Teil 81 (KW 02/2020): Hendrik Pfeiffer

Hendrik Pfeiffer ist aktuell einer der besten Marathonläufer in Deutschland. Bei seinem Marathondebüt 2016 in Düsseldorf, knackte der Athlet vom TV Wattenscheid mit einer Zeit von 02:13:11 Stunden auf Anhieb die Norm für die Olympischen Spiele in Rio. Starten konnte der 26-jährige Gelsenkirchner dort allerdings leider nicht. Alles darüber und wie es Hendrik bei seinem letzten Marathon in Köln erging erfahren wir im Helden-Interview #81.

Helden des Laufsports: Wie bist du zur Leichtathletik gekommen?

Hendrik: Über den Fußball. Ich war damals ein ganz passabler Fußballer, hatte aber vor allem im läuferischen Bereich meine Schwächen. Um diese auszugleichen, habe ich mich dann gleichzeitig beim lokalen Leichtathletikverein LAZ Rhede angemeldet. Nach ein paar Trainingswochen wusste ich, dass mir das viel mehr Spaß macht und mit 15 war ich dann nur noch Leichtathlet.

Hdl: Im Frühjahr 2016 feiertest du dein Marathondebüt. Mit 02:13:11 Stunden hast du ja gleich eingeschlagen wie eine Bombe. Welche Erinnerungen hast du an diesen Tag?

Hendrik: Es war ein unbeschreibliches Gefühl, da kaum einer mit diesem Erfolg gerechnet hat. Ich stand kurz davor mein größtes Karriereziel – die Olympiateilnahme – schon mit dem ersten Rennen zu erreichen. Ganz unbeschwert war die Freude aber auch damals nicht, denn schon zu diesem Zeitpunkt hatte ich mit meinen Fersenschmerzen zu kämpfen.

Hdl: Danach begann eine bittere Zeit für dich. Bei der EM in Amsterdam, wo du über die Halbmarathon-Distanz am Start warst, musstest du wegen deinen Fersenbeschwerden aufgeben. Kurze Zeit später fand auch Olympia ohne dich statt. Was war genau los?

Hendrik: Die Schmerzen an der Ferse wurde immer schlimmer und haben mich schon in den Monaten vor Düsseldorf belgeitet. Spätestens in Amsterdam war klar, dass ich Olympia absagen werde. Denn es war abzusehen, dass ich dort keine angemessene Leistung bringen kann und da wir einen weiteren Normerfüller hatten, war es keine Option für mich, dort gesundheitlich angeschlagen hinzureisen. Schade, denn so konnte ich schon meinen ersten Start für die A-Nationalmannschaft in Amsterdam überhaupt nicht genießen.

Hdl: Wie hart war für dich die Entscheidung, in Rio nicht an den Start zu gehen?

Hendrik: Eine der bittersten meines Lebens, aber es gab für mich keine echte Alternative. Olympia habe ich dann vom Krankenbett in der Reha verfolgt.

Hdl: Wie ging es dann weiter?

Hendrik: Da ich mein ganzes Leben auf Olympia ausgerichtet hatte und mir entsprechende Freiräume geschaffen habe, drohte die Gefahr, in ein mentales Loch zu fallen. Ich habe schon früh versucht, mir sinnvolle Beschäftigungen und etwas Ablenkung zu suchen. Deshalb habe ich eine Tätigkeit als Werkstudent bei Klöckner, einem Stahlhändler aus Duisburg, begonnen. Dort arbeite ich heute noch. Außerdem hat mich die Heim-EM in Berlin 2018 motiviert. Nicht vielen Sportlern ist es vergönnt, einen internationalen Höhepunkt im eigenen Land zu erleben und diese EM hatte für mich einen ähnlichen Stellenwert wie Olympia. Nach der langen Reha-Phase habe ich mich dann mehr als ein halbes Jahr lang auf den Köln Marathon 2017 vorbereitet, denn dort wollte ich die EM-Norm knacken und ein erfolgreiches Comeback feiern. Das ist mir auch gelungen und ich konnte diesen Marathon sogar gewinnen. Dass ich dann trotz erfüllter Quali, mit derselben Verletzung auch auf die EM verzichten musste, war nach dem Olympia-Aus der schlimmste Schlag meines Lebens und es fühlte sich einfach nur unfair an.

Hdl: Im Oktober 2019 bist du den Köln Marathon gelaufen. Erneut ging es um das Olympia-Ticket – diesmal für Tokio 2020. Wie verlief das Rennen aus deiner Sicht?

Hendrik: Nach einer weiteren Operation und einer erneuten langen Rehaphase, schaute es ganz gut aus, dass ich die Fersenprobleme endlich überstanden hatte. Ich habe mich besser vorbereitet als je zuvor und sogar zwei neue Halbmarathonbestzeiten aufgestellt. Dementsprechend rechnete ich mir echte Chancen auf die nochmal verschärfte Olympianorm aus. Im Rennen lief dann leider vieles gegen mich, was ich nicht beeinflussen konnte. Mehrere Flaschen waren an den Stationen verschwunden und alle drei afrikanischen Tempomacher gingen viel zu früh raus. Alleine im Wind, hatte ich leider keine Chance mehr auf die Norm. Immerhin konnte ich das Rennen gewinnen, aber die Zeit von 02:15 Stunden ist leider völlig wertlos.

Hdl: Gibt es einen erneuten Angriff auf die Olympia-Norm?

Hendrik: Ja, im Frühjahr gibt es noch eine weitere Chance. Wo genau, werde ich in Ruhe entscheiden.

Hdl: Welche Erfolge konntest du vor deinem Umstieg auf die Marathonstrecke feiern?

Hendrik: Ich war recht erfolgreich im Crosslauf und habe an vier Cross-Europameisterschaften in den Nachwuchsklassen teilgenommen. Über 10.000 Meter wurde ich Deutscher Juniorenmeister und 12. bei der U23-EM. Hinzu kamen noch einige Medaillen bei Deutschen Nachwuchsmeisterschaften. Am meisten liegen mir aber definitiv die langen Strecken auf der Straße. Je kürzer die Strecke, desto schwieriger wird es für mich.

Hdl: Wie sieht dein Trainingsalltag als Profiläufer aus?

Hendrik: Er erfordert viel Disziplin, da das Marathontraining besonders zeitaufwendig ist. In der Regel trainiere ich zwei Mal täglich und widme der Regeneration mit Physio, Stretching und Unterwassermassage viel Zeit, um erneute Verletzungen zu vermeiden. Leider bin ich kein Vollprofi und gehe einmal in der Woche einen vollen Tag arbeiten. Hinzu kommen viele freiberufliche Tätigkeiten, die zwischen den Trainings oder abends am Schreibtisch erledige. Bei Verletzungen gebe ich zudem in der Uni richtig Gas. In einer Marathonvorbereitung bleibt leider nicht viel Zeit für andere Dinge.

Hdl: Was vermutlich nicht alle wissen ist, dass du auch Weltrekordhalter bist. Was war da los beim „Vivawest-Marathon“?

Hendrik: Ich bin dort einen Halbmarathon im Anzug gelaufen und habe einen offiziellen Guiness-Weltrekord aufgestellt. Das Rennen habe ich sogar als Gesamtsieger abgeschlossen. Dahinter steckte mehr als nur ein Gag: Ich wollte darauf aufmerksam machen, dass es Möglichkeiten gibt, die berufliche Karriere mit der sportlichen zu vereinen, wie ich es bei Klöckner mache. Die Akion sollte auch andere Unternehmen darauf aufmerksam machen, dass es Ideen gibt, die über ein normales Sponsoring hinausgehen. In meinem Fall nutze ich dem Unternehmen durch meine Arbeit als Werkstudent und repräsentiere es durch meine sportliche Bekanntheit in der Öffentlichkeit – auf der anderen Seite erhalte ich eine finanzielle Sicherheit und wertvolle Berufseinblicke, die andere Spitzensportler frühestens nach der Sportkarriere erhalten können. Hier steckt meiner Meinung nach viel Potenzial – vor allem in einem Land wie Deutschland mit starken Wirtschaftsunternehmen. Wenn diese Aktion dazu beitragen kann, dass neue Sportförderoptionen neben der Polizei und der Bundeswehr entstehen, wäre das toll.

Hdl: Jetzt wissen wir viel über den Profisportler Hendrik Pfeiffer, aber was machst du, wenn du nicht gerade läufst?

Hendrik: In den Phasen nach Marathons habe ich tatsächlich mal einige Wochen lang die Chance, Dinge zu tun, die sonst nicht gehen. Dann gehe ich gerne auch mal feiern, gehe mit meinen Freunden Essen und spiele bei mir zu Hause einige Dartturniere.

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