Teil 116 (KW 39/2020): Guido Sander

Guido Sander (Foto: ©/ links) vor seinem Lebenswandel.

Guido Sander zeigt was möglich ist! Der 47-jährige Niedersachse hat unglaubliche 124 abgenommen. Sein Ausgangsgewicht lag bei 193 Kilogramm. “Dann habe ich 124 Kilogramm abgenommen, mittlerweile hat sich mein Gewicht von 69 auf 79 Kilogramm eingependelt”, erzählt Sander stolz. Seine ganze Story könnt ihr im Helden-Interview #116 nachlesen.

Helden des Laufsports: Du hast zu Beginn unglaubliche 124 Kilogramm abgenommen. Wann war der Punkt erreicht, wo du gesagt hast: So geht es nicht weiter!

Guido Sander: Mir ging es schon lange mit dem Gewicht und besonders mit meinem Aussehen nicht gut. Aber ich wollte dafür nichts tun, denn ich hielt andere Prioritäten für wichtiger. Beispielhaft Status, Karriere und Geld verdienen. Als dann mein Vater mit 67 Jahren plötzlich verstarb, fing ich an über meine eigene Lebenserwartung nachzudenken. Aber ich lernte lieber Coaching und Mentaltechniken, als dass ich einfach nur ins „Machen“ komme. Als dann Ende 2015 mein Körper die Ansage machte, schau mal in den Spiegel, wusste ich, mit Wissen allein ist es nicht getan. Und mein lebensbedrohlicher Diabetes gab dann die Richtung vor.

Wie hart war die Anfangsphase?

Im Vergleich zum Halten des Gewichts „Kindergarten“. Zuviel Angst hatte ich vor dem Tod bekommen und Respekt vor dem Diabetes. Also nahm ich jede Widrigkeit an. So wie eine Challenge. Schritt für Schritt. Erst industriellen Zucker weglassen, dann Kohlenhydrate reduzieren. So, dass ich mich mit dem Thema Ernährung immer mehr beschäftigte. Aber nicht über Abnehmkonzepte und Rezepte, sondern über einfache Zahlen-Daten-Fakten. Sogar das Kochen habe ich übernommen. Erst widerwillig. Aber meine Frau wusste damals schon besser, wie man scheinbar mit einem „nicht einsichtigen Esssüchtigen“ umgeht. Denn sie schmiss nach zwei Tagen sprichwörtlich den Kochlöffel. So ungenießbar war ich. Aber heute weiß ich, sie hat fachlich und emotional korrekt gehandelt hat. Nur so funktioniert es. Wie bei einem Alkoholiker, denn ich bin und bleibe ein Esssüchtiger.

Was war der Schlüssel zum Erfolg?

Da gibt es mehrere Teilaspekte und Lektionen. Für den Anfangserfolg waren der krasse Zucker-Entzug und der unbändige Willen, so schnell wie möglich fertig zu werden, sicherlich ausschlaggebend. Dabei half mir meine Freude an Zahlen.

Foto: ©Guido Sander

Hast du Angst vor Rückschläge?

Ja, jeden Tag. Aber ich lerne immer besser damit umzugehen. Denn ich bin ja kein Superman. Eher Pippi Langstrumpf „Ich mache mir die Welt, so wie sie mir gefällt“. Zudem ist mir mittlerweile bewusst, dass das meine Lebensaufgabe ist. Und dafür übernehme ich heute Verantwortung. So blöd es sich anhört.

Heute bist du ein erfolgreicher und leidenschaftlicher Läufer, was waren deine bisher größten Erfolge?

Jeder einzelne Entwicklungsschritt empfinde ich als Erfolg. Meine Laufkarriere ist ja noch sehr jung. Und alles was ich in den letzten drei Jahren erreicht habe, klingt für viele wie Fake-News, Krass oder Wunder. Ich sehe das eher als „es musste ja so kommen = eine logische Folge“ oder nennen wir es „bislang verborgenes Talent“ so wie mir kürzlich das TV-Format „Kaum zu glauben – mit Kai Pflaume“ attestierte. Dabei hatte ich Sport in der Pubertät an den Nagel gehängt und wollte nie wieder was damit zu tun haben. Sport war einfach nicht mein Ding. Deswegen habe ich mich auch schon sehr früh ausschließlich mit dem Computer beschäftigt. Da konnte ich allen anderen zeigen, dass auch ich was kann., nur anders.

Welche weiteren Laufhighlights durftest du bereits erleben?

Gerne erinnere ich mich an mein erstes 3.000 Meter Bahnrennen mit meinem Vereinskollegen Luke Kelly als „Hasen“. Oder an meinen ersten Marathon in Berlin mit 04:15 Stunden und der Wut, damit bin ich noch nicht fertig. Und dann neben dem sportlichen Erfolg auch das mediale Interesse seit Köln im letzten Herbst. Zudem empfinde ich heute die Mitgliedschaft in einem Verein als Bereicherung. Nicht typisch für einen Einzelkämpfer, so wie mich.

Intervalltraining oder Long Jog? Was sind deinen Lieblingseinheiten?

Die Lieblingseinheiten sind mit meiner Frau. Sie steht mir dann als Feedbackgeber, Antreiberin oder Gesprächspartnerin zur Verfügung. Intervalle sind für mich wichtig um meine Grenzen zu verschieben. Aber ich kann immer noch nicht sagen, dass ich es liebe, nach einem Lauf zu kotzen. Lach!

Wie viel Zeit pro Woche investierst du in Training?

Mindestens zwei Stunden täglich, sieben Tage die Woche. Aber immer angepasst an das aktuelle Ziel und meine Regenerationsbedürfnisse.

Welche sportlichen Pläne hast du für die Zukunft?

Meine 10-Kilometer Bestzeit von 40:09 Minuten unterbieten und als nächstes die drei Stunden Marke im Marathon zu knacken. Ich weiß heute aber auch, dass mir Gesundheit, Energie und Leistungsfähigkeit noch wichtiger sind. Dem ordne ich die Pläne zeitlich unter.

Welche Hobbys, außer dem Sport, hast du noch?

Ich hatte früher keine Hobbys und deswegen war es für mich schon was Besonderes den Laufsport für mich zu entdecken. Dennoch ist es für mich einfacher etwas als Arbeit zu definieren. Wenn ich heute an Hobby denke, dann eher meine Betätigung als Gärtner auf dem 7.500 qm Hof. Oder meine neuen Ambitionen als Nebenerwerblandwirt im Gemüse und Obstanbau. Das ich das mal sagen werde, als ehemaliger IT-Profi, spannend.

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