Teil 105 (KW 25/2020): Andreas Stöckl

Foto: ©Andreas Stöckl

Andreas Stöckl aus Saalfelden ist leidenschaftlicher Läufer und hat große Ziele. Der 26-jährige Verwaltungsangestellte bei der österreichischen Sozialversicherung hat eine Halbmarathonbestzeit von 01:09:17 Stunden. Im Helden-Interview #105 spricht er über sein bestes Rennen und über seine Erlebnisse in Kenia.

Helden des Laufsports: Wann und wie bist du zum Laufsport gekommen?

Andreas Stöckl: Begonnen hat alles vor sieben Jahren während der Frühjahrsvorbereitung im Fußball. Wir hatten ab Ende Jänner vier Mal pro Woche Training, sodass mein bester Freund und ich beschlossen, am trainingsfreien Mittwoch, laufen zu gehen. Dabei absolvierten wir dann in zwei Stunden eine Strecke von ungefähr 22 Kilometern und kamen dabei zur Erkenntnis, dass ein Halbmarathonrennen sehr interessant wäre, wenngleich dieser Trainingslauf uns natürlich alles abverlangte. Und so kam es, dass ich noch im gleichen Frühjahr beim Salzburg Marathon ein gelungenes Debüt über die Halbmarathondistanz feiern konnte. Damals noch ohne wirklich spezifisches Lauftraining, kam ich nach 01:27:07 Stunden ins Ziel. Auch wenn ich mir gegen Ende des Rennens einreden wollte, dass das mein erster, aber zugleich auch letzter Halbmarathon war, da es um einiges kräfteraubender war als gedacht, überwogen im Ziel dann doch die Glücksgefühle und von dort an packte mich das Lauffieber mehr und mehr. Ein Jahr später war ich auf derselben Strecke bereits um mehr als sechs Minuten schneller.

Was war dein bisher absolut bester Wettkampf? Erzähl uns ein bisschen von diesem Lauf.

Mein absolut bester Wettkampf gelang mir im März 2017 bei den österreichischen Staatsmeisterschaften im Halbmarathon im Rahmen des Sorger Halbmarathon in Graz. Ich konnte mir damals, in einer für mich unvorstellbaren Zeit von 01:09:17 Minuten den neunten Platz sichern. In diesem Rennen lief es einfach wie am Schnürchen. Ich riskierte vom ersten Meter an was nur ging und wurde dafür mehr als belohnt. Auch wenn ich von Kilometer elf bis 15 eine kleine Schwächephase verspürte, konnte ich gegen Ende des Rennens nochmals beschleunigen, da ich beim Blick auf die Uhr sah, dass ich an diesem Tag ein „Lebensziel“ von mir erreichen könne, da ich eindeutig unter 01:10 Stunden unterwegs war. „Sub 70 im Halbmarathon, wenn ich das einmal schaffe, dann hänge ich die Schuhe an den Nagel“, sagte ich noch wenige Monate zuvor zu meinen Vereinskollegen beim Training, nachdem ich meine Bestzeit gerade mal auf 01:14:17 Stunden verbessert hatte. Dass das dann so schnell ging, konnte ich an diesem Tag noch nicht wirklich realisieren. Auslöser war eine für mich doch recht deutliche Steigerung des Trainingsumfanges von 90 Wochenkilometer auf etwa 120 Wochenkilometer – und das binnen weniger Wochen.

Welche weiteren Wettkampf-Highlights durftest du bereits erleben?

Ein weiteres absolutes Highlight erlebte ich im März 2017 beim Wings for Life World Run in Mailand. Ich erreichte dort mit 59,8 Kilometer den sechsten Platz und konnte mich damit weltweit unter den Top 60 platzieren. Im sogenannten „Battle of Milan“ durfte ich mich mit einigen der Besten im Ultrastraßenlauf messen und diese bis Kilometer 40 auch richtig schön ärgern. Ab Kilometer 12 setzte ich mich nämlich an die Spitze des Feldes und machte mich Schritt für Schritt auf und davon, ehe ich dann ab Kilometer 40 dem hohen Anfangstempo Tribut zollen musste und nach und nach ein paar Plätze verlor. Ab Kilometer 50 war es ein gnadenloser Kampf gegen den inneren Schweinehund. Ein besonderer Moment war, als mich dann meine Frau – damals noch Freundin – kurz vor Kilometer 50 überholte. Leider war ich zu diesem Zeitpunkt am absoluten Tiefpunkt in diesem Rennen und ich konnte ihr nicht folgen. Letzten Endes war ich dann doch froh, als mich das Catcher Car bei Kilometer 59,8 einholte und die Freude über meine Leistung war enorm groß. Noch mehr freute ich mich für meine Conny, die über 62 Kilometer schaffte und den weltweit zweiten Platz bei den Frauen erreichen konnte. Wir hatten also nach dem Wettkampf wirklich allen Grund zum Feiern.

Du warst mit deiner Frau Cornelia – die wie oben bereits erwähnt ebenfalls erfolgreiche Läuferin ist – auch schon mal in Kenia. Wie war die Zeit dort, und welche Qualität hat das Training in der Höhe?

Meine Frau und ich verbrachten knapp vier Wochen in Iten. Es war eine unvergessliche Zeit dort. Das Training lief sehr gut, wenngleich die Anpassung an die Höhe (2400 Meter Seehöhe) zu Beginn deutlich ihre Spuren hinterließ und das Trainingstempo deutlich reduziert werden musste, da die Luft tatsächlich sehr dünn war. Außerdem musste man sich erstmal auch an die ruppigen Straßen – vorwiegend rote Erde – gewöhnen. Dazu kam noch, dass man dort am Hochplateau fast keine ebenen Strecken vorfand und das Training dadurch noch viel fordernder ausfiel. Besonders toll in dieser Gegend ist, dass es nur so von Läufern wimmelt. Trifft man zu Hause bei einem Lauf vielleicht mal fünf andere Läufer, laufen einem in Iten hunderte andere Läufer über den Weg. Qualitativ konnten wir vier Wochen wirklich hervorragend trainieren und eine starke Form mit nach Hause nehmen. Im Kerio View Hotel werden für ein erfolgreiches Trainingslager auch tolle Rahmenbedingungen geschaffen, es eignet sich somit perfekt. Auf jeden Fall wollen wir beide nochmals dorthin, da wir das Training in der Höhe doch sehr gut angenommen haben. Geplant wäre das auch bereits heuer im Winter gewesen, leider mussten wir aber aufgrund von Verletzungsproblemen bei meiner Frau das Ganze absagen. Aber wie sagt man so schön – aufgeschoben ist nicht aufgehoben und somit werden wir uns diesen Traum nächstes Jahr vielleicht wieder erfüllen.

Abgesehen vom Sport, welche Eindrücke blieben bei dir von Land und Leute hängen?

Kenia ist ein tolles Land mit tollen und herzlichen Menschen. Natürlich sehen viele auch das Geld in den Weißen und betteln – so meinte ein kleiner Junge, der uns während des Trainings über den Weg lief: Masungo (weißer Mann), give me your watch! – aber wenn man die armen Verhältnisse dort sieht, braucht das einen auch nicht zu wundern. Teilweise stehen wilde Baracken herum, ohne Fenster und Türen und nur mit einem einfachen Blechdach, wo die Menschen tatsächlich darin hausen. Am Weihnachtstag machten wir ein lockeres Training – wir liefen sechs Kilometer die Straße Tal abwärts und wanderten dann einen steilen Wanderweg wieder hoch. Dort waren an diesem Tag unzählige Kinder unterwegs. Es war einfach schön anzusehen, welche Freude die Kinder dort hatten, besonders wenn sie dich als Weißen berühren konnten. So nahm mich ein kleiner Junge an meiner Hand, die andere Hand hatte ich in meiner Hosentasche eingeschoben. Plötzlich griff ein kleines Mädchen in meine Hosentasche um mich ebenfalls an der Hand zu nehmen und strahlte mich darauf hin mit einem breiten Lächeln an. Auch landschaftlich ist Kenia ein wunderschönes Land und die vielfältige Tierwelt durften wir bei einer Tagessafari natürlich auch bestaunen. Beim nächsten Aufenthalt werden wir auf jeden Fall wieder eine Safari machen, diesmal aber eine die zwei bis drei Tage dauert. Der Aufenthalt in Kenia war einfach ein unvergessliches Erlebnis mit vielen bleibenden Eindrücken!

Wenn du zu Hause in Saalfelden trainierst, welche Umfänge schaffst du da neben dem Job im Alltag?

Im Schnitt komme ich auf 120 bis 140 Kilometer pro Woche. Natürlich sind auch mal ruhigere Wochen dabei und Wochen mit 150 Kilometer oder mehr. Im Winter ist es tendenziell etwas weniger, was natürlich auch den Witterungsbedingungen in unserer Region geschuldet ist, da ich im Sommer auch mehrmals wöchentlich bereits um fünf Uhr, bevor es zur Arbeit geht, meine erste Einheit absolviere und diese im Winter nicht zustande kommt. Dadurch dass ich einen Beruf mit Gleitzeit habe, kann ich mir das schon halbwegs gut einteilen. Natürlich ist es trotzdem nicht leicht, neben einem Vollzeitjob diese Umfänge zu trainieren, man sollte ja auch regenerieren. Dafür nutze ich seit Herbst letzten Jahres das RecoFlow Maxi – ein Gerät zur Förderung einer schnellen Regeneration – einfach sensationell dieses Teil!

Du bist Mitglied beim SC Leogang. Trainiert ihr des Öfteren in der Gruppe?

Ja! Das Vereinstraining findet normalerweise jeweils mittwochs und freitags statt. In den Wintermonaten ist die Beteiligung leider immer etwas mager, was natürlich auch wieder den schwierigen Trainingsverhältnissen bei uns im Gebirge etwas zu Schulden kommt. Im Sommer ist da schon deutlich mehr los. Zumeist teilen wir uns etwas auf, dass sowohl die Flotteren als auch die etwas Langsameren ihren Spaß beim Vereinstraining haben. Außerdem veranstalten wir jedes Jahr am ersten Sonntag im August unseren traditionellen Sonnberglauf. Dieser geht nächstes Jahr bereits zum 52. Mal über die Bühne.

Was ist dein nächstes großes Ziel?

Meine nächsten großen Ziele sind einen Marathon deutlich unter 02:30 Stunden zu laufen und an meine PB im Halbmarathon heranzulaufen. Außerdem wäre eine Titelverteidigung beim Heimrennen, dem Sonnberglauf in Leogang, auch etwas ganz tolles.

Für einen Langstreckenläufer bist du noch sehr jung. Welche Traumbestzeiten, die aus deiner Sicht realistisch sind, hast du im Kopf?

Nachdem ja die sub 70 auf der Halbmarathondistanz schon gefallen ist, was ein großes Ziel von mir war, denke ich, dass ich eventuell noch sub 68 schaffen kann. Auf der Königsdistanz, dem Marathon, erhoffe ich mir eine Zeit zwischen 02:20 Stunden und 02:25 Stunden. Dies sollte meiner Meinung nach auch realisierbar sein.

Welche Hobbys, außer dem Laufsport, hast du noch?

Ich mache eigentlich unzählige Sportarten in meiner Freizeit, welche vorzugsweise in der Natur ausgeübt werden können. Des Weiteren unternehme ich gerne etwas mit meinen Freunden und verbringe Zeit mit meiner Familie. Etwas gute Musik und eine Runde Kartenspielen darf natürlich auch nie fehlen. Abschließend möchte ich mich noch bei “HDL” für das tolle Interview bedanken! Außerdem bei meinen ganzen Unterstützern – Familie Altenberger vom Krallerhof Leogang, der Firma Recoflow und allen voran Hervis Sports Österreich Saalfelden – danke euch für die tolle Unterstützung bei der Ausübung meines Hobbys. Ein großer Dank gilt natürlich auch meiner Familie und ganz besonders meiner Frau, die mich immer wieder aufmuntern und mir den Rücken stärken, wenn es auch mal nicht so gut läuft. 😉

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