Ernährung für Läufer – Nahrungsergänzungsmittel, Saltin Diät und Co.

Liebe Leser,

Weil ich diesbezüglich oft gefragt werde (hauptsächlich allerdings von nicht-Läufern!) – möchte ich mich jetzt mal zum Thema Sporternährung äußern. Hierbei muss man ja wahnsinnig aufpassen, dass man niemandem auf den Schlips tritt, denn es gibt dazu mindestens so viele Meinungen wie Personen. Man wird fast verrückt wenn man das Internet und sonstige extrem seriöse Quellen zum Thema Sport- oder Läufer-Ernährung konsultiert: niemals nüchtern trainieren, Carb-Loading pro und contra, Saltin Diät, gluten- und laktosefrei, histaminarm, Low-Carb, Low-Fat, High-Carb, blablabla. Natürlich hab ich zu all dem eine Meinung, und auch schon reichlich Erfahrung in eigen-Experimenten gesammelt, aber ich mache mich hier sicher nicht angreifbar – jeder soll meiner Meinung nach rumprobieren so viel er möchte, und dann selbst erspüren und entscheiden was ihm guttut. Fakt ist, dass gastrointestinale Probleme bei Läufern relativ häufig vorkommen. (Zumindest häufiger als bei professionellen Dart- oder Billardspielern, da wette ich was!) Warum? Punkt 1: Das Auf- und Abhüpfen befördert den Darminhalt in eine ganz bestimmte Richtung (nämlich in die richtige!); Punkt 2: unter starker und anhaltender Ausdauerbelastung wird das Blut aus dem Magen-Darm-Trakt weg geshiftet, und zwar in die Muskulatur wo es auch dringender benötigt wird. Punkt 3: der emotionale und psychische Stress kann sich ebenfalls auf den Magen schlagen. Abgesehen davon wollen wir unbedingt wissen, was wir essen müssen um noch schneller zu werden. Also, liebe Nahrungsmittelindustrie, hier sind wir! Wir Läufer sind die ideale Zielgruppe um mit fadenscheinigen Mixturen, Kapseln, Vitaminpillen, Iso-Mischungen, Kreatin, BCAA und-so-weiter Geschäft zu machen. Und bitte gebt uns auch noch etwas Probiotisches für die Darmflora, etwas gegen eine …öhm… zu aktive Darmtätigkeit, aber bei Bedarf bitte auch etwas das die ganze Geschichte ein bisschen ankurbelt… je nach Verdauungstyp, bitte. Meine Erfahrung im Gespräch mit sehr guten Läufern bzw. mit richtigen Profis ist: ja, Ernährung ist sehr wichtig, aber im Hobby-Bereich, auch im „ambitionierten“ Hobby-Bereich, vielleicht weniger wichtig als gedacht. Für Berufsathlethen gilt, dass Ernährung genauso wie Schlaf, Physiotherapie, Trainingsplanung, Massage etc. optimiert werden muss um die gewünschte Maximalleistung zu erzielen. Im Hobby-Bereicht bemüht sich halt jeder so gut er kann, aber Beruf, Familie und das „normale Leben“ sozusagen hindern einen eben manchmal daran, den Lebensstil optimal an das Laufen anzupassen. (Zumindest bei mir ist das so.) Was mich persönlich betrifft, ich gebe mir Mühe auf meinen Körper zu hören, ich weiß was mir gut bekommt und was ich weniger gut vertrage. Ich halte mich an keine bestimmte Diät, habe auch die Saltin-Diät noch nie probiert (=Kohlenhydratspeicher vor dem Wettkampf gezielt entleeren und an den letzten 2-3 Tagen vor dem Wettkampf wieder maximal „auffüllen“). Obwohl manche Athleten, auch Profis, mit dieser Methode gute Erfahrungen gemacht haben. Vielleicht probiere ich es ja auch mal aus. Ich habe übrigens schon vieles ausprobiert, aber nichts hat bisher so gut funktioniert, wie auf den Körper zu hören, zu essen wenn man hungig ist und worauf man Lust hat, aufzuhören wenn man satt ist. Sicherlich achte ich auf die „Basics“ wie Obst, Gemüse etc. aber eine Wissenschaft mach‘ ich persönlich nicht daraus. Für viele mag es jedoch sicher wichtig sein, gerade in der Wettkampf-Vorbereitung mehr Struktur in die Essgewohnheiten zu bringen. Hier soll meiner Meinung nach jeder das machen, womit er gute Erfahrungen gemacht hat und womit er gut zurechtkommt. Und „just for the records“ ich nehme keine Nahrungsergänzungsmittel ein, aber wer mit dem einen oder anderen Präparat gute Erfahrungen gemacht hat, soll das bitte einfach weiter einnehmen, finde ich.

Liebe Laufkollegen, bei Ernährung darf man keine Tipps ins Internet schreiben, sonst kommen gleich x-tausend Kommentare von wahnsinnig gescheiten Menschen die genau wissen, wie man das mit der Sporternährung machen soll: Low Carb, High Carb, vegan, Intermittent Fasting,… Ja, genau, nur ICH weiß was richtig ist. Blablabla.

Ich weiß selber nicht wie ihr euch am besten ernähren sollt, leider. Ich bin mir nicht mal bei meinem eigenen Körper ganz sicher. Als Ärztin kann ich euch aber sagen, dass jeder Organismus ein bisschen anders funktioniert, also bitte: hört auf euren Körper und seid auch offen für Neues. Und wenn ihr mit eurer Ernährungsweise im Moment eh zufrieden seid, dann macht einfach so weiter!

Eure Liesl