Teil 109 (KW 32/2020): Anita Weissinger

Foto: ©Anita Weissinger

Anita Weissinger-Lusenberger konnte ein sehr erfolgreiches Sportjahr 2019 feiern. Die 50-jährige Berufsschullehrerin für Landschaftsgärtner und Floristen vom Tri Team 1. USC Traun, spricht im Helden-Interview #109 über ihre größten Erfolge und über Trailrunning.

Helden des Laufsports: Wie bist du zum Laufsport gekommen?

Anita Weissinger: Ich habe mich schon immer gerne bewegt. Aber so richtig zum Trainieren habe ich erst begonnen, als wir nach Alkoven übersiedelt sind und mich eine Nachbarin fragte, ob ich nicht jeden Montag mitlaufen möchte. Der Obmann vom Badmintonverein hatte dann die Idee auch eine Laufgruppe aufzubauen und an Laufbewerben teilzunehmen. So habe ich mich langsam von einem Fünf-Kilometer-Volkslauf zum Ultramarathon gesteigert.

Welcher war dein bisher größter läuferischer Erfolg?

Voriges Jahr mein zweiter Platz in der AK 50 beim Transgrancanaria, einem Ultratraillauf über 130 Kilometer und 7400 Höhenmeter. Dafür brauchte ich über 22 Stunden. In erster Linie wollte ich ins Ziel kommen, dass dann ein Stockerlplatz daraus wurde verdanke ich auch meiner Tochter, die mich während dem Lauf per Telefon betreute. Der Körper mag nach ca. 80 Kilometer nicht mehr, dann zählt der Kopf und der Magen. Ein großes Problem ist die Nahrungsaufnahme. Ich bin immer wieder „verhungert“. Der Körper will nichts mehr essen und ich muss ihn mit meinem Willen zwingen es doch zu tun. Dafür esse ich so drei Tage nach einem Lauf alles was ich bekomme und am Liebsten Süßes.

Heute bist du auch Triathletin, wie kam es dazu?

Naja, ich bin nicht mehr ganz die Jüngste und die Knie fingen an zu schmerzen sowie die Hüfte, also suchte ich einen Ausgleich. Beim Steeltownman habe ich öfters mitgeholfen und so kam die Idee auch einmal einen Triathlon zu probieren. Laufen und Rad fahren konnte ich, nur das Schwimmen war ein Problem. Ich bewarb mich beim Tri Team 1. USC Traun und nach einem Bewerbungsgespräch mit dem Leitner Andi haben sie mich aufgenommen. Ich brauchte zwei Jahre, bis ich mich über meinen ersten Triathlon traute, weil beim Schwimmen ging es bis dahin nur ums Überleben. Zu Beginn war ich froh eine Bahn mit 25 Meter durchschwimmen zu können.

Was waren hier deine größten Erfolge?

Der größte Erfolg war wahrscheinlich mein dritter Platz beim Ironman in Klagenfurt in der AK 50 und deshalb der Sieg bei der Österreichischen Meisterschaft. Bei dieser Langdistanz musste ich absolut über meine Grenzen gehen. Beim Rad fahren kam ich in das Gewitter, genau vor der Abfahrt nach dem Rupertiberg, als es schon Richtung Ziel ging. Es stürmte und hagelte so stark, dass wir vom Rad steigen mussten, nur da wurde uns schnelle eiskalt, also beschlossen ein paar vorsichtig hinunter zu fahren, durch knöcheltiefes Wasser zwischen Ästen, Zapfen und Steinen hindurch. Ich sagte noch zu dem Fahrer neben mir, dass ich entsetzliche Angst habe. Er meinte nur, er auch. In der Wechselzone habe ich so gezittert, dass ich den Beutel nicht aufbekam und war den Tränen nahe. Einerseits weil ich es geschaffte hatte, andererseits weil mir immer noch so kalt war. Geholfen hat mir das beruhigende und motivierende Zureden der freiwilligen Helferin in der Wechselzone. Ein ganz großes Dankeschön noch einmal an alle Helfer damals! Sie waren großartig! Bei der nächsten Wechselzone gab es dann nur Wasser und ich wusste ich muss etwas trinken, aber für meinen Kopf war es unmöglich. Erst als es wieder Cola gab, konnte ich etwas trinken. Und dann kam schon meine Teamkollegin und feuerte mich an. Das gab mir weitere Kraft und ich konnte die Tränen runterschlucken und meinen Laufrhythmus finden.

Deine große Leidenschaft ist aber „Trailrunning“. Was fasziniert dich daran?

Die Freiheit, die Natur, die Gemeinschaft unter den Läufer/innen. In Österreich war die Gruppe der Trailläufer/innen zu Beginn noch sehr klein und man kannte sich. Die Rennen waren fast wie ein Familientreffen. Noch heute laufe ich lange Distanzen nicht gerne allein, besonders in der Nacht ist es gut einen neben sich zu haben. Auf Trails wird selbst bei den Rennen gequatscht und in den Bergen muss man sich sowieso gegenseitig helfen. Der Wettkampfgedanke rückt dabei in den Hintergrund. Das gemeinsame Erleben, das Überwinden seiner Grenzen steht mehr im Mittelpunkt.

Du wohnst in Alkoven an der Donau/Oberösterreich. Wie sind dort deine Trainingsmöglichkeiten?

Schlecht, bezogen auf die Höhenmeter. Aber im Kürnbergwald und auf der Gis gehen sich schon ein paar aus und ich laufe die Anstiege dann statt einmal zweimal hoch. Am Wochenende bin ich gerne in den Bergen.

2019 hast du dich verletzt. Wie geht es dir aktuell und wie sieht deine Corona-Saison aus?

Leider habe ich mir die Supraspinatus eingerissen und musste operiert werden. Daher konnte ich sieben Monate nicht schwimmen und auch nur eingeschränkt laufen. Zwiften klappte mit Schiene ganz gut. Aber ich wollte nach dem sportlich anstrengenden Jahr sowieso ein bisschen weniger Bewerbe absolvieren und meinen zweiten Master machen. Durch die Corona-Maßnahmen wurden mittlerweile alle Bewerbe, für die ich gemeldet war, auf 2021 verschoben oder abgesagt, also mache ich heuer wahrscheinlich gar keine. Mit den virtuellen Bewerben konnte ich mich noch nicht anfreunden. Alternativ zum Trailrunning klettere ich nun wieder mehr in den Bergen rum und verwende viel Zeit für die Masterthesis sowie die Neugestaltung meines Gartens.  

Wie sieht bei dir eine normale Trainingswoche aus?

2019 ist unabsichtlich nach Transgrancanaria ein Triathlonjahr geworden und dem entsprechend habe ich trainiert. Außer beim Schwimmtraining mit dem Verein habe ich keinen Trainer. Ich trainiere nach dem Plan in der Triathlonzeitschrift, meinem Gefühl, dem Wetter und der verfügbaren Zeit. Sicher, mit Trainer wäre ich erfolgreicher, aber so macht es mir immer noch Spaß. Ich glaube den würde ich bei einem strikten Trainingsplan verlieren.

Gibt es für die Zukunft noch einen großen sportlichen Traum, welchen du dir erfüllen möchtest?

Ein großes Ziel ist den UTMB zu laufen und nach 170 Kilometer ins Ziel zu kommen. Zudem würde ich gerne noch den Austria eXtrem sowie Norseman und ähnliche Bewerbe machen. Aber mal sehen wie es weitergeht mit Covid-19 und meiner Gesundheit. 

Welche Hobbys, außer Sport, hast du noch?

Hm, neben meinem Beruf als Lehrerin, meinen zwei Kindern, Haushalt und dem Studium bleibt nicht viel Zeit. Ins Theater gehe ich oft, das finde ich direkter als Kino oder fernsehen. Zum Lesen hätte ich gerne mehr Zeit.

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