Im mentalen Loch den Sinn wieder finden

Von: Christian Feuchtner (43) aus Schleißheim. Triathlet und Blogger.

Wer kennt das: sportlich läuft alles fantastisch, die persönlichen Rekorde purzeln und wir fühlen uns bestätigt in unserem Engagement. Das oft jahrelange Training macht sich endlich bezahlt. Wir sind dort angelangt, das einst unerreichbar erschien. Ob es nun irgendwelche Zielzeiten sind, Distanzen die man schon immer mal bewältigen wollte oder um schlichtweg Fitness zu erlangen, die mit einer Gewichtsabnahme verbunden war. Viele Trainingseinheiten waren dafür notwendig. Wir mühten uns für unsere persönlichen Ziele ab und außer ein paar kleinen Wehwehchen blieben uns größere Verletzungspausen oder Leistungseinbrüche erspart. Doch was passiert, wenn wir aus unserem gewohnten Trainingsalltag ungewollt heraus gerissen werden?

Den Sinn finden

Als sportaffine Menschen suchen wir stetig nach neuen Herausforderungen. Herausforderungen, die wie Wegweiser, uns einem Ziel näher bringen. Wie wichtig Ziele in unserem Leben sind, ist auch mit der Sinnfrage gut erklärt. Sobald wir nämlich einen Sinn erkennen, indem was wir tun, haben wir Perspektiven und unser Leben wird dadurch lebenswerter. Wenn wir aus dieser Wohlsonne heraus gerissen werden, dann stehen wir oft orientierungslos vor einem Trümmerhaufen und werden von negativen Gedanken regelrecht überhäuft. Dieser Pessimismus kann von Mensch zu Mensch variieren, manchmal aber, haben uns diese Gedanken jedoch fest im Griff und wir neigen dazu uns in einer Leere der Perspektivlosigkeit zu verlieren – sprich: wir fallen in ein mentales Loch.

Nachdem ich selbst in so eine Situation gekommen bin – die mit einer langjährigen Verletzungspause verbunden war – möchte ich speziell den leistungsorientierten Sportler ansprechen. Während, meiner Meinung nach, Menschen, die aus Lust und Laune trainieren schneller Alternativen finden, verkraftet ein leistungsorientierter Sportler eine Zwangspause von Beginn an nicht so schnell. Ein möglicher Grund sitzt im Fokus auf nur einer Sportart, die aus der vollen Leidenschaft heraus bis zum Zeitpunkt einer Verletzung oder Krankheit betrieben wurde. In diesem Moment will man es sozusagen noch nicht wahr haben, etwas aufgeben zu müssen, was man mit Herz und Seele verkörpert. In diesen Augenblicken geht auch der Weitblick für alternative Sportarten verloren.

Selbstaufgabe ist keine Option

Dann passiert es, dass bei manchen Sportlern Zweifel aufkommen und die Gefahr einer Depression besteht. Wenn plötzlich die Sportart nicht mehr möglich ist, für die unser Herz brennt, bricht eine Welt zusammen und die dauerhaft begleitende Frage nach dem „Warum muss gerade mir das passieren?“ bleibt unbeantwortet. Und gerade diese Frage nach dem „Warum?“ ist zwar für die Ursachenforschung von Bedeutung, allerdings darf die Frage nicht im Vordergrund stehen und uns Tag und Nacht beschäftigen. Denn dann vertiefen wir uns zu sehr darin und verlieren den Zugang etwas anderes aus der jeweiligen Situation zu machen. Denn das Leben hat viel mehr zu bieten, als nur in Kummer oder Traurigkeit auf Grund einer Verletzung oder der gesundheitlichen Einschränkungen zu verweilen.

Blicke der Gegenwart ins Auge und schaue nach vorne

„Nach vorne schauen“ ist sicherlich leicht gesagt und jeder der selbst in dieser Situation war, wird mir eventuell beipflichten können. Wichtig in der vermeintlich aussichtslosen Situation ist, dass man immer bei sich bleibt. Was meine ich damit? Nicht jeder kann sich in jemanden einfühlen, weil die Situation in der wir uns befinden für viele noch nicht dagewesen ist. Wie oft hörte ich: „das wird schon wieder“, aber ich wusste, es wird nicht mehr so wie früher. Was konnte ich der gut gemeinten Floskel entnehmen? Nun, zum einen, will mein Gegenüber mir Trost spenden. Zum anderen bezieht es sich nicht unbedingt auf die Verletzung- auch wenn es so gemeint war. Das „wird schon wieder“ sollen wir uns viel mehr mental beherzigen. „Alles wird gut, es wird schon wieder,… du kommst mental wieder auf die Beine…!“ Die Verletzung, ob groß oder klein, wird dadurch nicht besser. Besser wird jedoch der Umgang damit, wenn ich es so annehme wie es ist. Wir brauchen in dieser Phase Perspektiven, einerseits sportliche und andererseits in der Rehabilitation. Denken wir zu sehr an die Vergangenheit oder immer nur daran, den Sport für den wir leben nicht mehr auszuführen zu können, dann bremsen wir uns selber aus.

Hoffnung leben lassen und Alternativen finden

Wenn du als Läufer auf Grund irgendwelchen körperlichen Problemen nicht mehr laufen kannst, dann hast du dennoch vieles erreicht, z.B. dass du deine Kondition im Laufe der Zeit erheblich verbessert hast. Diese Kondition kannst du auch weiterhin verbessern oder erhalten, indem du Alternativen findest. Bei mir waren es vor allem Mountainbiken, Rad fahren, Schwimmen, Aquajogging und im Winter Langlaufen.

Es ist eben wichtig, dass wir, wie bei einem Trainingsplan, konsequent unsere Ziele verfolgen. Ziele können sich verändern, weil sich die Gegebenheiten ändern. Dann heißt es anpassen und nicht aus den Augen verlieren. Diese Eigenschaft besitzen wir als Sportler, die uns keiner nehmen kann. Haltet fest an dieser Eigenschaft auch dann, wenn es einmal nicht so gut läuft. Glaubt schlichtweg immer an euch und gebt euch niemals auf.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.