Denken und Laufen.

Liebe Leser!

„Ich denke, also bin ich“, war der Grundsatz des Philosophen René Descartes. Will heißen – wer denkt, existiert, und daran gibt es keinen Zweifel. Vordergründig hat Laufen eigentlich nichts mit Denken zu tun, werden viele sagen. Laufen ist eine der monotonsten Sportarten, so heißt es, da reicht es, wenn man eine Maschine ist, und basta. Ich erinnere mich noch gut an ein Transparent, welches von einem Zuschauer entlang der Strecke eines Halbmarathons den Läufern als Motivation präsentiert wurde: „Nicht denken – nur laufen.“ Manchmal kann auch das – nämlich den Kopf ausschalten und einfach nur Vollgas geben – genau das richtige sein, um in einem Rennen alles aus dem eigenen Körper raus zu holen.

Allerdings hat Laufen meiner Ansicht nach sehr wohl etwas mit Denken zu tun! Ich unterscheide: 1.) Nachdenken während des Laufens – und 2.) über das Laufen an sich nachdenken während man läuft. Klingt kompliziert? Ist es aber gar nicht.

Ad 1.) Während des Laufens kommen einem gefühlte 10 000 Gedanken, teilweise irre Assoziationen und Gedankensprünge. Meine Highlights: Musik-Ohrwürmer („Ab in den Süden“ – Buddy, DJ The Wave“, „Skyfall“ – Adele,…); Witze die mir jemand erzählt hat und die mir plötzlich einfallen, Gedanken an ärgerliche oder auch erfreuliche Gespräche mit Freunden, Familie bzw. Kollegen. Gedanken an das Wetter und, ganz wichtig, Pläne die ich schmiede während ich laufe: Was ich heute / in dieser Woche / in diesem Monat noch vorhabe.

Ad 2.) Über das Laufen nachdenken. Fällt unter: konzentriert trainieren und sich mit dem Training an sich auseinandersetzen. Dient dazu, schneller zu laufen, das Tempo zu halten oder die Lauftechnik zu verbessern: Trittfrequenz, Hüfte gerade, leichte Neigung nach vorn. Stabil bleiben im Rumpfbereich. Ellbogen nicht zu seitlich. In diese Kategorie fällt allerdings auch die Selbstmotivation: „Nur noch 3 Kilometer – nur noch 3 Kilometer in XX Pace, etc.“ Oder: „Das schaffe ich nicht, ich glaube, heute werden es doch nur 15 Kilometer statt 20. – Blödsinn, 5 Kilometer locker am Schluss, das geht sich bestimmt aus. Morgen ist dafür Regeneration angesagt.“

Während eines Rennens denke ich zumeist extrem viel und konzentriert über das nach, was ich da grad mache. Nämlich: halbwegs schnell rennen. Kaum zu glauben, wie viele Gedanken man sich darüber machen kann, und wie viele Gedankenexperimente man zuweilen benötigt, damit man motiviert bleibt und „die nächsten 20 Minuten mental übersteht“. Ihr Wettkampfläufer wisst sicher, was ich meine. Man kann sich zum Beispiel prima die Zeit damit vertreiben, immer die Ideallinie zu laufen. Ich stelle mir gern vor, dass ich ein Formel 1 Fahrer bin. Oder man kann stur hinter irgendjemandem hinterherrennen. Oder man teilt sich das Rennen im Kopf in lauter Mini-Etappen ein, ich mache da gern 5 Kilometer Etappen, also 3×5 + 6 (beim Halbmarathon); wahlweise auch 3×7 Kilometer. Oder beim Marathon: Halbmarathon-Marke – 30 Kilometer – und dann die letzten 12 Kilometer. Es wird nicht kürzer, aber für den Kopf macht das einen riesen Unterschied. Kennt ihr diesen Moment, wenn beim Marathon die Uhr das erste Mal am Handgelenk summt („Kilometer 1“)? Kein so motivierendes Gefühl, fehlen ja noch 41,195 Kilometer. Da kann ein bisschen Mentaltraining nicht schaden, finde ich.

Was denkt ihr denn so während des Laufens?

Eure Liesl

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