Teil 111 (KW 34/2020): Daniela Haarmann

Foto: ©Daniela Haarmann

Daniela Haarmann ist leidenschaftliche Läuferin und lebt aus beruflichen Gründen in Ungarn. Wo die Historikerin dort läuft und auf welche Zeiten sie besonders stolz ist, erzählt die 32-Jährige im Helden-Interview #111.

Helden des Laufsports: Wann und wie hast du mit dem Laufen begonnen?

Daniela Haarmann: Im Sommer 2015 hat mein damaliger Arbeitgeber, die Vetmeduni Vienna, Startplätze für den Wiener Businesslauf angeboten. Ich dachte, warum nicht? Als ich dann über die Ziellinie lief, war ich „angefixt“. Dass ich mal laufen würde, war aber alles andere als klar. In der Schule hatte ich eine glatte „4“, weil mein Lehrer immer nur laufen wollte. Ich habe es gehasst damals.

Welche waren deine bisher größten sportlichen Erfolge?

Der erste (und bis dato leider einzige) Marathon im Jahr 2019 war zumindest die größte Anstrengung. Auch der erste 30-Kilometer-Lauf im Training waren mentale Herausforderungen. Und natürlich meine beiden dritten Plätze beim Badener Stadtlauf und beim VeloRun – ebenfalls in Baden – über die 10-Kilometer-Distanz im letzten Jahr.

Gibt es auch Bestzeiten auf die du stolz bist?

Sicher! Dass ich den Marathon in 03:59:04 Stunden und damit Sub4 lief ist großartig. Meine aktuell leider immer noch bestehende persönliche Bestzeit auf 21,1 Kilometer von 01:46:51 Stunden finde ich auch toll. Ich lief sie sehr unverhofft 2018 bei „Kärnten läuft“. Die Geschichte ist ganz lustig: Als ich am Donnerstag packte, hatten es 35 Grad, für den Laufen waren 20 Grad mit möglicherweise Regen angesagt. Es waren dann zehn Grad und es regnete aus Strömen. Ich liebe aber Regenwetter und Kälte und bin das Rennen meines Lebens gelaufen. Auf den letzten Kilometer war neben mir eine Ungarin, wir pushten uns gegenseitig ohne ein Wort oder Blick zu wechseln. Wenn sie anzog, zog ich an und umgekehrt. Im Ziel klatschten wir uns ab. Ich lief dann auf die Sekunde genau die gleiche Zeit beim Vienna City Marathon in 2019. Seitdem warte ich, dass ich die Sub 01:45 Stunden angehen kann.

Wie viel Trainingseinheiten absolvierst du pro Woche? Läufst du nur oder machst du auch Alternativtraining?

Ich laufe so vier bis fünf Mal pro Woche, je nach Trainingsplan. Ich mache auch Pilates, Yoga, schwimme, radl überall hin anstatt mit den Öffis zu fahren und habe dieses Jahr auch mit dem Rennradln angefangen.

Du bist eigentlich Wienerin, lebst aber aus beruflichen Gründen in Budapest. Wie sehen dort jeweils deine Lieblingsstrecken aus?

Ich laufe immer am Donauufer entlang zur Margareteninsel. Dort ist eine fünf Kilometer lange Laufbahn eingezogen. Das ist optimal und die Strecke wunderschön, weil sie am Parlament und Kettenbrücke vorbeiführt. Wer motiviert ist, kann auch gleich den Hügel zur Budaer Altstadt und Burg hochlaufen. Man wird belohnt mit einem fantastischen Ausblick auf die Pester Seite und hat gleich einen schönen Hügellauf. Ich wollte diesen Sommer auch die Hügel auf der Budaer Seite erkunden. Auch dort soll es Laufbahnen geben.

Du bist in keinem Verein, läufst du grundsätzlich alleine?

Nein, ich bin kein Vereinsmensch. Ich laufe tatsächlich meistens alleine. Ich mag es, diese Zeit nur für mich zu haben. Ab und an gehe ich zum Training der Adidas Runner in Wien, die super Intervall- und Techniktrainingseinheiten anbieten.

Wie viel paar Laufschuhe hast du zu Hause? Hast du einen Hersteller den du favorisierst?

Ich glaube um die Zehn, wobei ein, zwei Paare jetzt aussortiert werden. Es ist also alles noch im bescheidenen Rahmen für einen Laufjunkie. Ich habe lange Asics mit starker Dämpfung und Stützung bevorzugt, aber seit letztem Jahr laufe ich bevorzugt die Adizero-Serie von Adidas, also wenig Dämpfung, sehr leichte Schuhe. Ich habe leider Hallux in beiden Füßen, aber tatsächlich geht es mir mit den Leightweights und mit kaum Dämpfung und Stützung besser. Ich habe aber zuvor an der Technik gearbeitet.

Welche großen läuferischen Ziele hast du noch?

Einen Triathlon mag ich spaßeshalber testen, wenn nicht heuer, dann nächstes Jahr. Und dann wäre da noch die Sub 01:45 Stunden beim Halbmarathon, die mich ärgert. Mittel- und langfristig will ich alle „Big 6“ der Marathon Major Series laufen (Berlin, NYC, Boston, Chicago, London und Tokio). Ich habe auch jetzt mit dem Traillauf angefangen und möchte das auch mehr verfolgen. Irgendwann wäre auch Ultralauf super, wie Wien Rundumadum oder den Mozart 100. Und ich möchte auf jedem Kontinent (außer vielleicht Antarktis) einen großen Wettkampfbestritten haben. Aber oberstes Ziel: Gesund bleiben. Ich möchte schließlich noch mit 90 laufen.

Du bist Historikerin, welches Spezialgebiet hast du da?

Meine Forschungsschwerpunkt sind ungarische und „österreichische“* Kultur-, Wissens- und Identitätsgeschichte im 18. und frühen 19. Jahrhundert. Aktuell erforsche ich die sogenannte Ungarische Spracherneuerung, die den Weg zur Schaffung einer ungarischen Standardsprache in Literatur, Wissenschaft und Politik ebnete.

Welche Hobbys, außer dem Laufsport, hast du noch?

Andere Sportarten. Dann bleibt eh nicht mehr viel übrig. Ich schaue gerne Serien, gehe gerne ins Kino oder ins Theater, lese so oft wie möglich und schaue sehr gerne Formel 1 und Tennis.

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