Teil 87 (KW 08/2020): Georg Mackner

©Georg Mackner

Georg Mackner ist Marathonläufer und Athlet beim „team2012“. Der 39-jährige Psychologe, weiß aus eigener und beruflicher Erfahrung wie wichtig das Laufen ist. Wir sprechen mit dem Tiroler über seinen neuen Trainer, und über seine großen Ziele für die Zukunft. Das und mehr im Helden Interview #87.

Helden des Laufsports: Wann hast du mit dem Laufen begonnen?

Georg: Nach Ende meiner Zeit als Hobby-Fußballer, bin ich eigentlich immer gelaufen. In meiner Zeit als Student und danach, war ich eigentlich nie wirklich in Form und hatte etwas zu viel auf den Rippen. Ab diesem Zeitpunkt, habe ich mich deutlich bewusster ernährt und bin immer mehr gelaufen. Mein Bruder, der mich enorm inspirierte und auch Marathonläufer war, hat mich motiviert dran zu bleiben. Nach meinem Marathondebüt 2015 in Köln – ich überquerte nach 03:50 Stunden die Ziellinie – habe ich beim Hamburg Marathon teilgenommen und kam nach 03:33 Stunden ins Ziel. In Hamburg hat mich das Lauffieber endgültig erwischt.

Hdl: Im November bist du in Florenz beim Marathon am Start gewesen. Zufrieden?

Georg: Ja, ich bin sehr zufrieden. Ich konnte mein großes Ziel, den Marathon unter 03:00 Stunden zu laufen, erreichen und kam nach 02:55 Stunden ins Ziel. Ich wurde von Willy Lilge, meinem neuen Trainer, präzise auf diese Zeit eingestellt. Wir haben uns Anfang September hingesetzt und mit einem exakten Plan dieses Ziel verfolgt. Meine Unterinstanz-Zeiten stimmten mich im Vorfeld zu recht positiv. Am Renntag selbst, ging ich das Ganze bis Kilometer 32 relativ konservativ an. Ich fühlte mich gut und lief ab diesem Zeitpunkt einen Schnitt von 04:00min/km. Am Ende war ich überglücklich, diesen Tag werde ich so schnell nicht vergessen.

Hdl: Was waren bisher deine größten läuferischen Erfolge?

Georg: Neben dem Florenz Marathon zählt sicherlich der München Marathon dazu. Speziell und emotional auch daher, weil ich hier Jahre zuvor meinen Bruder anfeuerte, und ich mir den Olympiasieg von Lasse Viren über die 10.000 Meter im selben Stadion, als Motivation vor Wettkämpfen ansehe. Aber es ist eigentlich gar kein spezieller Lauf – sondern die Tatsache, dass ich mit Wilhelm Lige einen Trainer gefunden habe, der mit mir mein Training optimiert hat. Ich bin nicht mehr der Sklave meiner Ziele und es ist auch kein Pfusch mehr wie früher. Außerdem behandle ich meinen Körper, durch die Ruhetage und Signale die er mir sendet, viel respektvoller als früher.

Hdl: Du kommst aus Aldrans in Tirol, wie sehen dort deine Trainingsmöglichkeiten aus?

Georg: Viel Berg viel Trails, was mir eigentlich nicht liegt. Ich bin aber beruflich viel unterwegs, sodass ich auch flache Bedingungen vorfinde. Meine Regenerationsläufe mache ich meist auf kupierten Wald- und Forstwegen. Die Intervalleinheiten auf der Bahn im Olympiazentrum Innsbruck, und meine Tempoläufe meist entlang der Inntalfurche – die eigentlich einzige lange flache Linie in Tirol.

Hdl: Wie sieht bei dir eine normale Trainingswoche aus?

Georg: Ich wurde drei Jahre von Andreas Tomaselli, dem Chefcoach des LLZ Tirols, trainiert. Ihm habe ich viel zu verdanken, da er mir das Laufen „lernte“. Die drei Jahre bei ihm habe ich fast täglich trainiert und in der Woche zwischen 80 bis 130 Kilometer absolviert. Mit ihm verbesserte ich meine Bestzeit auf 03:03 Stunden. Seit September 2019 bin ich im team2012.at bei Willy Lilge. Willy nimmt große Rücksicht auf meine familiäre Situation und ich bekomme das Training immer vier Wochen im Voraus. Für den Florenz Marathon hatte ich meist fünf bis sechs Einheiten pro Woche. Ich trainiere aber nie zweimal am Tag, das ist meinem Körper zu viel und der/die Ruhetag(e) ist/sind für mein fortgeschrittenes Alter einfach unverzichtbar.

Hdl: Oft vernachlässigt, aber doch wichtig sind Kraft- und Stabi-Übungen. Wie sehr bist du hier dahinter?

Georg: Ja, ein altes Läuferleiden. Die letzten Jahre habe ich das auch sehr vernachlässigt. Seit ich von Willy Lilge trainiert werde, bin ich hier konsequenter und hoffe, dass ich das auch bleibe. Um mich zu motivieren schaue ich mir im Netz manchmal Videos meiner Vorbilder (Peter Herzog, Julien Wanders etc.) an, da findet man oft coole Sachen und wenn‘s das Vorbild macht, dann fällt es mir oft leichter.

Hdl: Wie von dir bereits erwähnt, bist du im „team2012“ und dein Trainer heißt Wilhelm Lilge. Wie zufrieden bist du mit der Zusammenarbeit?

Georg: Dazu kann ich einfach nur sagen: TOP. Ich bin zwar erst kurz dabei, aber ich habe das Gefühl, es tut sich nach einiger Zeit der Stagnation wieder etwas in der Entwicklung. Durch Willy Lilge wurde mir die Bedeutung und die Sinnhaftigkeit einer sorgfältigen Interpretation des vorgegebenen Trainings noch stärker bewusst.

Hdl: Was sind deine sportlichen Ziele für die Zukunft?

Georg: Was die Zeiten betrifft, wäre natürlich eine 34er Zeit über die 10-Kilometer-Distanz mein großer Traum, und beim Halbmarathon würde ich mich über eine Sub 01:20 Stunden freuen. Von beiden Zielen bin ich aber noch deutlich entfernt, aber sie spornen mich an. Allerdings weiß ich auch, dass ich nicht jünger werde und mein großes Ziel, die Drei-Stunden-Schallmauer zu durchbrechen, bereits erreicht habe.

Hdl: Es heißt ja immer, würden mehr Leute laufen, dann hätten Psychologen weniger Arbeit. Wie siehst du das als Experte? Sport ist immer ein guter Tipp, oder?

Georg: Das kann man sogar wissenschaftlich belegen. Bewegung tut der Psyche gut. Es steht nicht nur in der Fachliteratur, ich habe es auch an mir festgestellt. Seit ich regelmäßig laufe ist mein Leben deutlich intensiver und qualitätsvoller. Die Grenzen der Belastbarkeit verändern sich durch den Sport in eine positive Richtung – und zwar massiv.  

Hdl: Welche Hobbys, außer dem Sport, hast du noch?

Georg: Wenige. Früher war ich viel Bergsteigen und auch Skitourengehen. Ich lese alles was mir über den Laufsport in die Hände kommt, vor allem die Literatur der Laufpioniere interessiert mich hier. Mit der Familie und dem Laufsport passt aber nicht mehr viel dazwischen.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.