Georg Mackner: “Gut, dass sich die Leute helfen lassen”

Georg Mackner ist Marathonläufer und Psychologe. Der 39-Jährige weiß aus eigener und beruflicher Erfahrung wie wichtig das Laufen oder generell Sport für den Kopf ist. Wir haben mit Georg über seine Arbeit in Zeiten von Corona gesprochen.

©Georg Mackner

Helden des Laufsports: Wie wichtig ist es in Zeiten wie diesen Sport zu betreiben?

Georg: Es ist wichtiger als je zuvor, vor allem hinsichtlich des Immunsystems. Ich bin der Meinung, man hätte vielleicht den Sport auch nicht so rigoros eindämmen müssen. Natürlich nur in jenen Bereichen wo das auch geht. Dass aktuell keine Nahkampfsportarten sinnvoll durchführbar sind ist logisch. Allerdings wissen wir auch, dass das Immunsystem ohne Tageslicht und wenig Bewegung nicht unbedingt stärker wird. Umso glücklicher bin ich jetzt, dass sich wieder viele sportlich betätigen und damit dem Virus gestärkt gegenüberstehen. Die Maßnahmen waren, vor allem wenn man bedenkt in welcher Geschwindigkeit man diese anwenden musste, sinnvoll. Allerdings wünsche ich mir für uns als Gesellschaft, aber auch für uns Sportler mehr Augenmaß.

Hdl: Hast du zurzeit mehr Arbeit als davor?

Georg: Meine Arbeit hat sich wie bei so vielen auf Zoom, Skype und Telefon verlagert. Quantitativ ist es leicht mehr geworden und auch die Fragestellungen und Sorgen haben sich verändert. Für viele ist es einfach eine große Packung an Herausforderungen welche auf sie zukommen. Weniger bis gar kein Einkommen, trotzdem fällige Mieten und keine guten Perspektiven schlagen naturgemäß auf die Psyche. Ich bin froh, dass sich die Menschen nicht aufgeben und sich helfen lassen.

Hdl: Wie gehst du persönlich damit um?

Georg: Wie schon erwähnt, ich bin froh, dass sich die Leute melden. Ich empfinde es auch nicht als Belastung. Ich habe das Gefühl, dass man sich mehr denn je mit den Menschen auf Augenhöhe unterhält und helfen kann. Im ursprünglichen Setting war es in der Vergangenheit oft so, dass die Klientin oder der Klient eine Situation beschrieb in die man sich versucht hat hineinzudenken. Jetzt ist es so, dass man selber drinsteckt und sich die Hilfsangebote fast schon reflexartig ergeben. Oft hat man das Gefühl einer erhöhten Solidarität, die diese Krise angestoßen hat.

Hdl: Eine zweite Welle im Herbst oder im Winter ist nicht ausgeschlossen. Was würde ein erneuter „Lockdown“ bei Menschen auslösen, wenn man bedenkt, dass es dann auch noch weniger Tageslicht gibt und das Wetter auch nicht mehr so toll sein wird?

Georg: Das angesprochene Tageslicht wäre sicherlich nicht unbedingt förderlich, zumal Licht nachweisbar positive Effekte auf die Psyche hat. Ich habe aber Eingangs schon erwähnt, dass ich die Maßnahmen großteils vernünftig fand, aber in der Eile sicher nicht alles nachvollziehbar war. Vor allem im gelebten Alltag. Ich glaube, dass ein (wenn notwendig) erneuter „Lockdown“ durch die jetzt gesammelten Erfahrungswerte deutlich differenzierter ablaufen würde und wir als Gesellschaft auch gut durch eine zweite Phase kommen würden.

Hdl: Du bist selbst leidenschaftlicher Läufer. Wie geht es dir im Training? Hast du Motivationsschwierigkeiten ohne Ziel vor Augen?

Georg: Ich habe eigentlich keine Motivationsschwierigkeiten. In der Phase des harten Lockdowns bin ich los und hab mir ein Laufband, dass ich ohnehin schon immer haben wollte, besorgt. Das war freilich logistisch nicht ganz einfach. Vor einer Woche konnte ich sogar ein Höhentraining in den Tiroler Bergen absolvieren um eine Art Höhenreiz zu provozieren. Was etwas schmerzt sind jene Wettkämpfe die ich fix in die Slots genommen hatte und jetzt abgesagt wurden. Aber wenn ich da an die potenziellen Olympiateilnehmer/innen denke sind das natürlich Luxussorgen. Jetzt sehe ich das Training als langfristige Grundlagen-Investition bis sich die „Schleusen“ wieder öffnen. In der Zwischenzeit versuche ich es nicht zu übertreiben. 🙂

1 Kommentar zu „Georg Mackner: “Gut, dass sich die Leute helfen lassen”“

  1. Michael Funder

    Hallo Team, ich finde dieses Interview sehr passend und sehe es genauso wie Herr Mackner. Es ist eine positive Ausnahme zur Mainstream Berichterstattung.
    Ich kann dem Inhalt nur voll und ganz beipflichten. Bitte mehr von dieser Art.

    Allen Läuferinnen und Läufern viel Kraft für diese Zeit!

    Euer Michael

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