Andreas Stöckl gewinnt Halbmarathon beim VCM: “Hätte mich auch über Platz drei gefreut”

September 2021: Andreas Stöckl aus Saalfelden feierte beim diesjährigen Wien Marathon einen Überraschungserfolg. Der 27-Jährige gewann mit 1:12:07 Stunden den Halbmarathon. Im Interview spricht Stöckl über diesen Sieg, bei dem die beiden Profis Valentin Pfeil und Peter Herzog dem Hobbyläufer den Vortritt ließen, aber auch über seine nächsten Ziele.

Andreas Stöckl / Foto: ©Olaf Brockmann

Helden des Laufsports: Mit Valentin Pfeil und Peter Herzog waren beim Halbmarathon zwei Profis am Start. Die beiden haben den Lauf allerdings nur als Training genutzt, wann hast du bemerkt, dass es für dich zum Sieg reichen wird?

Andreas Stöckl: Ich war von Anfang an in der Marathonspitzengruppe der Damen dabei. Leider bin ich dann bei Kilometer zehn aus dieser Gruppe rausgefallen. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt, dass ich im Halbmarathon in Führung lag und wurde ab dort auch von einem Auto begleitet. Zwischen Kilometer 13 und 17 verlor ich leider ordentlich an Geschwindigkeit, wodurch ich eigentlich fest damit rechnete, dass ich auf den letzten Kilometern noch geschnappt werde. Bei Kilometer 18 sammelten mich dann Peter und Valentin ein. Ich versuchte nochmals meine Pace wieder etwas zu steigern, was mir auch gelang, jedoch konnte ich den beiden nicht ganz folgen. Bei Kilometer 20,5 bemerkte ich dann, dass die beiden rausgenommen hatten und sie ließen mich wieder vorbei – das war ein toller Zug von den beiden und somit freute ich mich dann über den Sieg.

Was waren deine ersten Gedanken und Gefühle nach dem Zieleinlauf?

Der Zieleinlauf war Gänsehaut pur. Die letzten Meter habe ich so richtig genossen. Endlich gibt es wieder Rennen mit Zuschauern entlang der Strecke. Natürlich weiß ich, dass ich gegen Profis wie Peter und Valentin normalerweise absolut chancenlos bin, aber ich hätte mich genauso über Platz drei gefreut, immerhin war ich an diesem Tag der schnellste Amateur im Halbmarathonfeld.

“Nach 20,5 Kilometer merkte ich, dass Peter und Valentin Tempo rausgenommen haben. Eine tolle Geste der beiden”

Andreas Stöckl über seinen Sieg beim Halbmarathon.

Im TV-Interview hast du davon gesprochen, dass du mit deiner Zeit von 1:12:07 nicht zufrieden bist! Was wäre deine geplante Zeit gewesen?

Ich wollte eigentlich mit einer Pace von 3:20 bis 3:25 anlaufen und gegen Ende des Rennens einen Zahn zulegen. Ich habe eine Endzeit von 1:10:30 Stunden bis 1:11:00 Stunden angestrebt. Ich wusste aber über die Pläne von Hans-Peter Innerhofer bei seinem Marathon-Debüt Bescheid und habe mich daher entschlossen, mich dieser Gruppe anzuschließen, wenngleich ich schon bald merkte, dass es mir wohl etwas zu flott sein wird. Leider war dies dann auch der Fall und ich musste dem Ganzen dann ordentlich Tribut zollen.

Welchen Stellenwert hat der Sieg für dich persönlich?

Beim VCM die Ziellinie als Erster zu überqueren war ein unbeschreibliches Gefühl. Natürlich muss man das ganze immer relativieren, da mir ja die beiden Profis im Feld sozusagen den „Vortritt“ gelassen haben. Ich persönlich hätte mich aber über Platz drei mit meiner erreichten Ziel-Zeit noch mehr gefreut.

Wie viele Wettkämpfe hast du seit Beginn der Pandemie absolviert und wie viel hast du in dieser Zeit trainiert?

Richtige Wettkämpfe waren es vier. Im Oktober 2020 bin ich, damals nicht wirklich in einer guten Form, in Innsbruck einen 10-km-Lauf gelaufen. Heuer war dann der Sonnberglauf in Leogang, also mein Heimrennen, der erste Wettkampf, ehe ich bei den österreichischen Meisterschaften im Halbmarathon bei Kärnten läuft am Wörthersee teilgenommen habe. Trainiert habe ich zu Beginn der Pandemie eigentlich ganz normal. Im Sommer 2020 bin ich dann vermehrt auf das Rad ausgewichen, da ich etwas Probleme mit meinem rechten Knie hatte und zum dortigen Zeitpunkt keine Rennen in Aussicht waren. Im Winter habe ich dann überhaupt zwei Monate Laufpause eingelegt und bin auf Touren- und Langlauski unterwegs gewesen. Im Februar 2021 habe ich das Lauftraining wiederaufgenommen. Die ersten drei Monate waren eher durchwachsen und von Schienbeinproblemen begleitet. Seit Anfang Mai geht die Formkurve aber wieder stark bergauf und das Training läuft sehr gut und schmerzfrei. Der Trainingsumfang ist in letzter Zeit wieder auf das „Vorpandemiepensum“ angewachsen.

Was ist als nächstes geplant?

Das große Saisonziel für heuer ist noch der Halbmarathon in Barcelona. Dort werde ich nochmals einen ernsthaften Angriff auf sub 70 wagen. Zuvor werde ich vermutlich in Salzburg den Halbmarathon noch als langen Tempodauerlauf mitnehmen.

Cornelia Stöckl-Moser, die Frau von Andreas, ist eine der besten Läuferinnen des Landes.

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