Teil 110 (KW 33/2020): Helmut Linzbichler

Foto: ©Helmut Linzbichler

Helmut Linzbichler ist 79 Jahre und hat nicht nur läuferisch unglaublich viel erlebt! Vom Badwater Ultramarathon bis hin zu diversen 100 Meilenläufen in den USA war da alles dabei. Wie alles begann, und wie der Kapfenberger in den 90ern den Krebs davonlaufen konnte, hat er jetzt in einem Buch niedergeschrieben und auch im Helden-Interview der Woche etwas erläutert.

Helden des Laufsports: Wann und wie hat dich die Leidenschaft für den Laufsport gepackt?

Helmut Linzbichler: Das war in den 80er Jahren, als ich eigentlich ohne Training dreimal den Wolfgangseelauf – hier sind 27 Kilometer zu absolvieren – beendete und glaubte, für einen Marathon gerüstet zu sein. Was sich als fataler Irrtum herausstellte und nach meinem Horrorerlebnis bei meinem ersten Marathon in Graz im Oktober 1985 dazu führte, dass ich mir sagte „jetzt erst recht“.

Seit damals hast du unglaublich viel erlebt. Wenn du einen Lauf auswählen müsstest, welcher wäre das? Was war dein Highlight?

Das ist eine Frage, die ich so nicht beantworten kann, denn mit den meisten Läufen verbindet mich bis heute noch ein besonderes Gefühl, wenngleich natürlich Läufe am Nordpol, in der Antarktis, am Mt. Everest oder 800 Meter unter der Erdoberfläche in einem Bergwerk schon besondere Erinnerungen wecken.

Welche Highlights durftest du sonst noch erleben?

Naja, die 100 Meilenläufe in den USA, der Lauf quer durch Amerika oder der Badwater Ultramarathon sind schon spezielle Erlebnisse, die man manchmal erst nach ihrer Beendigung so richtig einordnen kann.

Wie wichtig sind dir bei den Läufen die Zeiten?

Solange ich realisierte, dass ich immer noch schneller laufen kann, waren Zeiten natürlich „der“ Gradmesser. Heute laufe ich nur mehr aus Freude am Laufen selbst – mit einer Ausnahme vielleicht: Der Allerletzte möchte ich dann doch nicht werden.

1995 bist du an Krebs erkrankt. Wie war die Zeit für dich und wie funktionierte der Wiedereinstieg in den Laufsport?

Ich darf mit aller Bestimmtheit behaupten, dass ich meinem Krebs „davongelaufen“ bin. Es war in der Nachbetrachtung eigentlich ein Wahnsinn, was ich in dieser Zeit an Kilometern und Wettkämpfen absolvierte, es scheint gewirkt zu haben, auch wenn die Psyche eine brutale Zeit mitmachte.

Was bedeutet Laufen generell für dich?

War es früher das Ausloten meiner Grenzen, ist es heute für mich die beste und einfachste Möglichkeit fit zu bleiben, Gleichgesinnte zu treffen und allen Stress, dem man sich bei bestem Willen nicht entziehen kann, abzubauen, den Kopf frei zu bekommen und neue Kraft zu schöpfen.

Du hast schon so viel erlebt, gibt es noch einen Lauf den du unbedingt absolvieren möchtest?

Ohje, da müsste ich nachdenken… Natürlich gibt es Läufe, die unter die Kategorie „muss“ fallen, aber das relativiert sich automatisch im Alter. Dieses Jahr nehme ich am „Marathon on the Rocks“ auf der Insel Bornholm in Dänemark teil. Nach derzeitigem Stand soll dieser tatsächlich stattfinden.

Jetzt bist du auch unter die Buchautoren gegangen. Wie kam es dazu?

Nachdem ich nach dem Lauf quer durch die USA das Buch „Der Transamerikalauf“ veröffentlichte (Anmerkung: Wird morgen auf Facebook verlost), hat sich die Zahl derer, die mich mit der Frage „wann erscheint einmal ein Buch über dein abenteuerliches Leben“ ständig erhöht. Als ich für mich den Entschluss gefasst hatte, keine Extreme mehr zu absolvieren, da war dann der Zeitpunkt gekommen, mein Leben in Buchform zu bringen.

Um was geht es genau in deinem Buch „Abenteuer Unlimited“?

Zum einen ist es meine Autobiografie, mit der ich Menschen aller Altersgruppen animieren möchte, aktiv zu werden oder zu bleiben, zum anderen soll dieses Buch allen die Kraft geben, nie aufzugeben oder die Hoffnung zu verlieren, egal, wie hart das Schicksal zuschlug.

Welche Hobbys, außer dem Sport, hast du noch? Oder anders gefragt, hat man bei so viel laufen überhaupt noch Zeit für andere Hobbys?

Hm, um ehrlich zu sein, drehen sich eigentlich alle meine Hobbies um den Sport, allerdings bin ich da schon sehr breit aufgestellt, sei es Fußball, Eishockey, Basketball, Bergsteigen und so weiter – nur lässt sich manches rein aus Altersgründen nicht mehr selbst aktiv ausüben. Das Haupthobby ist zweifellos bewegen und aktiv sein, damit decke ich alle meine Bedürfnisse locker ab.

1 Kommentar zu „Teil 110 (KW 33/2020): Helmut Linzbichler“

  1. Hallo
    HELMUT, GRATULIERE ZU den unglaublichen Leistungen. Wir kennen uns von einigen Läufen.
    Ich bin ca. 220 Marathons und Ultras gelaufen. Blöderweise hab ich seit 5 Jahren die Diagnose Morbus Parkinson. Und am 13. Okt. Vergangenes Jahr, hatte ich beim München Marathon einen Herzinfarkt.
    Wenn im moment noch nicht viel laufen, ich komme wieder. Dir noch herzliche Glückwünsche und weiterhin viel Spass.
    Übrigens, vor einigen Jahren in Zürich habe ich als Pacemaker, einen 80ig Jährigen debutanten erfolgreich bei begleitet.
    Lg
    Franz

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