Alexander Biereder: “Erlebnisse sind wichtiger als Bestzeiten”

August 2021: Alexander Biereder ist gebürtiger Innviertler, lebt aber seit Jahren in Wels. Der 41-Jährige spricht im Interview über seine sportlichen Erfolge und wie alles begann.

Foto: ©Wolfgang Hackl – hackwolf.at

Helden des Laufsports: Wann und warum hast du mit dem Laufen begonnen?

Alexander Biereder: Mit neun Monaten. 😉 Wenige Tage nach den ersten Schritten folgte die erste „Läuferverletzung“, weil ich freudestrahlend gegen die Tischkante vom Wohnzimmertisch meiner Großeltern donnerte. Eine Narbe über dem linken Auge erinnert mich seither an meine damalige Freude am Laufen. Ich war sozusagen ein Frühstarter. Laufen, bzw. Sport, begleitet mich seither und habe zwischen 20 und 26 damit pausiert, merkte dann aber schnell, nicht nur an der Zahl auf der Waage, dass mir etwas fehlte. Mit 27 kam dann mein Comeback zum Sport, anfangs um abzunehmen und frische Luft (damals noch Kettenraucher) zu tanken, später immer ambitionierter mit Wettkämpfen.

Was bedeutet Sport für dich?

Fit und gesund bleiben. Am besten, bis ins hohe Alter. Sport, vor allem das Laufen, hat mich zu einem gesünderen Lebensstil gebracht. Ich liebe es, die Laufschuhe anzuziehen und einfach loslaufen zu können. Gleichzeitig bin ich sehr dankbar dafür, diesen großartigen Sport in einer so wunderbaren Gegend ausleben zu können und dürfen. Neben dem Laufen ist meine große Leidenschaft der Triathlon. Kennen und lieben gelernt habe ich diesen Sport aber auch über das Laufen (ja, die Verletzungsserie ging nach dem Wohnzimmertischunfall weiter). Weil ich zu schnell, zu viel wollte, haben sich bald Sehnen und Gelenke gemeldet und mich pausieren lassen. Alternativen dazu fand ich bei einem Kraulkurs und einem geliehenen Rad von meinem damaligen Nachbarn, das mich später über drei Mitteldistanzen begleiten sollte.

“Mit neun Monaten hatte ich meine erste Laufverletzung, ich rannte gegen die Tischkante meiner Großeltern”

Alexander Biereder, augenzwinkernd über seine Anfänge.

Welche waren deine bisher größten sportlichen Erfolge?

Mein erster Marathon in Wien. Bis zu dem Tag war so eine Herausforderung für mich unvorstellbar. Nach dem Zieleinlauf bin ich unter Freudentränen zusammengebrochen. Mittlerweile weiß ich, dass so ein Marathon auch nach 3,8 km Schwimmen und 180 km am Rad möglich ist. Dank dieser Erlebnisse weiß ich, dass Grenzen vor allem im Kopf bestehen, diese aber verschoben werden können. Nicht nur im Sport.

Gibt es Bestzeiten auf die du stolz bist?

Nicht wirklich. Daran arbeite ich noch. Tatsächlich aber bin ich stolz darauf, wenn ich gut in Form bin und mit Freude meiner Leidenschaft nachgehen kann. Die Zeiten habe ich natürlich im Kopf, bin schon stolz auf meine Bestzeit im Marathon, einem 13. Platz (gesamt) über die olympische Distanz am Wolfgangsee, die 4:47 Stunden bei der Mitteldistanz in St. Pölten und vieles mehr… aber das Erlebnis, die Menschen, die Atmosphäre und die Umgebung, sind mir bedeutend wichtiger.

“Mit 27, damals noch Kettenraucher, feierte ich mein Sport-Comeback”

Alexander Biereder über seine Sportpause.

Wie sieht bei dir eine intensive Trainingswoche aus?

Das kommt drauf an. Zeitintensiv ist’s quasi immer. Drei Mal die Woche wird geschwommen und je zwei Mal laufen und Radfahren. Eine Koppeleinheit (Rad mit anschließendem Lauf) rundet das Ausdauerprogramm ab. Dazu kommen noch zwei Stabi-Trainings mit dem TRX-Schlingentrainer und am Abend „gleite“ ich zwischen Fernseher und Couch über die Blackroll. Das ist die fast kontinuierliche Quantität meines Trainings. Intensiv wird’s in der speziellen Wettkampfvorbereitung mit drei bis vier Intervalltrainings in der Woche, in denen ich an meine Grenzen gehen darf. In der allgemeinen Vorbereitungsphase, bzw. Trainingszeit, sind diese Einheiten vor allem Grundlagenarbeit, dafür aber zeitlich intensiver.

Trainierst du gerne alleine und oder eher in einer Gruppe?

Da ich meine Zeit selbst einteilen kann, trainiere ich meist zu unterschiedlichen Zeiten, zwischen zwei Terminen, vor der Büroarbeit oder nachdem ich meinen Sohn ins Bett gebracht habe. Fixe Zeiten sind nur die Schwimmzeiten. Da trainiere ich zwar mit meinen Vereinskollegen. Unter Wasser unterhält es sich aber leider nicht so leicht… 😉 Generell aber trainiere ich am liebsten mit Freunden oder wenn mich bei den langen Läufen Andrea und Moritz begleiten.

Hattest du schon mal mit schwereren Verletzungen zu kämpfen? Wie beugst du vor?

Als Mann und Ausdauersportler ist subjektiv gesehen jede Verletzung schwerwiegend. Darum möchte ich das etwas relativieren und so richtig schwer war ich glücklicherweise noch nicht verletzt, durfte aber durchaus schon mit verletzungsbedingten Pausen Erfahrung machen. Wie bereits erwähnt, kann man aber auch daraus durchaus positives ziehen. Mehr Zeit für sich und das Umfeld, alternative Sportarten ausprobieren und vor allem, und das denke ich ist das Wichtigste, nämlich in Bezug auf die zweite Frage, wie man vorbeugen kann. Persönlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass Verletzungen oder Unfälle immer dann kamen, wenn ich zu viel wollte, oder die Signale des Körpers nicht ernst genommen habe. Prävention finde ich daher besonders wichtig. Dehnen und mobilisieren, Regenerationszeiten und immer wieder mal in sich gehen und „einigspian“. Das durfte ich in den 14 Jahren Ausdauersport lernen und dafür bin ich im Nachhinein gesehen sehr dankbar, wenn auch manche Erfahrungen in der Situation sehr, sehr bitter waren.

Wie wichtig ist dir eine gesunde und ausgewogene Ernährung?

Da bin ich meiner Partnerin Andrea sehr dankbar, dass sie für eine mir bisher unbekannte abwechslungsreiche und leckere Küche sorgt. Bei mir würde es tagein/tagaus das immer gleiche, funktionelle Essen geben. Bei ihr ist es aber bunt und immer wieder was Neues dabei. Wir ernähren uns vegetarisch, wenn es die Zeit zulässt, sogar vegan (das wäre meine/unsere bevorzugte Ernährungsweise, weil es mir gut tut und ich mich gut damit fühle). Wir versuchen uns so weit wie möglich regional und saisonal zu ernähren. Süßigkeiten sind mein großes Laster. Aber auch das bekomme ich noch in den Griff.

Hast du schon einen Plan, wann du wieder einen Wettkampf bestreitest?

Klar. Ich trainiere gerade auf mein persönliches Saisonhighlight, den Mondseeland Triathlon am 29.8., über die Mitteldistanz. Nach einem sehr gelungenen Wiedereinstieg bei meinem Heimtriathlon in Wels, Platz drei AK, kehre ich nach drei Jahren auf meine Lieblingsdistanz zurück. Am Plan hatte ich das ursprünglich nicht, aber als ich erfahren habe, dass der Mondseeland Triathlon sein Comeback feiert, ebenfalls nach ein paar Jahren Pause, wusste ich sofort, was ich zu tun hatte. Anmelden und darauf hin trainieren.

Und längerfristig, welches große Karriereziel hast du?

Geistige und körperliche Fitness und mit 66 Jahren in Kona starten. Und falls es uns dort gefällt, bleiben wir einfach dort. 😉 Und danach bis ins hohe Alter Sport machen dürfen. Das wäre großartig. Dafür bin ich dankbar.

Welche Hobbys, außer dem Laufsport, hast du noch?

„Family first“ heißt es immer wieder so schön. Das versuche ich zu leben. Familie, mein Sohn Moritz, sind mir das Wichtigste. Dafür gehe ich zur Arbeit, dafür mache ich Sport. Alles andere ist „primär“, nämlich der Genuss. Der ist in allem was ich tue mit drinnen. Wenn Zeit dafür ist.

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