Carina Schrempf: “Mit diesem Titel beende ich die Saison”

Carina Schrempf (Union St.Pölten Leichtathletik/ESIN Sportclub) holte sich bei den österreichischen Staatsmeisterschaften über die 800-Meter-Distanz die Goldmedaille. Im Interview spricht die 26-jährige Steirerin über ihre ungewöhnliche Vorbereitung und über die nächsten Ziele.

Foto: ©ÖLV

Helden des Laufsports: Gratulation zum Staatsmeistertitel über die 800 Meter! Wie verlief das Rennen aus deiner Sicht?

Carina Schrempf: Vielen lieben Dank! Mich persönlich hat es sehr gefreut, dass es ein fast schon ungewöhnlich großes Teilnehmerinnenfeld über 800 Meter gegeben hat und ich hoffe, dass das auch in Zukunft oft der Fall sein wird! Die erste Runde wurde entgegen meiner Erwartungen nicht gerade langsam angelaufen und so hielt ich mich vorerst eher zurück und suchte mir eine Position, in der ich dennoch flexibel genug auf mögliche Attacken reagieren konnte. Da ich in den vergangenen Wochen keine leichtathletikspezifischen Belastungen setzen konnte, war die Unsicherheit über mein derzeitiges Leistungsvermögen groß. Meinen Staatsmeistertitel wollte ich aber unbedingt versuchen zu verteidigen. Bis 400 Meter blieb das Feld relativ kompakt beisammen und ich habe auf der letzten Gegengerade einfach gehofft, dass der Körper nicht verlernt hat, mit Laktat umzugehen. Beim Kurvenausgang sah ich meinen Zeitpunkt gekommen, dies auszutesten und schaltete einen Gang höher. Durch die Tempoverschärfung konnte ich mich etwas von meinen Konkurrentinnen absetzen und meinem neunten Staatsmeistertitel entgegenlaufen. Die Erleichterung darüber war natürlich groß, da ich aufgrund von gesundheitlichen Problemchen erst am Vortag des Rennens fix entschieden habe, zu laufen. Meine Zeit war aufgrund des taktisch geprägten Rennens nicht überragend aber ich hoffe, im nächsten Jahr auch selbst wieder für schnelle Rennen sorgen zu können, da man in der Leichtathletik ja schon sehr auf konkrete Zeiten fokussiert ist, die man erreichen und verbessern möchte.

Gelaufen bist du ja in der Vorbereitung auf diese Meisterschaften nicht wirklich viel. Wie sah dein Training in den letzten Wochen aus?

Ich bin zu 80% am Rad gesessen. Die wenigen Laufkilometer, die ich in den letzten fünf Wochen gesammelt habe, waren lockere Grundlagenläufe. Für etwas Intensität haben ein paar Rad-Belastungen gesorgt, die meistens drei Faktoren miteinbezogen: steile Straßen, kurze Pausen und brennende Oberschenkel. Nachdem mein Coach Vincent Vermeulen auch seinen Sohn Moran, einen Radprofi, der für das Team Felbermayr Simplon Wels fährt, trainiert, mangelte es nicht an Ideen für harte Einheiten. 😉 Zwei Wochen vor den Staatsmeisterschaften habe ich bemerkt, dass ich halbwegs schmerzfrei Stufen hinauflaufen kann. Die Folge davon: Die Stufen auf der Ramsauer Schisprungschanze wurden zu meiner Trainingsstätte. In den letzten zehn Tagen vor den Staatsmeisterschaften gab’s dann zwar leider wieder einen kleinen Dämpfer, der einen Start unwahrscheinlich machte, aber ich bin sehr dankbar, dass ich doch noch laufen konnte.

Hast du dieses Jahr noch Wettkämpfe geplant?

Mit den Staatsmeisterschaften habe ich meine Wettkampfsaison vorerst abgeschlossen. Im Herbst habe ich in den vergangenen Jahren immer gerne an Volksläufen teilgenommen, aber diesbezüglich bin ich coronabedingt derzeit eher vorsichtig bis wenig optimistisch.Vielleicht ergibt sich noch das ein oder andere Radrennen – damit sich das viele Alternativtraining doppelt ausgezahlt hat. 😉

Noch ein kleiner Blick zurück auf deine bisherige Karriere: Was waren hier deine größten Erfolge?

Neben der Aufstellung meiner persönlichen Bestleistungen bin ich für jeden Start, den ich bisher im Nationalteam absolvieren durfte, sehr dankbar. Meine erste internationale Qualifikation für die U20-WM in Barcelona 2012 bleibt mir da ganz besonders in Erinnerung. Für mich persönlich war das Aufstellen meiner Bestleistung über 800 Meter in den USA (2015) ein Meilenstein, da dieser Erfolg sehr unerwartet gekommen ist. Diese Rennen, wo man sich den Lohn für die harte Trainingsarbeit abholt und Wettkämpfe, bei denen man sich nach Verletzungen wieder erfolgreich zurückmeldet, tun dem Sportlerherz ganz besonders gut und entschädigen für Rückschläge, die halt auch manchmal dazugehören.

Wenn du ein Karriereziel definieren müsstest, welches wäre das?

Im nächsten Jahr möchte ich bei der Team-EM für Österreich wieder um Punkte über 800 Meter und in der 4 x 400 Meter-Nationalstaffel kämpfen. Die Annäherung an Qualifikationszeiten für internationale Großereignisse motiviert mich ebenso wie das Ziel, meine persönlichen Bestleistungen nach unten zu drücken. Allgemein hoffe ich, dass ich meiner Leidenschaft, mit möglichst viel Laktat möglichst schnell zu laufen, noch einige Jahre nachgehen kann, ohne dabei von lästigen Verletzungen ausgebremst zu werden – auch wenn ich mittlerweile weiß, dass mit Alternativtraining auch einiges möglich ist. 😊 

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