Teil 99 (KW 20/2020): Gunter Aigmüller

©Gunter Aigmüller

Gunter Aigmüller ist 55 Jahre jung und kann sich heute ein Leben ohne den Laufsport gar nicht mehr vorstellen. Der IT-Administrator aus Linz hat eine Marathonbestzeit von 02:56 Stunden, läuft mittlerweile aber Strecken die weit über diese Distanz hinausgehen. Mehr dazu im Helden-Interview #99.

Helden des Laufsports: Wann hast du mit dem Laufen begonnen?

Gunter: Erst sehr spät. Ein Arzt hatte mir nahegelegt, ausgleichend zum vielen Sitzen im IT-Job doch etwas Bewegung zu machen. Da habe ich 2006 mit 42 Jahren, zum Laufen begonnen. Im Herbst beziehungsweise im Winter wieder abgebrochen, und dann 2007 wieder angegriffen. Seit damals laufe ich jetzt. Eine Zeit der längeren Jobsuche hat da viel geholfen, gerade diese Durststrecke von zwei bis drei Monaten als Laufanfänger zu überstehen.

Hdl: Deine Marathonbestzeit liegt bei 02:56 Stunden, wie verlief dieses Rennen aus deiner Sicht?

Gunter: Es war beim Linzmarathon 2016. Das Rennen verlief von Anfang an gut, das Tempo von 04:15 Minuten pro Kilometer fühlte sich gleich zu Beginn angenehm an. Zusammen mit Christian und Dominik, versuchten wir, in einer Gruppe beisammen zu bleiben, was bis Kilometer 30 – abgesehen von meinen Tempowechseln – gut klappte, weil Freunde und Bekannte am Straßenrand anfeuerten. Dominik musste dann nachlassen, ich selbst hatte kurz darauf einen leichten Einbruch, konnte mich aber wieder fangen – und mit Christian, der kurz hinter mir auch persönliche Bestzeit lief, erreichte ich das Ziel. Die Bedingungen waren gut, es war nicht zu warm, und mit 22 Marathons davor hatte ich schon etwas Erfahrung.

Hdl: Was waren deine bisher größten Erfolge?

Gunter: Es sind vor allem persönliche Erfolge, keine „Meilensteine der Menschheit“. Ich bin immer noch fasziniert, wozu der eigene Körper fähig ist – und dass es auch nie zu spät ist, eine spezielle Begabung herauszufinden und ein Talent auszubauen. Den Transalpine Run 2015 – zusammen mit Anita Weissinger-Lusenberger – zu schaffen, das war schon etwas Besonderes. Drei Marathons innerhalb von 14 Tagen zu laufen, alle so um die 03:20 Stunden herum (Wien, Linz, London 2015), ist zwar nicht vernünftig, aber es war grandios. Ich bemerke gerade, 2015 dürfte wirklich recht gut gewesen sein.

Hdl: Du bist also Ultraläufer. Wie kam es dazu und welche Abenteuer waren da schon dabei?

Gunter: Irgendwann denkst du dir, wenn du 42,195 Kilometer laufen kannst, dann gehen ein paar Kilometer mehr auch noch. So ging es mit dem “50er” in Rodgau 2013 los, dann folgten unter anderem der Grenzstaffellauf in Veitsch, der Bergmarathon in Linz, der Supermarathon am Rennsteig (74 Kilometer), der Blaufränkisch Ultra (80 Kilometer) und als bislang längste Distanz, der Mozart 100 (105 Kilometer).

Hdl: Stimmt es, dass du in Österreich über 50 Kilometer auch Rekordhalter bist?

Gunter: Ja, im Jänner 2019 habe ich einen Versuch gestartet, in Rodgau Nähe Frankfurt/M. die österreichische Bestzeit in der Männerklasse 55-60 über 50 Kilometer zu unterbieten, was mir auf Anhieb gelang – nach 3:40:17 war ich im Ziel. Das war ein sehr emotionales Erlebnis, da ich vor allem auf den letzten fünf Kilometern um jede Sekunde kämpfen musste.

Hdl: Jetzt wo du auf den Ultradistanzen zuhause bist, hast du da noch Lust auf schnellere kurze Läufe?

Gunter: Ja, das macht schon Spaß, so richtig mit Tempo „dahinzufliegen“. Allerdings bemerke ich bei höherer Geschwindigkeit den Alterungsprozess doch mehr als beim langsameren Ultralaufen – ich fühle mich für das Tempogebolze manchmal nicht mehr spritzig genug. Aber ab und zu mal ein schneller Businesslauf oder Silvesterlauf ist schon witzig. Schmerzt allerdings mehr, beziehungsweise anders, als ein 50-Kilometer-Lauf.

Hdl: Wie viel Zeit investierst du pro Woche in dein Training?

Gunter: Es kommt darauf an, ob ich mich für einen speziellen Wettkampf vorbereite oder nur so „zum Spaß“ laufe. An die 40 Kilometer pro Woche sind es eigentlich immer, also etwa vier Stunden – das ist aber eher die Untergrenze. Meistens bin ich 70 bis 80 Kilometer pro Woche unterwegs. Bei der Vorbereitung auf schnelle Marathons können es schon mal bis zu 140 Kilometer werden. Das ist neben der Arbeit dann nicht so einfach. Aber ein kurzer Lauf ist immer möglich, also habe ich Anfang Oktober 2018 mit dem Streakrunning begonnen, das bedeutet, jeden Tag mindestens eine Meile (1,6 Kilometer) zu laufen. So sind seit damals bereits über 5.000 Kilometer zusammengekommen.

Hdl: Trainierst du alleine oder auch mal in der Gruppe?

Gunter: Meistens laufe ich alleine, vor allem dann, wenn ich einem Trainingsplan folge. Da versuche ich konsequent zu sein. Laufen ist auch für den Kopf gut – man kann seine Gedanken ordnen, entwickelt neue Ideen. Allerdings macht mir das Laufen mit Freunden oder in der Gruppe auch sehr Spaß – gerne mal auch längere Läufe mit Laufkollegen bis hin zu einem Longjog mit Freunden von Wien bis Bratislava (60 Kilometer). Ein gemeinsamer Lauf über das Höllengebirge in neun Stunden war auch schon dabei.

Hdl: Hast du noch größere Ziele für die Zukunft?

Gunter: Es gäbe ja so viele herrliche Läufe in der nahen und fernen Umgebung, da sind schon ein paar Ziele dabei. Der Boston Marathon zum Beispiel, und New York City, um die Atmosphäre dort mal zu erleben. Im Ultrabereich möchte ich meine Möglichkeiten bei den Stundenläufen ausloten, also 6-Stunden-Lauf oder 12-Stunden-Lauf oder etwa einen 100-Kilometer-Lauf. Und wenn das gut geht, vielleicht mal einen 24-Sunden-Lauf! Klarerweise sind auch lange Distanzen im Gelände verlockend, da gibt es in Großbritannien schöne Ultraläufe.

Hdl: Welche Hobbys, außer das Laufen, hast du noch?

Gunter: Seit meiner Jugend bin ich musikalisch aktiv – früher war es Gitarre und Gesang in diversen Bands, heute spiele ich bevorzugt Instrumentaljazz am E-Bass. Und die berufliche Beschäftigung mit Computern überträgt sich klarerweise auch ein wenig in die Freizeit.

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