Rainer Predl`s 70-KM-Lauf um den Küchentisch: „Ich habe mich drei Mal übergeben“

Am gestrigen Samstag hätten in Lassee wieder etliche Ultraläufer ihre Runden drehen sollen. Aus bekannten Gründen hat dieser Lauf nicht statt gefunden. „Letzte Woche haben wir noch überlegt den Lauf mit begrenzter Teilnehmerzahl durchzuführen. Nach einer ereignisreichen Woche und einem Gespräch mit dem Bürgermeister, haben wir aber vor ein paar Tagen den Lauf abgesagt. Gesundheit geht vor und nachdem sich mittlerweile fast stündlich die Ereignisse überschlagen, hätte sich das jetzt ja sowieso erledigt“, sagt Initiator und Mitorganisator Rainer Predl und fügt hinzu: „Nächstes Jahr werden wir dann die neunte Auflage des Sechs-Stunden-Laufs durchführen und wieder ordentlich Gas geben.“ Besonders bitter ist es für den Sterntalerhof aus Loipersdorf-Kitzladen – dort kümmert man sich um todkranke Kinder – die Einnahmen wären wie jedes Jahr dorthin gegangen. Rainer Predl wäre aber nicht Rainer Predl wenn er nicht doch noch eine Lösung finden würde!

©Rainer Predl

Kreative Ultraläufer

Gesagt getan! Kurzerhand hat der Niederösterreicher einen Benefizlauf ins Leben gerufen, bei dem kein Läufer das eigene Haus oder den eigenen Garten verlassen musste. Predl hat dazu aufgerufen daheim – im Garten oder im Haus – seine Runden zu drehen. Diesen Aufruf sind am Samstag, bei eher miesen Wetterbedingungen, sehr viele (Ultra) Läufer gefolgt. Organisiert in einer eigenen Facebookgruppe, werden dort stolz Fotos und Leistungen präsentiert. Dieser Lauf zeigt, dass das Gemeinschaftsgefühl und das soziale Engagement unter den Läufer sehr groß ist. Rainer Predl selbst ist 70 Kilometer um seinen Küchentisch (6,35 Meter) gelaufen. Der beste Ultraläufer Österreichs benötigte dafür gerade mal 12:57 Stunden. „Ich habe mich am Beginn sehr schwer getan und mich bereits bei der ersten Pause nach zehn Kilometer übergeben. In der zweiten und dritten Pause wurde das Ganze nicht besser, und so kam es auch, dass ich die kompletten 70 Kilometer eigentlich nichts mehr gegessen habe. Man braucht sich aber auch nicht wundern, wenn man knappe 13 Stunden um einen Tisch läuft. 😉 Das mache ich definitiv nie wieder, aber es kommen noch jede Menge andere Aktionen – versprochen“, so der 30-Jährige. Ebenfalls positiv überrascht ist Organisatorin Birgit Gossar. “Nachdem ich gehört habe, dass Rainer seinen Lauf auf Facebook überträgt, habe ich ihm den Vorschlag gemacht das Ganze etwas größer aufzuziehen. Ich habe dann die Facebookgruppe gegründet und es haben so viele mitgemacht – ich bin echt überwältigt.” Das Wichtigste: Trotz Absage, wurden jetzt doch jede Menge Spenden für den Sterntalerhof gesammelt.

Stimmen einiger Läufer zum Event:

Birgit Gossar (10 Kilometer in 05:55min/km)

“Nach dem Nachtdienst bin ich noch eine Stunde gelaufen. Eigentlich wollte ich nach dem Schlafen noch ein paar Kilometer dranhängen, aber leider wurde ich krank. Als Mitorganisatorin bin ich aber einfach überwältigt und glücklich.”

©Birgit Gossar

Rene Kun (6h – 58,75 Kilometer – gelaufen im Garten auf einer 125 Meter-Strecke)

„Es war eine extreme Herausforderung. Der weiche Untergrund hat es ganz schön schwergemacht, aber immerhin kenne ich jetzt jeden Grashalm und jedes Unkraut.“

©Rene Kun

Flurl van de Steen (6h – 53,32 Kilometer – gelaufen auf einer 1,25 Kilometer-Runde)

„53,3 Kilometer bedeutet meine inoffiziell zweitbeste Leistung über sechs Stunden, und das war gleichzeitig auch mein bisher längster Trainingslauf.“

Michael Staffe-Hanacek (6h – 52 Kilometer – gelaufen in der Wohnung und ein kleiner Teil davon im Grünen)

„52 Kilometer beim virtuellen Sechs-Stunden-Benefizlauf 2020 absolviert. Großteil in der Wohnung und ein kleiner Teil im Grünen. Tolle Idee!”

©Michael Staffe-Hanacek

Hein Jürgen Ressar (10.500 Runden zu je 4,6 Meter – gelaufen in der Wohnung und um zwei Bierkisten herum)

„Österreich kann stolz sein auf seine Ultraläufer – Prost (mit Bier in der Hand).“

©Heinz Jürgen Ressar

Gerald Puschitz (6h – 65 Kilometer)

„Ich habe fertig.“

©Gerald Puschitz

Diana Dzaviza (1687 Runden zu je 22 Meter)

„Es war mir eine Ehre heute dabei zu sein.“

©Diana Dzaviza

Mario Friedl (560 Runden zu je 50 Meter gelaufen im Garten)

„Das GPS hat verrückt gespielt. Krasser Sch…. diese Aktion.“

©Mario Friedl

Martin Trimmel (6h – 28,5 Kilometer rückwärts am Laufband mit der kompletten Brandschutzbekleidung)

„Als Feuerwehmann war es mir eine Freude den Sterntalerhof zu unterstützen.“

©Martin Trimmel

Mike Breit (6h – 50,6 Kilometer – 2.200 Runden im Carport)

„Bleibt gesund und lauf daheim.“

©Mike Breit

4 Kommentare zu „Rainer Predl`s 70-KM-Lauf um den Küchentisch: „Ich habe mich drei Mal übergeben““

  1. Hallo Rainer,
    Hallo Birgit,
    ich finde es toll was ihr in so kurzer Zeit organisatorisch auf die Beine gestellt habt, gratuliere.
    DANKE.
    fg

  2. “Hut ab” vor all den (fast hätt ich geschrieben: wahnsinnigen) unglaublichen Läufern, die diese Leistungen, freiwillig abliefern!
    Das Beste daran ist aber die Spendenaktion für den STERNTALERHOF!
    Ich klatsche in die Hände für einen ehrlichen Applaus!
    Tolle Idee! Gut gemacht!! Was kommt als nächstes?
    Viele Grüße
    Horst Köppl

  3. Wow, ich finde es großartig, was da an kreativer Initiative trotz der außergewöhnlichen Situation passiert ist. Hut ab vor allen Beteiligten!
    Alles Gute auch dem Team vom Sterntalerhof!
    Liebe Grüße,
    Claudia Jung

  4. Leute, ihr seid toll!
    Als ich diese Zeile gelesen habe wurde mir warm ums Herz.
    Bravi/e! Bravissimi/e!
    You are all *s t a r s* that light up the world!
    LG aus Wien, Franny B.

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