Teil 16 (KW 42/2018): Demeter Dick

Demeter Dick, der auch als „Triathlon Dog“ bekannt ist, hat als Typ, genau wie sein Name, Seltenheitscharakter. Marathon, Triathlon oder auch Ultra-Trails. Es gibt nichts was der 44-jährige Linzer nicht macht. Im Interview berichtet er uns über Erlebnisse auf seiner Lieblingslaufstrecke und über das Training im Alltag.
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Helden des Laufsport: Demeter, es gibt viel zu erzählen. Wo fangen wir an? Deine Palette an sportlichen Aktivitäten ist sehr breit aber was machst du persönlich am liebsten?

Demeter: Laufen. Mit Abstand. Radfahren ist OK. Schwimmen ist die Hölle. Und die Kraftkammer würde ich lieber anzünden als benützen. Aber egal ob Marathon, Triathlon oder Ultra-Trail: Ausgleichssportarten bringen Abwechslung und helfen Verletzungen hintanzuhalten. Und Krafttraining ist immer wichtig – egal was du machst.

Hdl: 2018 bist du bei den Staatsmeisterschaften einen tollen Marathon 2:44:22 gelaufen, du hast den IRONMAN Austria gefinished und bist mehrere Ultra-Trails gelaufen. Das bis August. Was treibt dich an in so kurzer Zeit so viel verrückte Dinge durchzuziehen?

Demeter: Ich werde alt! Aber soviel ist das gar nicht. Ich würde noch viel mehr Wettkämpfe bestreiten, wäre ich nicht so faul, was die Organisation betrifft. Hinzu kommt, dass mir ja die Bewegung an sich Spaß macht. Wenn ich die Woche vor einem Wettkampf in die Tapering-Phase komme, bin ich schon schlecht gelaunt! Deshalb habe ich auch schon bei vielen Wettkämpfen weit nicht das Optimum erreicht – weil ich das Tapering oft ganz einfach nicht mache und einen Tag vor dem Startschuss noch irgendeine absurde Trainingseinheit absolviere.

Hdl: Wenn man dich in den sozialen Netzwerken etwas verfolgt kann man feststellen das „die GIS“ deine Lieblingslaufstrecke ist. Erzähl uns bitte ein bisschen davon.

Demeter: Der Linzer Raum ist wunderbar zum Trainieren. Wir haben Wälder zum Laufen, etliche Schwimmbecken und die Donau mit einer praktisch endlosen Radstrecke. Du kannst hier alles trainieren. Was aber fehlt, ist ein richtiger Berg. Die Gis ist in unmittelbarer Nähe mit einer Höhe von 1.000 Metern über Adria der höchste… sagen wir Hügel. Als ich 2013 beschloss, neben Triathlon auch noch Ultra-Trail-Läufer zu werden, mussten also Höhenmeter her. Und so bin ich jedes Jahr zwischen 50 bis 60 Mal am Gipfel. In Vorbereitung auf die wichtigsten Wettkämpfe oft bis zu 6 Mal in einer Woche. Es ist eine abwechslungsreiche Strecke, mit unterschiedlichen Anstiegen und Terrain. Hin und zurück von meiner Haustür 26 Kilometer. Einfach eine perfekte Trainingsstrecke zu jeder Jahreszeit.

Hdl: Wie viele Kilometer läufst du in einer Spitzenwoche und hast du da einen Trainer oder einen Plan an dem du dich orientierst?

Demeter: In den Höchstleistungsmonaten werden es schon um die 140 bis 150 km die Woche. Im Schnitt – und dieses Jahr bin ich wieder viel zu viel gelaufen – sind es 115 km. Das ergibt dann 6.000 Kilometer im Jahr. Da muss ich dann aufpassen, dass ich mich nicht abschieße. Irgendwann macht der Körper nämlich dann von einem Tag auf den anderen Schluss. Ist mir schon zweimal passiert. Wobei es vermutlich nur zweitrangig die absolvierten Kilometer betrifft. Hauptursache: fehlende Regenerationszeiten – und auch dann und wann eine richtige Auszeit. Gehört leider nicht zu meinen Stärken.

Hdl: Wenn man das so liest bekommt man das Gefühl dein Tag hat 40 Stunden. Erzähl uns von deinem Leben abseits des Ausdauersports.

Demeter: Gefühlt hat mein Tag 48 Stunden! Nachdem Training am Morgen geht’s ins Büro. Ich arbeite in einer Online Marketing Agentur und betreue als Content Manager Facebook und Instagram-Accounts von großen Unternehmen. Daneben arbeite ich als Autor für ein deutsches Comedy-Format – und dann wären da noch zwei Kinder (10 und 15), eine Frau und das zweite – oder manchmal dritte – Training am Abend. Wirklich langweilig wird mir also nie.

Hdl: Marathon (2:34), Ironman (8:51). Was war für dich dein sportlich größter Erfolg und dein schönstes Sporterlebnis?

Demeter: Der Sieg beim HochkönigMan 2015 über 88 Kilometer war sicher der schönste Zieleinlauf. Unvergessen aber natürlich auch der UTMB 2017 oder mein Finish beim IRONMAN Hawaii im Jahr 2014. Am Ende ist aber immer der letzte Zieleinlauf der schönste – der UTMB wird mich allerdings emotional bis zum Ende meines Lebens begleiten. Das war schon etwas ganz besonderes.

Hdl: Wie beschreibst du den Menschen Demeter Dick, der sich unter anderem auch mal am Nachmittag Zeitausgleich nimmt um auf dem Laufband einen Marathon unter drei Stunden zu laufen?

Demeter: Da zitiere ich jetzt den Buchtitel von Jan Frodeno: »Eine Frage der Leidenschaft«. Ich liebe es, meinen Körper Tag für Tag an seine Grenzen zu bringen. Ich habe ansonsten das Gefühl, den Tag vergeudet zu haben.

Hdl: Was nimmst du dir für die Zukunft vor? Auf Hawaji beim Ironman warst du schon aber welche große Ziele hast du noch?

Demeter: Ich werde nicht jünger und möchte vor allem gesund und verletzungsfrei bleiben. Wettkämpfe haben an sich nicht die höchste Priorität. An langen Ultras nehme ich aber schon deshalb gerne teil, weil sie markiert sind. Alleine würde ich den Weg ja nie finden. Als Ziel steht aber sicher noch eine weitere Teilnahme beim UTMB am Programm – da habe ich trotz Finishs noch eine Rechnung offen. Und als Endgegner plane ich für spätesten 2020 eine Teilnahme beim TOR DES GEANTS Ultra-Lauf über 330 Kilometer und 30.000 Höhenmeter.

Hdl: Was sagst du den Leuten die meinen „der übertreibt ja komplett“ oder „das kann ja nicht gesund sein“?

Demeter: Die haben natürlich absolut recht. Mein Leben ist trotzdem aber cooler. Also dürfen sie ruhig reden.

Hdl: Hattest du schon mal gröbere Verletzungsprobleme und wie sorgst du diesbezüglich vor?

Demeter: Sagen wir mal so. Ich habe 7 Jahre gebraucht, um laufen zu lernen. Laufen ist nämlich überraschenderweise mehr als ein Paar Schuhe und raus vor die Tür. Und so hatte ich früher regelmäßig Verletzungen. Nie wirklich Schlimmes, aber halt immer wieder so, dass Laufpausen notwendig waren. Das konnte ich durch eine perfektionierte Lauftechnik und begleitendes Krafttraining nahezu auf null reduzieren. Hinzukommt natürlich die Black Roll und besuche beim Masseur und Physiotherapeuten.

Hdl: Wann hast du mit dem Laufen begonnen und hattest/hast du ein Vorbild?

Demeter: Nach einem „Urlaub“ am Jakobsweg hatte ich bemerkt, dass ich offensichtlich über eine ganz gute Grundausdauer verfüge. Kurz darauf habe ich dann mit Joggen begonnen. Das muss so 2003 gewesen sein, wurde dann nochmal durch die Geburt meiner Tochter unterbrochen, ehe ich 2006 in Linz zum ersten Mal bei einem Wettkampf teilgenommen habe. Klassische Vorbilder gab es keine – eher Motivatoren: Steve Prefontaine beim Laufen, Faris Al-Sultan im Triathlon und der Ultra-Trailläufer Anton Krupicka. Alles coole Typen mit den härtesten Köpfen.

Hdl: Vielen Dank für das Gespräch und bleib weiterhin so „verrückt“!

Demeter: Versprochen!

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