Christmas Special – Weihnachten feiern als Läufer

Liebe Leser!

Ich möchte hier nicht den Eindruck erwecken, dass für Läufer tatsächlich jede Lebenslage anders ist als bei „Nichtläufern“. Allerdings dreht sich diese Kolumne nun mal um Laufsport. Und es gibt viele verschiedene Hobbies, die man sehr intensiv ausleben kann. So intensiv, dass es zeitweise zu Differenzen mit dem Privatleben kommt. In meiner Familie gibt es zum Beispiel einige sehr gute Musiker; mein Onkel, meine Cousine und die Frau meines Cousins sind sogar Berufsmusiker. Da heißt es auch: üben, üben, üben. Wann kann ich endlich wieder üben (es sind mehrere Stunden täglich notwendig), wo habe ich die Möglichkeit zu üben? Passt die Luftfeuchtigkeit bzw. die Außentemperatur für mein Instrument, kann ich es mehrere Stunden im Auto lassen ohne dass es total verstimmt? Soll ich es riskieren, die schwarze Piste mit den Skiern hinunter zu sausen, auf die Gefahr hin, mir den Arm zu brechen und evtl. monatelang nicht musizieren zu können? – Ihr seht am Beispiel der Musiker, dass alles was intensiv und extrem ist, irgendwann dazu führt, dass man „normale Sachen“ nicht mehr ganz ohne Nachdenken machen kann.

Und so komme ich zum Weihnachtsfest für den ambitionierten Hobbyläufer (über Profiläufer wage ich hier nicht zu schreiben – diesbezüglich wäre ein Interview mit einem Eliteathleten sicherlich interessant).

Folgende „Problemchen“ tun sich, zumindest für mich und in meinem Läufer-Bekanntenkreis, auf:

  1. Geschenke! Ein Luxus-Problem, aber dennoch nicht von der Hand zu weisen. Es ist nämlich so, dass Freunde und Verwandte sich richtig Gedanken machen, und einem natürlich etwas „fürs Laufen“ schenken wollen, was aber manchmal nicht so ganz unseren Wünschen entspricht, weil sich viele halt nicht so auskennen: „Schau mal“, sagt die Tante, „Ich hab‘ dieses Jahr genau das richtige für dich! Weil ich gehört habe, dass du viel läufst, habe ich dir ein Fitnessarmband gekauft. Es zählt deine Schritte. Du musst am Tag 10 000 Schritte machen, so ist es in der Kronenzeitung gestanden. Und den Puls misst das Armband auch.“ – „Oh… danke! Voll cool, also… echt, das kann ich wirklich gebrauchen. Danke!“ Und dann noch das teuerste Geschenk, ausgerechnet vom Großonkel, der kürzlich viel mehr spazieren geht als sonst, weil der Internist festgestellt hat, dass seine Blutzuckerwerte nicht in Ordnung sind: „Ich habe dir ganz tolle Laufschuhe gekauft, und zwar sind das Skechers! Die sind rosa, also das passt viel besser zu dir als schwarz oder grau. Und diese Sängerin, die Christina Aguilera, wirbt dafür. Damit wirst du bestimmt noch schneller rennen.“ – „Wwow… Danke. Skechers! Echt speziell…“ Mein Ansatz ist, dass ich Geschenke, mit denen ich nichts anfange kann, einfach weiter schenke (natürlich nicht direkt, sondern beim nächsten Anlass dann, und zwar jemandem, der die Sache wirklich brauchen kann). Ich weiß, für viele ist das ein „No Go“. Aber ich freue mich einfach über die Geste, dass jemand sich Gedanken darüber gemacht hat was mir gefallen könnte. Und wenn es dann jemand anderem eine Freude macht, dann hat es mehr Sinn, als wenn ich die Sachen einfach daheim horte.
  2. Training. (Siehe auch meinen Blogpost zu „Laufen in der Kälte“.) Für mich ist das Training während der Feiertage eigentlich kein Problem, bzw. es gibt sogar noch mehr Zeit zum Laufen als sonst. Man kann ja praktisch überall laufen; einfach Laufschuhe und Wechselgewand zum Besuch bei den Verwandten mitnehmen, und wenn alle sich vor oder nach der Bescherung einfach nur fadisieren, gehen wir halt ein Stündchen raus, und kommen mit einem Haufen Endorphine wieder zurück.
  3. Training – und zusätzlich so viele Aktivitäten, dass man sich total ausgelaugt fühlt?? Der Klassiker sind Skiurlaube oder im Sommer Wanderurlaube. Ich bin halt so ein Lauf-Süchtler, dass ich dann in der Früh, wie sonst auch, total früh aufstehe, damit ich noch eine Runde drehen kann, dann gibt’s Frühstück um halb acht mit der Family, und um halb neun sind wir schon beim Skilift. Dann Skifahren mit einer Stunde Mittagspause bis die Lifte schließen (jetzt bin ich echt k.o.), und dann vielleicht noch Apres Ski, Tischtennis im Hotel, ein romantischer Spaziergang durch den Urlaubsort oder schwimmen im Hallenbad. Alles gut und schön, aber ich bin das nicht gewohnt, es ist mir zu viel! (Liesl, vielleicht solltest du im Skiurlaub einfach nicht laufen gehen, sondern nur Skifahren?) Ja eh. Nur, das ist dann wieder zu öde. Man friert sich gefühlt stundenlang den A*** ab, nur um 10% der Zeit die Piste runter zu fahren. Ich möchte lieber Langlaufen, das zählt als Alternativtraining. Nur das will sonst wieder keiner. Und allein Langlaufen ist sogar noch asozialer als in aller Frühe laufen zu gehen. Hm. Dieses Luxusproblem gilt es für mich noch zu lösen.
  4. Alkohol und ungewohntes Essen. Gleich vorweg: Über die Kalorienbilanz müssen wir Läufer uns meist eh keine Gedanken machen, aber ich bin z.B. ziemlich anfällig für „Magenverstimmung“ wenn ich beim Weihnachtsessen zu herzhaft zugreife. Das, in Kombination mit ein paar Achterl Wein oder, noch schlimmer, Glühwein oder Punsch, kann die nächsten paar Tage jedes einzelne Läufchen etwas schmerzhaft machen (Magenkrämpfe, oder auch Übelkeit beim Laufen… nicht so lustig!). Hinzu kommt, dass es ja nicht nur ein Weihnachtsessen gibt, sondern dass ja bereits Anfang Dezember gefühlt jedes Wochenende irgendwas gefeiert wird: Nikolofeier hier, Keks-Exzess dort, Glühweinrunde mit den Arbeitskollegen, Weihnachtsfeier der eigenen Abteilung, Weihnachtsfeier der gesamten Klinik/Arbeitsstelle, Weihnachtsfeier des Vereins, Weihnachtsfeier der Forschungsgruppe… Man weiß ja gar nicht, wie man Zeit schaffen soll für so viele Feiern. Und dann noch das Unverständnis: was, du trinkst heute gar nichts? Was, du gehst schon? Leute, ganz ehrlich: oft entscheide ich mich: okay, du bist alles andere als eine Berufssportlerin, du bist einfach nur ein Lauf-Nerd. Jetzt entspann dich mal, feiere durch bis in die Morgenstunden, und geh halt morgen nicht laufen (oder nur kurz! – ein effektives Rezept gegen jeden Kater, finde ich). Allerdings, bei den unzähligen Anlässen und Feiern sage ich auch manchmal gern ab, oder gehe einfach früher, oder trinke halt mal keinen Alkohol, weil das so-und-so nicht gesund ist, und zweitens weil mir ein Lauf, der sich richtig gut anfühlt, allemal lieber ist.
  5. Vorsätze. Zu Weihnachten gehört Neujahr, und so auch die guten Vorsätze. Und der Gedanke, dass die Saison nicht mehr fern ist. (Cross Saison ist ja eh schon, und ich hab diese Laktat-Partys bereits satt, aber bald geht’s wieder los mit den ersten Halbmarathons und in circa 3 Monaten steht der erste Marathon an). Was nehme ich mir vor? Ehrlich gesagt, zumeist nicht viel. Ich habe immer so Phasen beim Trainieren, mal taugen mir größere Umfänge mehr, dann wieder die schnellen Einheiten. Manchmal laufe ich ein Monat lang jeden Tag, dann mache ich wieder mehr Krafttraining, oder ich setze mich aufs Rad oder fahre auf dem Crosstrainer. Spaß muss es machen, und die Kontinuität ist ja bekanntlich der Schlüssel um langfristig „dabei zu bleiben“. Wenn aber das Frühjahr nicht mehr fern ist, dann plane ich schon meine ersten längeren Läufe, und hoffe, dass im März nicht wie so oft ein verspäteter Kälteeinbruch kommt.

Liebe Leser, ich wünsche euch allen ein frohes Weihnachtsfest im Kreise eurer Lieben (falls ihr Weihnachten feiert). Ansonsten einfach entspannte freie Tage, und ein paar tolle Trainings, vielleicht sogar in einer verschneiten Landschaft. Ich wünsche euch, dass ihr bei eisiger Kälte oder in der Wintersonne im verschneiten Wald, oder am zugefrorenen Bach entlang lauft und euch dabei richtig stark und frei fühlt. Lauft mal ein bisschen langsamer und genießt es, das zu können: während des Laufens die Landschaft „zu erleben“. Es gibt manchmal nichts Schöneres!

Eure Liesl