem Jahr 1986 bestand. Doch dann kam der Innviertler Günther Weidlinger und lief bei seinem erst zweiten Marathon mit 2:10:47 Stunden auf Anhieb einen neuen ÖLV-Rekord. Diesen hatte bis dahin der Tiroler Gerhard Hartmann (2:12:22 Stunden) gehalten. Weidlinger, damals 31, wurde an diesem Tag in Frankfurt als Zehnter bester Europäer.

Weidlinger 2009. Foto: ©APA/Herbert Pfarrhofer

Der Oberösterreicher, der erst zuvor im April in Wien sein Marathondebüt feierte, war von seinem Erfolgslauf selbst überrascht. “Ich bin entspannt an die Sache herangegangen, aber damit habe ich nicht gerechnet. 2:12:22 Stunden war mein Traum, aber es ist heute so gut gegangen, einfach fantastisch”, erklärte Weidlinger damals nach dem Zieleinlauf. 2:12:39 Stunden lief Weidlinger zuvor bei seinem Debüt in Wien. In Frankfurt gelang es ihm, diese Zeit nicht nur deutlich zu unterbieten, sondern auch noch einen neuen ÖLV-Marathon-Rekord aufzustellen. Eine sensationelle Zeit, wenn man bedenkt, dass der damals 31-Jährige aufgrund einer Verletzung nur neun Wochen Zeit hatte, sich darauf vorzubereiten. Scheinbar genug für Weidlinger, der in Frankfurt bei perfekten äußeren Bedingungen (14 Grad, Windstille) die 42,195 absolvieren konnte.

“Ich bin mir sicher, dass damals noch mehr möglich gewesen wäre”

Günther Weidlinger über seinen Rekordlauf in Frankfurt.

Schnellere zweite Rennhälfte

Im Rennen selbst, wurde der Olympiaachte von Sydney 2000, von einigen kenianischen Tempomachern unterstützt. Die Halbmarathonmarke absolvierte der Oberösterreicher in 65:36 Minuten und legte dann sogar noch eine schnellere zweite Rennhälfte nach. “Das Anfangstempo hätte bei 66 Minuten liegen sollen, der Tempomacher hat das mit 65:36 Minuten ganz gut getroffen. Ich wollte eigentlich, dass er noch länger mit mir weiter läuft, aber nach 25 Kilometer ist er leider ausgestiegen”, erinnert sich Weidlinger heute zurück. Allerdings lief es für ihn auch ohne Tempomacher ganz gut. “Bei Kilometer 25 lag ich an noch an der 35. Stelle, von da an, konnte mich ich mich auf Platz zehn vorarbeiten.” Den letzten Kilometer lief Weidlinger in 3:01 Minuten, daher vermutet der gebürtige Braunauer auch, dass noch mehr drinnen gewesen wäre. “Die Orientierung lag aber natürlich am Rekord und diesen konnte ich ja deutlich verbessern”, so der heute 42-Jährige.

Verletzung ausgeblieben

Nach dem Vienna City Marathon hatte Weidlinger im Frühsommer eine hartnäckige Verletzung, die sich nach mehreren Fehldiagnosen als eine Muskelansatzentzündung im Becken herausgestellt hatte. Eine mehrwöchige Pause war die Folge. Aber anders als zuvor in Wien, blieb der befürchtete Einbruch in Frankfurt aus. „In Wien war ich auch schon auf Rekordkurs, bin dann aber eingebrochen. In Frankfurt hatte ich natürlich ein bisschen Angst, dass die Verletzung wieder akut werden könnte“, so Weidlinger damals. Die Angst war unbegründet und der Langstreckenläufer, der zuvor über Jahre auf den kürzeren Strecken zu Hause war, konnte sein Tempo durchlaufen. Mit 2:10:47 Stunden unterbot Weidlinger, der sich in St. Moritz im Höhentrainingslager auf diesen Lauf vorbereitete, deutlich das Limit für Europameisterschaften in Barcelona (2:16 Stunden). Dort wurde Weidlinger bei einem Hitzemarathon und einem Einbruch in der zweiten Rennhälfte 18. Über seinen Rekordlauf sagt Weidlinger heute, dass es eines seiner besten Straßenrennen überhaupt war. Nur der Sieg im Jahr 2008 beim Great Manchester Run, wo er mit 28:10 Minuten den noch immer gültigen österreichischen 10-km-Straßenlaufrekord gelaufen ist, und der Triumph beim Great Australian Run im Jahr 2009 haben für Weidlinger einen höheren Stellenwert. “In Melbourne gelang es mir, zwei Olympiasieger zu schlagen, das war schon ein sehr besonderer Moment.” Beim diesem Lauf, wo Weidlinger unter anderem den leider 2011 verstorbenen Samuel Kamau Wanjiru, Marathon Olympiasieger von 2008, hinter sich lassen konnte, lief er mit 43:01 Minuten auch den inoffiziellen österreichischen 15-km-Straßenlaufrekord.

Günther Weidlinger beendete 2014 seine Karriere und lebt heute mit seiner Familie in Weißkirchen an der Traun/OÖ. Er ist Präsident des OÖLV (ehrenamtlich) und Mitorganisator des Linz Marathons.

Weidlinger heute. Foto: ©Volker Weihbold

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.