Teil 143 (KW 22/2021): Daniel Bick

Foto: ©Daniel Bick

Daniel Bick hat wegen der Diagnose Multiple Sklerose zum Laufen begonnen. Mittlerweile ist der 40-jährige Bremer Ultraläufer. Mehr dazu im Im Helden-Interview der Woche.

Helden des Laufsports: Wann und warum hast du mit dem Laufen begonnen?

Daniel Bick: Ich war als Kind und Jugendlicher auf der Mittelstrecke unterwegs, habe das Laufen dann aber aus den Augen verloren. In meinen zwanziger Jahren war ich als Radbote tätig und bin 2014 wieder angefangen zu laufen. Auslöser war, dass 2013 bei mir Multiple Sklerose diagnostiziert wurde. Erstmal schlug das ein wenig auf die Stimmung, dann wurde mir klar, dass ich mich nicht meinem Schicksal ergeben möchte und habe die Flucht nach vorne angetreten. Da mein Körper sich recht schnell an seine frühere Lauftätigkeit erinnerte und ich durch meine Radkurierzeit eine gute Grundlage hatte, machte ich schnell Fortschritte.

Was bedeutet das Laufen für dich?

Ganz verschiedene Dinge. Einmal bedeutet nahezu jeder Lauf für mich, dass ich so krank nicht sein kann. Das allein ist schon eine riesige Motivation. Andererseits ist das Laufen so herrlich einfach. Schuhe an und los. Immer und überall möglich. Man lernt unheimlich viel über sich und seine Grenzen, im physischen als auch mentalen Sinne. Was ich nicht verschweigen möchte ist, dass das Laufen ein Refugium ist, wo man auch mal seine Ruhe hat und nicht zuständig ist. Keine Termine! Es ist ein Sport, der mich mit all seinen Facetten fasziniert. Von der Wahl der Schuhe bis hin zu trainingsmethodischen Fragen, oder was eigentlich biochemisch im Körper passiert. Auch ein Grund, warum ich letztes Jahr mit einer Ausbildung zum Lauftrainer begonnen habe. Mal schauen, ob ich damit tatsächlich mal Geld verdienen möchte, oder ob ich es einfach aus Bildungsgründen tue. Ein Trainer für andere an MS erkrankte Menschen zu sein, der versteht wo hier die Probleme liegen und trotzdem motiviert Sport zu treiben, kann ich mir gut vorstellen. Vielleicht in Zusammenarbeit mit einem Neurologen, der das Ganze begleitet. Mal schauen.

“Auslöser war, dass 2013 bei mir Multiple Sklerose diagnostiziert wurde”

Daniel Bick auf die Frage, wann und warum er zum Laufen begonnen hat.

Welche waren deine bisher größten sportlichen Erfolge?

Gewonnen habe ich, außer einem Hessenmeistertitel über 1000 m 1989 noch nichts. Ich war mal zweiter bei einem Crosslauf hier in der Umgebung, aber das war jetzt nicht so spektakulär. Meine Siege sind, ganz typisch Midpacker, eher persönlicher Natur.

Gibt es Bestzeiten auf die du stolz bist?

Das mit den Bestzeiten ist so eine Sache. Ich komme langsam in ein Alter, wo ich zwar schon noch das Gefühl habe, aktuelle Bestzeiten nochmal toppen zu können, es aber doch schwieriger wird. Von daher ist, noch, immer die nächste Bestzeit, die, auf die am stolzesten bin. Meine HM-Bestzeit von 1:25 Stunden kam recht überraschend, da ich vergessen hatte, dass ich mich für den Lauf angemeldet hatte. Am Wochenende vorher hatte ich noch einen Trail-Halbmarathon auf Anschlag gelaufen, als dann am Dienstag die Mail kam, wo ich meine Startunterlagen abholen könne. Das kam überraschend, war aber der Leistung wohl nicht so abträglich. Aktuell finde ich es ganz gut, ohne spezifisches Training die 50 Kilometer auf der Bahn unter vier Stunden, in 3:57 Stunden geschafft zu haben, ohne ganz am Anschlag zu laufen. Das macht schon stolz und zufrieden.

“Alleine im Training, bin ich die 50 Kilometer auf der Bahn in 3:57 Stunden gelaufen. Das war schon cool”

Daniel Bick über eine seiner Bestzeiten.

Wie sieht bei dir eine intensive Trainingswoche aus?

Wenn alles optimal läuft, wäre eine Peakweek für einen Marathon eine Woche mit 130 Kilometer und beinhaltet klassische Einheiten ohne viel Chihchi. Also viele lockere Läufe, ein Tempowechsellauf und eben der „Lange“ am Wochenende. Ich versuche mich an die 80/20 Regel zu halten. 80 % mit niedriger Intensität und 20 % mit mittlerer bis hoher Intensität. Klappt nicht immer, weil ich dann doch ganz gern baller. 😉

Trainierst du gerne alleine und oder eher in einer Gruppe?

Meistens alleine. Die langen Läufe aber gerne mit Begleitung, aber nicht mit mehr als zwei anderen Personen. Sonst wird mir das sozial zu anstrengend unterwegs.

Hattest du schon mal mit schwereren Verletzungen zu kämpfen? Wie beugst du vor?

Eine schwere Verletzung, die mich mehrere Wochen oder gar Monate gestoppt hätte, hatte ich glücklicherweise noch nicht. Allerdings sind meine Waden und hier der Soleus eine Dauerbaustelle. Ich sollte definitiv mehr die Blackroll nutzen und mich dehnen. Da bin ich recht schlampig. Aber hey, ich bin auch kein Profi und gestatte mir das. Neuerdings habe ich so eine Massagegun. Das Ding ist schon ganz cool.

Wie wichtig ist dir eine gesunde und ausgewogene Ernährung?

Auch hier, sollte mir ein bisschen mehr Achtsamkeit gut zu Gesicht stehen. Ich achte darauf, dass ich genügend und ausgewogen esse. Alle notwendigen Nährstoffe zuführe. Oft sind diese Nähstoffe aber auch in Chips und Schokolade gebunden. Das wissen die wenigsten. In Bier ist auch ganz viel Gutes… Ich bin hier nicht sehr streng.

Welche Pläne hast du für diese Saison oder was hast du heuer schon gemacht?

Pläne kann man momentan kaum machen. Als einzig festen Termin habe ich ab dem 1. Oktober einen Startplatz bei einem Backyard Ultra in der Nähe von Wiesbaden. Ansonsten versuche ich ein paar private Projekte zu realisieren. Ich möchte gerne noch von Bremerhaven nach Bremen laufen. Das sind so 70 Kilometer. Auch Bremen zu umrunden, wäre noch eine schöne Sache. Das wären allerdings 120 Kilometer. Das ist schon eine andere Hausnummer. Sonst werde ich wohl mal probieren, meine Halbmarathon und Marathon-Bestzeit zu knacken.

Und langfristig, welches große Karriereziel hast du?

Einigermaßen gesund bleiben und beweisen, dass man auch mit Multiple Sklerose bis ins hohe Alter laufen kann.

Welche Hobbys, außer dem Laufsport, hast du noch?

Och, nichts besonderes. Bisschen werkeln, bisschen Garten, bisschen kochen. Was man so macht, aber nichts was man genauer erzählen bräuchte.

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