Teil 65 (KW 37/2019): Christian Feuchtner

Christian Feuchtner ist Sportler durch und durch. Speziell Triathlon ist dem 42-jährigen Oberösterreicher besonders wichtig. In seinem Blog informiert er zusammen mit Ehefrau Katharina, regelmäßig Triathlon-Fans über verschiedenste Themen und lässt diese auch zu Wort kommen. Der Athlet des ALC Wels kennt aber auch die Schattenseiten des Sports und erzählt uns von seinem Weg zurück, bei dem er auch den Fall in ein mentales Loch überwinden musste.

Helden des Laufsports: Hallo Christian. Seit wann machst du Ausdauersport?

Christian: Eigentlich von Kindesbeinen an. Ich hatte das Glück, dass in meiner Kindheit der Schulsport einen weit größeren Stellenwert hatte, als vergleichsweise in der heutigen Zeit. Wir hatten immens viele Möglichkeiten uns in verschiedensten Sportarten zu betätigen. Sogar ein Hallenbad konnte unsere Schule vorweisen. Das nutzte ich damals zwei bis dreimal in der Woche aus, um für Schülermeisterschaften im Schwimmen zu trainieren. Nebenbei spielte ich auch lange Zeit Fußball und war viel mit dem Rad unterwegs. Nur Verletzungspausen hielten mich vom Sport ab bzw. auch eine Zeit lang, um meine Jugend auszuleben ;-).

Hdl: Was waren deine bisher größten läuferischen Erfolge?

Christian: Gott sei Dank feiere ich laufend persönliche läuferische Erfolge, auch wenn es „nur“ Trainingsläufe sind. Wenn du nämlich einmal in einer Situation bist, in der Ärzte geteilter Meinung sind, wie bei mir bzgl. meiner Knieverletzung, dann ist jede Strecke die du zurücklegst – unabhängig von der Zeit – ein großer Erfolg. Vor meiner Knieverletzung waren die emotionalsten Gefühle beim Über-Drüber-Ultramarathon in Kirchdorf. Hier mussten die Athleten die dreifache Halbmarathonstrecke gespickt mit knappen 2000 Höhenmetern absolvieren. Aber auch meine Bestzeit beim Neuhofner Geländelauf über 9,6 Kilometer in 35:58 Minuten zähle ich zu meinen Erfolgen.

Hdl: Sehe ich das richtig, Triathlon ist deine große Leidenschaft? Auf der Mittel-Distanz hast du eine Bestzeit von 04:00 Stunden. Wo und wie war dieses Rennen?

Christian: Ja genau, ich liebe diese Sportart! Die Kombination aus diesen drei Grundsportarten, mit denen ich als Kind aufgewachsen bin, lassen das Kind in mir wieder erwachen. Meinen ersten Triathlon machte ich überhaupt mit einem Mountainbike und auch danach hatte ich lange Zeit keine Zeitfahrmaschine, sondern fuhr einfach mit dem Rennrad diverse Bewerbe. Außerdem finde ich das Training sehr abwechslungsreich und empfinde es als ein vielseitiges Ganzkörperprogramm.

Das Rennen in Porec/Kroatien liegt bereits sechs Jahre zurück und war sozusagen in der Blütephase meines Triathleten-Daseins. Dabei konnte ich beim Schwimmen und Laufen nach gezielter einjähriger Vorbereitung sehr gute Leistungen erzielen. So schwamm ich in einer 26er-Zeit die 1,9 Kilometer im Meer, aber auch mit dem Radsplitt über 85 Kilometer in 02:15 Stunden (mit Zeitfahrrad) war ich sehr zufrieden. Die abschließende Laufstrecke (19,5 Kilometer) konnte ich in 01:14 Stunden absolvieren – und so kam ich mit den Wechselzeiten auf vier Stunden und ein paar Sekunden.

Hdl: Das waren die schönen Momente, allerdings liegt auch eine Leidenszeit mit vielen Fehldiagnosen hinter dir.

Christian:  Es war im Grunde eine Diagnose, die sehr viel auslöste, aber zugegeben hinterfragte ich damals diese auch zu wenig. Angefangen hat alles mit einem Meniskuseinriss im linken Knie bei einem Pressball beim Fußballspielen. Es wurde mir eine mehrwöchige Pause nahegelegt, da der Meniskuseinriss allen Anschein nach im durchbluteten Bereich lag und daher nicht operiert werden musste. Rad fahren war möglich und nach sechs bis acht Wochen durfte ich wieder mit einem leichten Lauftraining anfangen. In Summe dauerte es aber dann doch länger und nachdem ich ohnehin – vor mittlerweile 13 Jahren – meine Fußballschuhe an den Nagel hängen wollte, reizte es mich etwas sportlich Neues auszuprobieren. Nach ca. einem halben Jahr Laufpause schien das Knie geheilt zu sein. Keine Schmerzen beim Laufen und ich freute mich anstelle den Fußballschuhen am Wochenende bei einem Bewerb die Laufschuhe zu schnüren. Doch nach einigen Jahren Lauf- und Triathlontraining dürfte die alte Verletzung doch nicht so gewesen sein, wie anfangs vermutet. Der Meniskus riss mit der Zeit immer tiefer ein und zudem gesellte sich lt. erstem Befund ein viergradiger Knorpelschaden an der Innenseite des Knies dazu. Nach einer Beinachsen-Vermessung wurde auch eine Fehlstellung diagnostiziert, die sich sehr ungünstig auf das Knie auswirkt.

Hdl: Wie ging es dir in dieser Zeit?

Christian: Als Vollblutsportler war dies schwer zu verdauen und ich fiel dabei auch in ein sehr tiefes mentales Loch. In dieser Zeit halfen mir meine Frau Katharina und später auch ein Mentalcoach, um wieder mehr Perspektiven und vor allem optimistisch in die Zukunft zu blicken. Schließlich ist Sport nicht alles in Leben und alten Zeiten nachzutrauern für das ist die Gegenwart zu schade. Daher habe ich für mich folgende Rückschlüsse aus der Situation gezogen: Akzeptieren – das Beste aus der gegenwärtigen Situation machen (klingt einfach, ist es aber gar nicht) – optimistisch und geduldig sein (ebenfalls leichter gesagt, oft siegt das Herz und nicht der Kopf).

Hdl: Du kommst aus Schleißheim bei Wels. Wie sind dort deine Trainingsmöglichkeiten und wie viel Zeit investierst du aktuell in dein Training?

Christian: In Schleißheim sind die Trainingsbedingungen spitze! Wir wohnen direkt neben der Traun und nutzen den Fluss natürlich auch für Schwimmeinheiten – mit, sowie gegen die Strömung. Es geht auch direkt ein Radwegnetz vor unserem Haus weg, welches wir mit dem Rennrad befahren. Die Traun-Auen erkunden wir meist mit dem Mountainbike, wo wir auf unzählig kleine Trails treffen und aus dem Staunen gar nicht mehr raus kommen wieviel kleine Pfade es gibt. Laufen kannst du daher bei uns auf Asphalt, auf schmalen Waldpfaden, entlang der Traun oder in Kombination. Ich sportle sechs Mal die Woche zwischen einer dreiviertel Stunde und zwei Stunden täglich.

Hdl: Welche sportlichen Ziele hast du für die Zukunft?

Christian: Die größte Herausforderung ist, ein ausgewogenes Trainingskonzept zu finden, das zum einen mein Knie nicht überlastet und zum anderen meine Leistungsfähigkeit erhöht. Habe gerade meine Freude für Aquathlontraining entdeckt (Schwimmen-Laufkombination) und denke, dass ich nächstes Jahr irgendwo bei einem Aquathlon-Bewerb am Start stehen werde. Außerdem bei ein paar Triathlonsprint-Distanzen und in den nächsten zwei bis drei Jahren vielleicht wieder bei meinem Lieblings-Halbmarathon in Hallstatt.

Hdl: Du hast auch eine Internetseite, was hat diese inhaltlich zu bieten?

Christian: Genau, Katharina hatte vor einigen Jahren die Idee unseren Blog „triyourlife.at“ in Kombination mit einer Sportfotografie ins Leben zu rufen. Gesagt getan. Seitdem schreiben wir regelmäßig Beiträge zum Thema Ausdauersport und bieten darüber hinaus als Dienstleister auch unsere Sportfotografie in Kooperationen mit diversen Veranstalter an. Oder auch explizit für Sportler, die spezielle Sportler Portraits benötigen. Dazu investierten wir in den letzten Jahren immer wieder in Weiterbildung was die Fotografie betrifft.

Hdl: Beruflich bist du als Trainer tätig, mit Sport hat das aber nichts zu tun, oder?

Christian: Nein, mein Trainerjob in einer großen oberösterreichischen Firma hat nichts mit Sport zu tun, sondern ist mit Mitarbeiter-Ausbildung verbunden.

Hdl: Hast du neben dem Sport und dem Bloggen auch noch andere Hobbys?

Christian: Ja, die Fotografie. Wir haben schon seit einigen Jahren ein Gewerbe angemeldet und verschiedenste Coachings besucht. Außerdem haben wir eine Border Collie Dame, die sehr gerne unsere Aufmerksamkeit genießt und auch immer wieder beim Laufen dabei ist. Bergwandern und Langlaufen zählen auch noch zu meinen sportlichen Hobbies. Ansonsten spiele ich noch hin und wieder alte Grunge-Nummern aus den 90ern auf der Gitarre.

Hdl: Danke für das Gespräch und weiterhin alles Gute.