Beim Marathon droht Hitzeschlacht: In Sapporo genau so arg wie in Tokio

Text: Olaf Brockmann

August 2021: Es ist schon eine total verrückte Situation! Der olympische Marathon war von IOC und Leichtathletik-Weltverband entgegen dem Willen des japanischen Organisationskomitees wegen der drohenden Hitze von Tokio nach Sapporo verlegt worden. Und jetzt? Für den Sonntag (Start um Mitternacht MESZ) ist im aktuellen Wetterbericht im japanischen TV für Sapporo dieselbe Hitze angesagt – ja mit 32 Grad sogar ein Grad mehr als in Tokio, dazu etwas Regen, der die Luftfeuchtigkeit noch in die Höhe treibt…

Peter Herzog / Foto: ©Hannes Langer

Die ganze Verlegung des Marathons war von an Anfang umstritten. Angeblich sollten in Sapporo bessere klimatische Bedingungen als in der japanischen Metropole herrschen. Der Weltverband unterstützte diese gravierende Änderung angesichts des Hitze-Marathons der WM 2019 in Doha. Tokio selbst lief dagegen Sturm, wollte den klassischen Königsbewerb zum Abschluss der Spiele nicht weggeben, die Strecke war fix und fertig vermessen, Wohnungen entlang der Strecke schon zu horrenden Preisen vermietet. Aber das IOC überrollte die Organisatoren. Eine neue Strecke musste in Sapporo vermessen werden. Die ganze Logistik mit Transport, Hotels und Rennorganisation waren und sind wegen der Pandemie ein heller Wahnsinn.

Organisatorisches Chaos

In Sapporo herrschen jetzt – wie in Tokio selbst – extrem hohe Temperaturen. „Ich erwarte eine wahre Hitzeschlacht“, sagt Trainer Hannes Langer, der Österreichs Rekordler Peter Herzog betreut. Ähnlich Harald Fritz, der Lemawork Ketema, den zweiten Österreicher in diesem Rennen, coacht: „Es ist die Frage, wer mit diesen Hitzebedingungen am besten zurechtkommt!“ Zudem scheint es auch für die Läufer ein organisatorisches Chaos in der Stadt der Olympischen Winterspiele von 1972 zu geben, zumindest gibt es für die Läufer äußerst schlechte Trainingsbedingungen…

Training auf Beton

Die Läufer bereiten sich maßgeblich im Makomanai-Stadion vor, wo 1972 die Eröffnungsfeier und die Eisschnelllaufbewerbe stattgefunden haben. Harald Fritz: „Das ist kein Leichtathletik-Stadion, trainiert wird auf einer 450 m langen Runde aus Beton! Um das Stadion herum gibt es eine wellige, durchgehend asphaltierte Laufstrecke.“ Und das Stadion selbst? „Der Innenbereich mit der Lounge, dem Massageteil, den Sanitäranlagen ist sehr antiquiert.“ Ergänzend gibt es nur eine 900 m lange, sehr wellige Runde um das Stadion – „teils mit sehr viel Verkehr!“ Unverständlich, warum man für die Marathon-Helden keine vernünftige Trainingsstrecke hat finden können!

Für das rot-weiß-rote Team gibt’s also Herausforderungen ohne Ende. Die Athleten sind im Sapporo Prince Hotel untergebracht. Der Lemawork-Coach: „Zum Essen und anderen Aktivitäten müssen wir in ein Gebäude auf die andere Straßenseite gehen.“ Selbst dieser Weg ist eingegrenzt und von Uniformierten überwacht. „Kein Entkommen möglich!“ Das Essen für die Läufer reiche keinesfalls an das Niveau im Olympischen Dorf heran: „Nicht schlecht, aber kein Vergleich zu Tokio!“

Besichtigung nur per Video

Die Marathonstrecke selbst kann nicht, wie sonst üblich, persönlich besichtigt werden. Dies geht wegen der Pandemie nur per Video. Ein großes Problem wird auch während des Rennes die Verpflegung sein. Österreichs kleines Betreuerteam – neben den beiden Trainern ist dies noch Richard Högler, Mediziner gleichermaßen wie Therapeut – kann unmöglich alle Verpflegungsstellen selbst besetzen. Die Kooperation mit anderen Teams, gerade mit den Schweizer Betreuern, sei aber sehr gut, sodass man sich gegenseitig aushelfen werde.Fazit: „Die Einschränkungen wirken schon auf die Vorbereitung, wir sind aber guter Dinge und das Team funktioniert. Daher ist die Stimmung sehr gut, der Kooperationsgeist ist fein. So halten wir es auch gut aus, obwohl wir einen sehr eingeschränkten Bewegungsradius haben!“

Lemawork Ketema / Foto: ©Hannes Langer

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.