Teil 133 (KW 12/2021): Florian Röser

Foto: ©Florian Röser

Florian Röser (27, TV Konstanz) spricht im Helden-Interview der Woche über seinen Heimsieg beim Konstanzer Altstadtlauf, über seine Trainingseinheiten und seinem Traum, einmal im Nationaltrikot zu laufen.

Helden des Laufsports: Wann und warum hast du mit dem Laufen begonnen?

Florian Röser: Als ich im Oktober 2012 zum Studium nach Konstanz gekommen bin, wollte ich auch außerhalb der Uni ein paar soziale Kontakte knüpfen. Da ich mich zuvor beim Fußball zweimal schwer verletzt hatte und ich schon immer gern gelaufen bin, habe ich mal bei der Langstreckengruppe des TV Konstanz vorbeigeschaut. Dort bin ich zufällig in die Leistungssportgruppe gerutscht und so nahmen die Dinge ihren Lauf. Anfänglich musste ich mich ganz schön quälen, um bei den Mädels aus der Laufgruppe mithalten zu können. Ich kann mich noch gut daran erinnern wie ich nach den ersten 400ern, die ich damals zusammen mit den Mädels gelaufen bin, am darauffolgenden Tag kaum die Treppen im Audimax der Uni hochgekommen bin.

Welche waren deine bisher größten sportlichen Erfolge?

Innerhalb von Deutschen Meisterschaften war der siebte Platz beim Halbmarathon im Jahr 2019 in Freiburg mein bisher größter Erfolg. Abgesehen davon wurde ich beim Halbmarathon in Köln 2017 dritter und 2018 Vierter. Einen meiner absoluten Lieblingsläufe, den „Dreikönigslauf“ in Schwäbisch-Hall, konnte ich sechs Mal in Folge gewinnen und im Jahr 2019 auch endlich mal mein Heimrennen beim „Konstanzer Altstadtlauf“.

Gibt es Bestzeiten, auf die du stolz bist?

Besonders stolz bin ich auf meine 10-km-Bestzeit (29:05 Minuten) aus dem Jahr 2020. Ich konnte trotz Corona das ganze Jahr über sehr gut trainieren und dann endlich mal mein Leistungspotenzial abrufen. Über die Halbmarathondistanz steht für mich momentan eine 65:17 Minuten ebenfalls aus 2020. Gerade an dieser Zeit möchte ich die nächsten Jahre noch arbeiten.

“Bei den Kilometerumfängen ist noch Luft nach oben.”

Florian Röser vom TV Konstanz über sein Training.

Wie sieht bei dir eine intensive Trainingswoche aus?

Da ich noch nicht so lange Leistungssport betreibe, sind meine Kilometerumfänge noch recht moderat. In einer harten Woche laufe ich vielleicht in der Summe mal 120 Kilometer und damit noch deutlich weniger als so mancher Sub30-Läufer. Ungefähr vier Läufe sind lockere bis mittlere Dauerläufe von 12 bis 15 Kilometer im Tempobereich 3:30 bis 4:15 min/km mit anschließenden Steigerungen. Ansonsten mache ich zwei Tempoeinheiten, meist eine auf der Bahn und eine auf der Straße und sonntags dann der klassische „Longrun“ (20 bis 35km). Zusätzlich zu den Läufen absolviere ich dann noch zwei Kraft-/Stabilisationseinheiten. Im Trainingslager liegt der Umfang auch mal oberhalb der 200-km-Marke. Da ich neben dem Leistungssport an der Uni Konstanz promoviere, muss eine Trainingswoche natürlich auch gut geplant sein. Läufe am frühen Morgen und in der Mittagspause sind keine Seltenheit. In der Zukunft möchte ich meine Kilometerumfänge noch weiter ausbauen, da hier sicherlich noch viel Potential schlummert. Das muss einerseits stetig und andererseits vorsichtig geschehen, denn wenn ich auf einmal viel zu erschöpft vor dem Computer sitze, dann lässt meine Produktivität sicher etwas zu wünschen übrig.

Trainierst du gerne alleine und oder eher in einer Gruppe?

Prinzipiell trainiere ich sehr gerne in einer Gruppe. Allerdings ist das ab einem gewissen Leistungsniveau nicht immer ganz einfach. Meine Trainingspartner passen sich häufig meinem Programm an und machen auf der Bahn dann beispielsweise 300er oder 400er, wenn ich 500er mache, wofür ich ihnen sehr dankbar bin. So muss keiner alleine laufen und alle profitieren vom Training. Für die lockeren Läufe ist gemeinsames Laufen kein Problem und bei schnelleren (längeren) Läufen auf der Straße begleitet mich meine Freundin auch gerne mal auf dem Fahrrad.

Hattest du schon mal mit schwereren Verletzungen zu kämpfen? Wie beugst du vor?

Seit ich ausschließlich laufe hatte ich glücklicherweise noch keine schwerere Verletzung. Auch die beiden Verletzungen aus dem Fußball beeinträchtigen mich heute nicht mehr. Es gab natürlich schon die ein oder andere Saison, die durch eine Erkältung oder kleinere Verletzung beeinträchtigt war, allerdings komme ich bisher ganz gut durch die Zeit. Ich bin der Meinung, dass es wichtig ist auf die Regeneration zu achten und genügend zu schlafen, das beugt Verletzungen und vor allem Krankheiten sicher gut vor. Es ist grundsätzlich besser mal einen Dauerlauf weg zu lassen, wenn man sich gerade nicht so gut fühlt, anstatt ihn „auf Gedeih und Verderb“ noch durchzuziehen und dann krank im Bett zu liegen. Laufen mit Schmerzen ist ebenfalls ein absolutes Tabu.

Wie wichtig ist dir eine gesunde und ausgewogene Ernährung?

Um ehrlich zu sein achte ich nicht besonders stark auf meine Ernährung. Allerdings versuche ich schon recht proteinreich und nicht zu fettig zu essen. Zudem habe ich über die letzten Jahre meinen Fleischkonsum stark reduziert. Es gibt einige Wochen, in denen ich überhaupt kein Fleisch esse, und wenn, dann auf keinen Fall Fleisch aus dem Discounter. Zum Frühstück esse ich sehr häufig Porridge mit Obst und seit einiger Zeit auch des Öfteren mal vegan.

Welche Pläne hast du für die Saison 2021?

Momentan ist eine Saisonplanung für 2021 natürlich sehr schwierig. Ich hoffe, dass das ein oder andere Trainingslager möglich sein wird und das vor allem wieder Wettkämpfe stattfinden werden. Grundsätzlich wollte ich am letzten Wochenende in Dresden laufen, aber leider wurde ich davor krank. Ansosnten möchte dieses Jahr unter 29 Minuten über die 10-km-Distanz laufen und meine Bestzeiten über die 5000 m und die Halbmarathondistanz deutlich verbessern. Das Thema Marathon werde ich voraussichtlich für das Frühjahr 2022 in Angriff nehmen.

Und längerfristig, welches große Karriereziel hast du?

Mein großes Ziel ist es im deutschen Nationaltrikot zu starten. Einmal mein Land bei einer internationalen Meisterschaft zu repräsentieren würde mich mit großem Stolz erfüllen. Ein weiteres Ziel ist es eine Medaille bei einer Deutschen Meisterschaft zu gewinnen.

Welche Hobbys, außer dem Laufsport, hast du noch?

Neben der Promotion und dem Leistungssport bleibt mir leider nicht mehr sehr viel Zeit für andere Hobbys. Bevor ich angefangen habe zu Laufen, habe ich sehr gerne Tennis gespielt. Das kommt in den letzten Jahren leider etwas zu kurz. Ansonsten bin ich ein passionierter Kaffeetrinker und liebe es in gemütlichen Cafés zu sitzen. An besonders nebligen Tagen im Herbst hier am Bodensee, verbringe ich durchaus auch mal gerne ein paar Stunden vor einem Puzzle. Im Sommer bieten sich die angrenzenden Schweizer Berge auch sehr gut für Wanderungen an.

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