Teil 128 (KW 07/2021): Günter Schneider

Foto: ©Günter Schneider

Der Tiroler Günter Schneider (SK Rueckenwind) kann auf eine erfolgreiche Laufkarriere zurückblicken. Jetzt geht es der 51-Jährige etwas ruhiger an. Im Helden-Interview #128 spricht er über seine Marathonbestzeit von 2:34 Stunden und auch über sein Training.

Helden des Laufsports: Wie bist du zum Laufsport gekommen?

Günter Schneider: Es war im Herbst 2008 im Alter von 40 Jahren, wo ich einfach wieder Lust bekam, etwas Sportliches – in meinem Fall das Laufen – zu tun. Ich suchte nach einem sportlichen Ausgleich, ursprünglich ohne große Ambitionen nach Rennen, Erfolgen, einfach der Fitness wegen. Nach einer langen Zeit, wo Sport in den Hintergrund gerückt wurde – bedingt durch Abendschule, begonnenem Studium und Familie – blieb in diesem Zeitraum neben einem Fulltime-Job leider keine Zeit dazu. Sport war zuvor eigentlich immer ein Thema, Fußballer beim SV Hall, später auch Mountainbiken in den Tiroler Bergen, vor allem als Ausgleich zur Arbeit.

“In Frankfurt lief ich das Rennen meines Lebens”

Günter Schneider über den Frankfurt Marathon 2015

Deine Marathonbestzeit liegt bei 02:34 Stunden! Wo bist du diese Zeit gelaufen und wie hast du den Lauf in Erinnerung?

Meine Marathonbestzeit 2:34:24 Stunden lief ich am 25. Oktober 2015 im Rahmen des 34. BMW Frankfurt Marathon. Damals erreichte ich den 126. Gesamtrang und den AK-Rang fünf. Zum Lauf selbst, ich kann mich noch gut daran erinnern. Ohne jegliche Ambition auf eine neue Bestzeit – diese lag zu diesem Zeitpunkt bei 2:34:54 Stunden, gelaufen im Jahr zuvor in Berlin – zu laufen, reiste ich nach Frankfurt an. Eine Zielzeit von 2:38:00 Stunden hatte ich aufgrund einer nicht optimalen Vorbereitung, bedingt durch muskuläre Probleme, anvisiert. Ohne selbst auferlegtem Druck, einem dadurch außergewöhnlich guten Schlaf, lief es dann von Start an wie am Schnürchen. Die Pace der ersten Kilometer lag mit Leichtigkeit unter der geplanten, und ich lief mehr oder weniger mit einer „Wohlfühlpace“. Die Halbmarathonmarke passierte ich bei 1:17:04 Stunden. Gedanken kamen auf, ob ich diese Pace halten kann, oder ob der bisher meist erfolgte Einbruch auf Rennhälfte zwei folgt. Ich konnte weiterhin das Niveau von Rennhälfte eins halten, und mit einer Zeit von 1:17:20 Stunden war diese beinahe ident der ersten. Im Ziel war ich über die gelaufene Bestzeit überglücklich und vor allem erstaunt, wie „einfach“ dies möglich war. Fazit: Mit einer Vorbereitung, die auch alternative Trainingseinheiten ohne Laufen beinhaltet, ohne jeglichem selbst auferlegten Druck und einer perfekten Renneinteilung, war es das Rennen meines Lebens!

Jetzt ist aber Schluss mit dem leistungsorientierten Laufsport! Warum?

Jetzt im Nachhinein betrachtet war es ein Ende mit Ansage. Seit eineinhalb Jahren gab mir mein Körper Zeichen – Beschwerden da und dort, ohne jeglichem Befund – aber diese waren immer da. Ich hantelte mich von Rennen zu Rennen, und die Vorbereitungen wurden immer löchriger. Auch der Wille konstante Leistungen zu erbringen, war mit zunehmendem Alter immer mit Mehraufwand und somit meist mit fehlenden Regenerationszeiten verbunden, die jedoch immer wichtiger wurden. Die Entscheidung den leistungsorientierten Laufsport zu beenden, fiel dann ganz einfach im März, zu jenem Zeitpunkt an dem der Körper mehr oder weniger streikte. Der Sport, der Beruf, verbunden mit Leistungsdruck, Perfektionismus – es war einfach zu viel. Jetzt heißt es, die ganze Kraft in die mentalen Fitness zu legen. Hört auf euren Körper, bevor es zu „spät“ ist!

Was ändert sich jetzt in deinem Sportlerleben?

Es werden keine Wettkämpfe, wo Leistung, Zielerreichung, Erfolge, Medaillen im Vordergrund stehen, von mir gelaufen. Laufen gehe ich nach wie vor sehr gerne, jetzt zum Unterschied zu früher, wann und was ich will. Früher bestimmten Trainingspläne darüber was ich abliefern „muss“, um gewisse Ziele zu erreichen. Mein Wunsch wäre es, soweit wieder fit zu sein, auch zukünftig an Halbmarathons und Marathons teilzunehmen, jedoch auf einem ganz anderen Niveau. Es macht einfach Spaß, ein Wochenende mit Freunden zu verbringen, wo es mehr als nur um ein Rennen geht. Und vielleicht kann ich mein Wissen weitergeben, oder auch jemanden auf einem sub-3-Marathon begleiten?

Noch mal zurück: Was waren deine größten sportlichen Erfolge?

Vorab, natürlich sind persönliche Bestzeiten Highlights einer Karriere, aber schlussendlich wird der Erfolg vorwiegend an Platzierungen und Medaillen gemessen. Wenn diese mit guten Leistungen verbunden sind, umso besser. So war es dann auch. Wenn ich so meine Medaillensammlung durchsehe, machen drei Tiroler Meistertitel im Marathon in den Jahren 2013 bis 2015 größte Freude. Es folgen zwei Vizemeistertitel über die Halbmarathondistanz (2013, 2018), jeweils zwei dritte Ränge über die Halbmarathondistanz (2015, 2017) als auch über die 10.000 m (2013, 2014), sowie einen dritten Rang über die Marathondistanz (2017) bei den Landesmeisterschaften. Diese Einzelmedaillen stelle ich vom Stellenwert her ein wenig über jene die ich mit der Mannschaft des SK Rueckenwind erreicht habe. Mannschaftlich die größten Erfolge waren der im letzten Jahr errungene Staatsmeistertitel, sowie der Vizestaatsmeistertitel im Jahr 2018 über die Marathondistanz. In der ganzen Laufkarriere habe ich es zumindest einmal geschafft, ein Rennen, den 1. Innsbrucker Night-Run über die Halbmarathondistanz als Gesamtsieger zu verlassen. Diesen Erfolg behalte ich gut in Erinnerung, auch wenn es damals mit Pleiten, Pech und Pannen behaftet war. Was ich schon noch als kleinen Erfolg erwähnen möchte, aus den oben genannten Erfolgen resultierte einerseits der siebte Gesamtrang bei den Österreichischen Staatsmeisterschaften 2015 über die Marathondistanz, andererseits habe ich es geschafft im Jahr 2014 und 2015 in der Weltrangliste der damaligen IAAF über die 42,195 km geführt zu werden.

Wie sah bei dir eine intensive Trainingswoche aus?

Die intensivsten Trainingswochen absolvierte ich in der achtwöchigen Vorbereitung auf einen Marathon mit einem km-Umfang von 110 bis 120 Kilometer. Die Trainingswoche inkludierte einen Ruhetag – meist donnerstags! Montag 10 bis 15 Kilometer Tempolauf in MRT (03:40min/km), Dienstag, Freitag und Sonntag 15 bis 20 Kilometer Dauerlauf (04:30min/km), Mittwoch Intervalle 6 x 1 Kilometer / 4 x 2 Kilometer / 3 x 3 Kilometer (03:15min/km / 03:20min/km / 03:25min/km), sowie am Samstag den langen Lauf mit 35 Kilometer (04:40min/km).

Hattest du oft mit Verletzungen zu kämpfen?

Eine richtig ernsthafte und nennenswerte Verletzung hatte ich im Herbst 2014. Ich bin beim Bergablaufen so gestürzt, dass ich mir die Schulter gebrochen habe. Glück im Unglück, es war ein glatter Bruch, somit war eine Operation nicht notwendig, jedoch eine längere Laufpause war angesagt. Mit Alternativtraining konnte ich die Form konservieren und im darauffolgenden Frühling in Linz mit respektablen 2:35:11 Stunden aufhorchen lassen. Ansonsten noch am ehesten nennenswert ein Muskelfaserriss den ich mir während dem Barcelona Halbmarathon im Jahr 2017 zugezogen habe, diesen dennoch in 1:16:29 Stunden beendete – eine längere Pause folgte.

Hast du meistens alleine trainiert oder auch mal in einer Gruppe oder in einem Verein?

Größtenteils habe ich alleine trainiert, obwohl ich es grundsätzlich sehr angenehm finde, gemeinsam zu trainieren. Sollte ein gemeinsames Training zustande gekommen sein, beschränkte sich dies meist auf zwei Personen. Es ist und war einerseits sehr, sehr schwierig, zeitlich zusammenzufinden, andererseits eine Trainingspartnerin oder einen -partner auf dem Leistungsniveau an der Seite zu haben! Meist war es der LongRun, der für gemeinsames Training herangezogen wurde, und der sich dadurch kurzweiliger gestaltete. Ab und zu Mal gemeinsame Intervalle auf der Bahn. Auch wenn nicht die gleichen Distanzen bzw. das gleiche Tempo gelaufen wurde, man war nicht allein auf der Bahn und das Kämpfen gegen die Zeit fiel einem leichter.

Was waren deine Lieblingseinheiten?

Richtige Lieblingseinheiten gab es bei mir eigentlich nicht. Als angenehmere Einheiten stellten sich die Dauerläufe mit sogenanntem Wohlfühltempo dar. Schlimm waren, zumindest gedanklich, die Tempoläufe und die Intervalle, vor allem jene die spät abends nach der Arbeit in Angriff genommen wurden. Am meisten Spaß jedoch haben jene Einheiten gemacht, bei denen du einfach während der Absolvierung gemerkt hast, wie gut es dir heute geht und was dabei zeitlich möglich war.

Welche Hobbys, außer Sport, hast du noch?

Als Tiroler bin ich sehr gerne in den Bergen, dort verbringe ich sehr viel Zeit, genieße die Natur und die Ruhe. Genau das steht jetzt wieder sehr im Fokus, das bringt mich hoffentlich wieder auf Schiene.

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