Teil 98 (KW 19/2020): Gerhard Schiemer

Foto: ©Gerhard Schiemer

Gerhard Schiemer ist Sport- und Bewegungswissenschaftler, Mitglied bei den Naturfreunden Bad Vöslau und begeisterter Trailrunner. Der 46-Jährige ist mehrfacher Trailrunning WM-Teilnehmer und Botschafter für ein Laufbuch. Mehr dazu im Helden-Interview #98.

Helden des Laufsports: Bist du schon immer ein sportlicher Typ gewesen?

Gerhard: Ja doch, es hat aber natürlich Phasen gegeben, in denen die Familie wichtiger war als die sportliche Verwirklichung.

Hdl: Deine Leidenschaft ist Trailrunning, wann hast du diese für dich entdeckt?

Gerhard: Also die Leidenschaft für das „Wegerllaufen“ habe ich schon vor gut zehn Jahren entdeckt. Mir waren kleine Berglaufveranstaltungen immer schon sehr sympathisch. Mehr und mehr hat mich das Bergablaufen und der ständige Wechsel, sowie längeren Distanzen immer mehr in ihren Bann gezogen. Mit zunehmendem Alter wird es dann auch leichter länger zu laufen, als kurz und knackig. In den Bergen fühl ich mich einfach am wohlsten, da kann ich Kraft tanken.

Hdl: Bei der „Ultra Trail World Tour“ konntest du schon einige Top-Ten-Platzierungen feiern. Was ist das Besondere an dieser Tour?

Gerhard: Sie bietet sehr abwechslungsreiche Rennen die bestens organisiert sind und sehr viele top Läufer aus der ganzen Welt anzieht. Heuer steht der Mozart 100, der auch Teil der Serie ist bei mir am Programm. Unsere Berge und Veranstaltungen stehen den Rennen im Ausland um nix nach, da sind wir schon privilegiert.

Hdl: Du bist fünfmaliger Trailrunning-WM-Teilnehmer, was waren hier deine Highlights?

Gerhard: Zufällig bin ich beim Dirndeltal Extrem österreichischer Meister im Ultratrail geworden, das war 2014 und habe mich so für meine erste Trail WM 2015 in Frankreich qualifiziert. Zu dem Zeitpunkt hab ich nicht einmal gewusst, dass es österreichische Meisterschaften, geschweige denn eine WM gibt. In dem Jahr konnte als schnellster Österreicher im ersten Drittel finishen. Das Schönste war immer ein Teil der Mannschaftswertung zu sein das hat mich immer mehr gefreut als meine individuelle Leistung

Hdl: Absolvierst du auch Wettkämpfe auf der Straße?

Gerhard: Früher bin ich auch Straßenwettkämpfe und im Winter Crossläufe gelaufen. In den letzten Jahren aber immer weniger, da die ersten längeren Bewerbe schon im Jänner starten.

Hdl: Wie viel Zeit pro Woche investierst du in Training?

Gerhard: Das ist ganz unterschiedlich, je nachdem wie sehr ich beruflich eingespannt bin. Aber die Wahrheit liegt so zwischen acht und 15 Stunden

Hdl: Für das Buch „Der Aufstieg der Ultraläufer“ bist du quasi Botschafter. Wie kam es dazu und worum geht es in dem Buch?

Gerhard: Egon Theiner (Egoth Verlag) hat mich gefragt ob er mich als Vertreter für den österreichischen Ultratrailsport im Buch anführen darf. War mir natürlich eine Ehre! Man will diese Idee ja hinaus in die weite Welt tragen. Finn beschreibt hier seine eigene Reise im Reich der Ultralaufszene. Als Trailläufer findet man sich zu 100% wieder, es ist aber nicht nur für Enthusiasten geschrieben, sondern nimmt auch „Nichtläufer“ mit auf seine Ausflüge durch die Wüste im Oman über die schneebedeckten Gipfel der Rocky Mountains und dem Ultra Trail du Mont-Blanc.

©Gerhard Schiemer

Hdl: Beruflich bleibst du dem Sport ebenfalls treu, was machst du genau?

Gerhard: Ich treibe als Sport- und Bewegungswissenschafter mein Unwesen somit verschmelzen hier Beruf und Hobby. Ich organisiere Trailrunning- und Swimruncamps, halte Vorträge, unterrichte an der BSPA Wien (Ausdauertraining mit dem Schwerpunkt Laufsport, sehr empfehlenswert!), leite Trailrunningseminare. Hobby- und Leistungssportlern biete ich Laktatleistungsdiagnostik, mit Laufanalyse und Trainingsplanung. Im Trailrunning Nationalteam darf ich mich ebenfalls einbringen. Prinzipiell gebe ich meine langjährige praktische Erfahrung sehr gern weiter. 

Hdl: Was machst du sonst noch in deiner Freizeit?

Gerhard: Wenn dann noch Zeit bleibt, treibe ich mich auch wandernd, kletternd oder auf Ski in den Bergen umher. Im Sommer liebe ich das Openwater Schwimmen, hier können dann auch schon mal ein paar Kilometer zusammenkommen. Kopf unter Wasser und weg, niemand kann dich ansprechen. Schwimmen bietet einen idealen Ausgleich und kann ich Läufern nur empfehlen, wenn dann einmal was „zwickt“ gibt´s einen Plan B, das stabilisiert die Gemütslage und gibt Verletzungen eher die Chance auf Heilung.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.