Das Burn-out-Syndrom im Leistungssport

Von Anna Baumgartner

Jedem ist wohl bekannt, dass das Ausüben von Sport zu einem gesunden Leben beiträgt und von Ärzten durchaus empfohlen wird. Vor allem der Ausdauersport wirkt sich positiv auf das Herzkreislaufsystem aus, soll Endorphine freisetzen und Stresshormone abbauen. Doch wie kommt es dann, dass man von immer mehr Rücktritten und sogar Selbsttötungen im Leistungssport hört? Genau damit möchte ich mich in diesem Text beschäftigen und dabei auf die verschiedensten Ursachen eingehen, die zu dem sogenannten „Ausbrennen“ führen und wie sich diese Symptome zeigen.

Foto: ©Anna Baumgartner

Schon in frühester Kindheit werden Leistungssportler gedrillt und von Eltern und Trainern zu Höchstleistungen getrieben. Höher, schneller, weiter, so lautet das Motto vieler Spitzensportler, aber was ist, wenn die Seele darunter leidet? Darüber wird im Leistungssport nur sehr selten gesprochen, denn der Körper hat schließlich zu funktionieren. In den Medien wird stets über neue Rekorde, Medaillen und Spitzenleistungen informiert, über die oft dahinterstehenden massiven psychischen Belastungen gibt es nur wenige bis gar keine Informationen. Erst im Profisport wird auch auf die psychologische Betreuung Wert gelegt, denn der Kopf spielt meist eine noch größere Rolle als der Körper.

Zunächst einmal die Begriffserklärung: „Ein Burn-out-Syndrom ist der Zustand physischer, emotionaler und mentaler Erschöpfung aufgrund langanhaltender Einbindung in emotional belastende Situationen.“

Das Burn-out-Syndrom kann dabei verschiedenste Ursachen haben, dazu zählen körperliche, seelische und äußere Faktoren. Einige Personen mit bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen sind außerdem gefährdeter, an dieser psychischen Krankheiten zu leiden, als andere.

Zunächst einmal werde ich auf die körperlichen Ursachen eingehen. Ohnehin ist bekannt, dass eine ausgewogene Ernährung von Vorteil ist. Langsam resorbierbare Kohlenhydrate, essentielle Fettsäuren, Aminosäuren, Mineralien und Ballaststoffe sind dabei ein Muss. Eine solche Ernährung hält länger fit und stellt auf lange Dauer Energie bereit. Der Konsum von Alkohol, Zigaretten, übermäßigem Zucker und Koffein begünstigt demgegenüber das Erkranken an dem Burn-out-Syndrom. Auch einige Vorerkrankungen wie Anämie, Nährstoffmangel, chronische Entzündungen, sowie Schilddrüsenerkrankungen schwächen den Körper zusätzlich. Während des Burn-out-Syndroms verschlechtern sich die Leistungen des Sportlers maßgeblich. Oft kommt es auch zu Ermüdungserscheinungen wie Frakturen, Magenschmerzen, Migräne, Infektanfälligkeit und Schlafstörungen.

Die seelische Ebene ist um einiges komplexer. Eigene Grenzen und Bedürfnisse sind Burn-out-Patienten meist unbekannt oder werden überhaupt nicht wahrgenommen. Man übergeht sich ständig selbst und leidet unter geringer Selbstwahrnehmung, wodurch der Selbstwert sinkt. Kommt es dann zu einem Leistungsabfall, droht eine innerliche Abwertung und ein Minderwertigkeitsgefühl. Ein Gefühl von Hilflosigkeit und Ohnmacht ist die Folge. Wenn der innere Dialog verloren geht, sind Konfliktlösungen und Stressbewältigung unmöglich. Gefühle wie Angst, Panik, Verzweiflung, Traurigkeit und ständig wiederkehrende Gedanken treten dann sehr oft mit körperlichen Beschwerden wie Schwindelanfällen und Ohnmachtsanfällen auf, vor allem in Situationen, in denen die Leistung im Vordergrund steht. Viele Menschen, die an einem Burn-out leiden, haben ihre Identität verloren, streben aber trotzdem nach mehr Erfolg. Die Folge ist nicht nur das Ausbrennen der einzelnen Person, sondern ganzer Systeme.

Auch der Trainer nimmt Einfluss auf das seelische Wohlbefinden des Athleten. Sein Verhalten, vor allem in schwierigen Situationen, beziehungsweise in Phasen, in denen Erfolge ausbleiben, ist besonders wichtig. Ideal wäre es, wenn der Trainer in diesen Phasen unterstützt und auf die Bedürfnisse des Athleten eingeht. Auch das Berücksichtigen des außersportlichen Umfeldes ist sehr wichtig. Besonders im Jugendsport darf der Schulstress nicht außer Acht gelassen werden. Individuelle Betreuung und die Unterstützung des Trainers auch in schwierigen Situationen sind essentiell. Ständige Kommunikation und Rückmeldung sollte zwischen dem Trainer und dem Athleten stattfinden. Nur wenn die Beziehung zum Trainer positiv ist und Probleme angesprochen werden, damit rechtzeitig gegengesteuert werden kann, ist die Aufrechterhaltung der psychischen und physischen Leistungsfähigkeit gewährleistet.

Die Kindheit legt den Grundstein für ein erfülltes Leben, dabei spielt das Elternhaus eine essentielle Rolle. Das größte Übel ist eine Kindheit, die nie stattgefunden hat. Ein Kind braucht ein Zuhause, in dem es sich geborgen fühlt. Die Eltern sollten das Kind bestärken und ihm dabei helfen, die eigene Identität zu erkennen. Natürlich wollen Eltern nur das Beste für ihre Kinder und wollen ihnen eine gute Zukunft ermöglichen, dabei wird aber nicht berücksichtigt, was überhaupt das Beste für das Kind ist. Viele verwirklichen ihre eigenen Wünsche in der Erziehung der Kinder. Das bedeutet, dass beispielsweise Kinder in zahlreichen Sportvereinen angemeldet werden, nebenbei noch ein Instrument lernen und natürlich auch noch zur Schule gehen müssen. Viele glauben, dass dies ihre Zukunft positiv beeinflussen wird, was aber oft das Gegenteil bewirkt, weil die Kinder schon bald mit Druck konfrontiert werden und maßlos überfordert sind. Das Kind meint, Leistungen bringen zu müssen, um gemocht zu werden und fürchtet, ein Nichts zu sein, wenn es den Forderungen nicht nachkommt. Infolge dessen verbindet das Kind Zuneigung mit Leistungserfüllung und es verlernt, seine eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen. Der Stress, der schon im Kindesalter herrscht, wird im ganzen Körper verankert und tritt in Konfliktsituationen immer wieder auf, was eine hormonelle Bahnung von Ausbrennen darstellt. Die Beziehungssehnsucht, Nähe und kindlich sein zu können, ohne Verantwortung tragen zu müssen, fehlt. Innere Leere und Einsamkeit sind die Folge.

Viele Faktoren, die extern auf den Sportler einwirken, können ein Burn-out-Syndrom begünstigen. Hier werden ein paar angeführt:

  • Hohe quantitative Trainings- u. Wettkampfbelastungen
  • Kaum Regeneration
  • Leistungsdruck durch Trainer, Familie und Sponsoren
  • Hohe qualitative Trainingsbelastungen
  • Routinearbeiten, kaum Abwechslung im Trainingsplan
  • Keine Aussicht auf Leistungsverbesserung
  • Übermäßige Kontrolle durch Trainer
  • Fehlende Zielvereinbarung
  • Zu hohe Erwartungen
  • Kaum Unterstützung durch Angehörige
  • Schlechtes Klima innerhalb einer Trainingsgruppe
  • Beziehungsprobleme
  • Chronische Krankheiten
  • Kaum soziale Kontakte

Auch einige Persönlichkeitsmerkmale prädestinieren die Entstehung des Burn-out-Syndroms:

  • Perfektionisten, die immer 100% geben
  • Rigide Personen, die nicht flexibel handeln können
  • Soziale Menschen, die schwer Nein sagen können
  • Sportler mit hohen Ansprüchen an sich selbst
  • Idealistische Personen, die ihre ganze Energie dem Sport widmen
  • Sportler, die ihre eigenen Bedürfnisse kaum wahrnehmen
  • Sportler, die sich über ihren Erfolg definieren
  • Sportler, die sehr viel Anerkennung und Bestätigung brauchen
  • Sportler, die ihre vorgenommenen Ziele nicht erreichen
  • Sportler, die Misserfolg nicht gut verkraften können
  • Sportler, die auch abseits des Sportplatzes nicht abschalten können

Schlussendlich lässt sich zusammenfassend sagen, dass jeder einzelne Leistungssportler einem gewissen Risiko ausgesetzt ist, an dem Burn-out-Syndrom zu erkranken, da diese ständigem Druck und auch Stress (im Training und vor allem im Wettkampf) ausgesetzt sind. Zudem kommt es im Leistungssport zu einer jahrelangen einseitigen Belastung und zu einer Verausgabung, die am Körper zerrt sowie zu einer ausschließlichen Beurteilung des Athleten nach seiner erbrachten Leistung. Natürlich sind einige Athleten anfälliger, an einem Burn-out zu erkranken. Dazu zählen Athleten, die perfektionistisch veranlagt sind, die zusätzlichen Druck durch Familie, Trainer oder Medien erfahren oder Athleten, die bereits an einer Vorerkrankung leiden und daher weniger belastbar sind. Psychologische Betreuung ist daher unumgänglich und sollte schon im Jugendalter angeboten werden und nicht erst, wenn sich erste Symptome zeigen oder die psychische Erkrankung schon ausgeprägt ist. Zusätzlich sollte das Augenmerk auf einer ausgewogenen Ernährung liegen und der Dialog zum Trainer gut funktionieren, damit beim Auftreten erster Probleme sofort gegengesteuert werden kann. Der Athlet sollte behutsam an seine Höchstleistungen herangeführt werden und dabei in jeglicher Situation von seinem Umfeld unterstützt werden. Die Trainingsanforderungen und Ziele im Wettkampf sollten immer dem momentanen Trainingszustand entsprechen. Vor allem in Phasen, in denen die Leistungen stagnieren oder nachlassen, sollte der Trainer dem Athleten helfen, wieder in Höchstform zu kommen, auch, wenn dafür eine Trainingspause notwendig ist.

2 Kommentare zu „Das Burn-out-Syndrom im Leistungssport“

  1. Mag. Margot Eibl, B.Sc.

    Toller Bericht, der jenseits von “Schönreden” des Spitzensports stattfindet. Spitzensport ist ein massiver Eingriff in die “natürliche Entwicklung” eines Menschen, vor allem von Kindern und Jugendlichen, und daher wäre die psychische Betreuung der SportlerInnen von Beginn an “Schutzfaktor”, der leider viel zu oft nach wie vor keine, bzw. viel zu wenig Beachtung findet. Bitte mehr solcher Art von Berichten/Aufklärungsarbeit.

  2. Georg Schuller

    Erfolgsdruck von Trainer und Familie, noch dazu der eigene Druck den man sich selbst auferlegt, denn man sieht immer mehr und mehr die eigenen Schwächen und Grenzen.

    Man ist sich selbst nicht mehr genug bewusst wie viel meine Seele die körperlichen Leistungsfähigkeit steigern kann, oder ob ich doch besser als zweiter das Ziel zu erreichen genug ist!

    Also liegt es an der mentalen Stärke die man sich nicht einfach mal so aufbauen kann, also wenn du Spitzen Leistung erbringen willst, musst Körper und Geist gemeinsam trainieren, aber auch lernen das Siegen alleine nicht reicht, man muss auch lernen verlieren zu können.
    Das ist für einen Erfolgs-Menschen nicht so leicht!

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