Teil 108 (KW 31/2020): Heidi Riepl

Foto: ©Heidi Riepl

Heidi Riepl ist 52 Jahre und hat mittlerweile 148 Marathons absolviert. Im Helden-Interview der Woche erzählt uns die Oberösterreicherin wo sie bereits gelaufen ist – und wie bei ihr alles begann.

Helden des Laufsports: Du hast bereits 148 Marathons absolviert, wie hat alles begonnen? Wann hat dich das Lauffieber gepackt?

Heidi Riepl: Das Laufen hat mit dem Arbeiten begonnen. Also vor mehr als 25 Jahren. Denn plötzlich hatte ich nicht mehr genug Zeit für ausgiebige Mountainbike-Touren oder das Training im Volleyball-Team. Ich brauchte also eine Sportart, in der ich ohne großen Aufwand möglich effizient trainieren konnte. Und so kam ich eben aufs Laufen, das mir sofort riesigen Spaß machte. Die Bewegung im Freien ohne Handy und Zeitdruck ist für mich Erholung pur. Und weil man beim Laufen auch viel Zeit zum Nachdenken hat, machte sich irgendwann die fixe Idee in meinem Kopf breit, wenigstens einmal im Leben einen Marathon zu versuchen. Einmal und nie wieder, sagte ich mir. Doch der Sturm der Endorphine, der nach meinem ersten Marathon im Jahr 2004 in Sankt Petersburg meinen Körper überflutete, machte mich schließlich zur Wiederholungstäterin. Inzwischen sind es 148 Marathons, die ich erfolgreich gefinisht habe. Und es werden hoffentlich noch viele mehr…

Deine Bestzeit über die 42,195 Kilometer liegt bei 03:18 Stunden. Wo bist du diesen Marathon gelaufen und erzähl uns ein bisschen von diesen Rennen?

Es war in Linz, im Jahr 2008. An diesem Tag hat einfach alles gepasst: Kühle Temperaturen, Sonnenschein, Windstille und offenbar war auch meine Form ganz passabel. Ich war jedenfalls ziemlich überrascht, als nach 03:18 die Uhr stehen blieb.

Was fasziniert dich am Marathon?

Beim Marathon hat man viel Zeit (lacht), man lernt nette Leute kennen und kann Großstädte ohne den lästigen Straßenverkehr auf völlig andere Weise entdecken. Und natürlich lernt man auch seine eigenen Möglichkeiten und Grenzen kennen.

Welche persönlichen sportlichen Highlights durftest du bisher schon erleben?

Jeder erfolgreiche Marathon ist ein Highlight. Der erste Marathon bleibt natürlich in ganz besonderer Erinnerung. Aber auch der, mit der persönlichen Bestzeit. Und nicht zu vergessen die unvergesslichen Eindrücke vom New York-Marathon oder von Berlin, Paris, Moskau und Rom. Aber auch der erste Bergmarathon mit mehr als 2000 Höhenmetern war etwas ganz besonderes oder der Halbmarathon Sibirien bei minus 30 Grad.

Wie sieht bei dir eine normale Trainingswoche aus?

Wenn ich genug Zeit habe für einen langen Lauf und eine Tour mit dem Mountainbike und ein paar kleineren Einheiten, dann bin ich zufrieden. Ich habe jedenfalls keinen Trainingsplan.

Du lebst in Leonding/Oberösterreich, wie sind dort deine Trainingsmöglichkeiten?

Hier habe ich alles, was ich brauche: Hügel, Trails und Wald. Wenn ich mal ohne Höhenmeter laufen will, dann radle ich einfach nach Linz. Dort finde ich entlang der Donau genügend Möglichkeiten, auch für Intervalle.

Hattest du schon mit schwereren Verletzungen zu kämpfen?

Nein, zum Glück nicht. Abgesehen von einem Muskelfaserriss und eine Riesenblase auf der Ferse hinderte mich nie etwas am Laufen.

Welche Hobbys, außer dem Sport, hast du noch?

Ich lese liebend gerne, und da das beim Laufen nicht geht, sind Hörbücher meine ständigen Begleiter.

Du bist Journalistin bei den OÖ Nachrichten. Was ist hier dein Spezialgebiet?

Mein Spezialgebiet ist Außenpolitik und da vor allem Russland und Osteuropa. Den zunehmenden Stress und Zeitdruck im Journalismus würde ich wahrscheinlich ohne den Ausgleich beim Laufen gar nicht schaffen.