Europameister Gerald Will: „Es war sehr schön, dass ich meine Familie im Ziel in die Arme nehmen konnte“

Gerald Will (Team4Sports) feierte vor kurzem den Europameistertitel im Triathlon in der Altersklassen M50. Der 53-jährige Sportwissenschaftler musste in Zittau (Deutschland) bei den Xterra Crosstriathlon Europameisterschaft 1500 m schwimmen, 36 Kilometer mit dem Mountainbike – inklusive 1100 Höhenmetern – fahren und zehn Kilometer auf schwierigem Gelände laufen. Nach insgesamt 3:11 Stunden erreichte der Welser das Ziel. Im Interview spricht Will über seine zweigeteilte Karriere und was noch kommt.

Foto: ©Gerald Will

Helden des Laufsports: Wie hast du das Rennen erlebt und wie war deine Gefühlslage nach dem Zieleinlauf?

Gerald Will: Die O-See-Challenge ist einer der schwierigsten Crosstriathlons weltweit. Es wird drei Stunden lang vollste Konzentration gefordert, da es aufgrund der sehr anspruchsvollen Streckenführung kaum Möglichkeiten gibt, sich zu erholen. Alleine die Verpflegungsstrategie, die bei einem Wettkampf von über drei Stunden Dauer von großer Bedeutung ist, ist eine Herausforderung, da man am MTB kaum die Hände vom Lenker lassen kann. Der Zieleinlauf in Zittau ist immer etwas ganz besonders. Da es sich um den größten Xterra-Bewerb in Europa handelt und die ganze Stadt auf den Beinen ist, ist am letzten Kilometer Gänsehautfeeling angesagt, wenn man durch das Zuschauerspalier läuft. Das schönste war natürlich, dass ich meine drei Damen, Kerstin (meine Frau), Franziska und Helene (meine beiden Töchter 13 und 10 Jahre) im Ziel in die Arme nehmen konnte.

Wie intensiv hast du dich darauf vorbereitet?

Ich hab mich in den letzten acht Wochen seit meinem Heim-Triathlon in Wels, ausschließlich auf die EM vorbereitet und viele Tage in Saalbach, meiner zweiten Heimat, verbracht und weit über 30.000 Höhenmeter am MTB und in den Laufschuhen absolviert. Durchschnittlich waren das 12 Stunden Training pro Woche. Neben Beruf und Familie war das ziemlich fordernd und machte viele Trainingsstunden im Morgengrauen notwendig.

“Durchschnittlich habe ich 12 Stunden pro Woche trainiert”

Gerald Will, Triathlet aus Wels.

Welche sportlichen Erfolge konntest du in deiner langen Laufbahn schon feiern?

Meine Karriere ist eigentlich zweigeteilt:

In jungen Jahren, bis zum 28 Lebensjahr, betrieb ich Triathlon als Heeressportler in der Südstadt wirklich professionell: 1990 schaffte ich erstmals die Qualifikation für das Österreichische Triathlon-Nationalteam. Es folgten vier EM- und zwei WM-Teilnahmen auf der Triathlon-Olympiadistanz. Im Jahr 1992 schaffte ich mit dem neunten Europacupgesamtplatz meinen größten internationalen Erfolg. Eine Weltcupserie gab es damals leider noch nicht. 1996 beendete ich dann im Alter von 28 Jahren aufgrund von Verletzungsproblemen meine professionelle Triathlon-Karriere und ich übernahm neben meiner Tätigkeit als AHS-Lehrer 1997 auch die Betreuung des Triathlon-Landes-Kaders am Olympiastützpunkt in Linz bis 2003.

Der zweite Teil meiner Karriere:

2008, im Alter von 40 Jahren, konzentrierte ich mich dann auf MTB-Rennen und holte Gesamtsiege in der Eliteklasse bei den beiden größten Mountainbike-Serien in Österreich (Trek-Mountainbike-Challenge: 2007 und 2008 und der Top-Six-Serie: 2007). Dann erfolgte wieder der Wechsel zum Triathlon. Im Crosstriathlon konnte ich 2010 den Staatsmeistertitel in der Allgemeinen Klasse erringen und 2011 den achten Platz bei den Profis (= Elitekategorie) bei der Europameisterschaft erzielen. Mittlerweile sind sechs EM-Titel (2013, 2015, 2016, 2018, 2019 und 2021) und der Weltmeistertitel 2014 in meiner Altersklasse dazu gekommen! Cool war auch, dass ich letztes Jahr mit eleganten 52 Jahren den Vizelandesmeister in der Allgemeinen Klasse im Triathlon über die Sprintdistanz holte. Das kennt man eher aus dem Schach oder Eisstocksport 😉

Was kommt als nächstes?

Jetzt heißt es erst einmal erholen von der EM und dann geht es an die italienische Adria zum traditionellen Familienurlaub, wo sich dann alles um meine drei Damen dreht. Im Hinterkopf schwebt ein Start bei der Triathlon WM in Spanien Ende Oktober. Aber da muss man erst schauen, wie sich die nächsten Wochen entwickeln.

Zahlen und Fakten zur EM:

Schwimmen: 21:49 Minuten

Rad: 1:56:03 Stunden

Laufen: 52:06 Minuten

Gesamt: 3:11:53 Stunden

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