Iten – „The Home of Champions“

18.06.2019: Autor: Cornelia Stöckl-Moser (25) aus Saalfelden.

Kälte, Schnee, Eis und Stuuurz – fast, Glück gehabt!… der Winter hat mich wieder! Da sehne ich mich doch zurück ins sommerliche Kenia. Täglich Sonne, um die 25 °C und kein Regen, klimatisch also die perfekten Bedingungen zum Trainieren. Aber sturzfrei sind wir auch in Kenia nicht über die Runden gekommen.

Nach gut 24 Stunden reisen sind wir am 23. Dezember um rund 9.00 Uhr in Iten, einem Ort auf ca.2400 m Seehöhe, angekommen. Der Ausblick unserer Hotelanlage lässt alle Reisestrapazen sofort in Luft auflösen. Vom Kerio View Hotel hat man einen wundervollen Blick ins tiefer gelegene Kerio View Valley, kann beim Frühstücken Paragleiter beobachten und wird von allen sofort herzlich empfangen. Nach einer kleinen Stärkung bezogen wir unser kleines aber sauberes Zimmer. Es ist Warmwasser verfügbar, wenn es auch an manchen Tagen nur aus dem Duschkopf tröpfelt und das Haarewaschen zur echten Herausforderung wird. Das Zimmer kostet € 50,00 pro Person und Nacht. Es inkludiert Frühstück, Mittag und Abendessen, weiters stehen Kaffee, Tee und Kakao zu jeder Tageszeit frei im Restaurant zur Verfügung. Die Mahlzeiten werden bei ausreichender Auslastung des Hotels (70 Leute können hier untergebracht werden) in Buffetform angeboten. Zum Frühstück gibt es Obst, Brot, Kuchen, Pancakes, Cornflakes, diverse Eierspeisen und ab und zu auch Würstchen und baked beans. Mittags und abends werden Suppe, Salat, zwei verschiedene Hauptspeisen mit unterschiedlichen Beilagen sowie ein Dessert angeboten. Sollte jemanden das nicht genug sein oder bei geringer Auslastung des Hotels, kann von der Karte das Menü selbst zusammengestellt werden. Es gibt alles was das Herz begehrt: Suppen, Salate, Fisch, Fleisch, vegetarische Gerichte, Pizza, Nudeln, Toast, leckere Dessert bis hin zu Eis und Milchshakes. Über das Essen kann man sich also nicht beschweren. Das Personal ist freundlich und man bekommt auch fast alles was man will, die Frage ist nur wann. Das Wort Stress kennt man hier offenbar nicht. So ist es keine Seltenheit, dass das Buffet erst eine Stunde später als geplant fertig ist oder man auf einen Tee 20 Minuten wartet.

Aber wir waren ja nicht zum Essen in Kenia, sondern eigentlich zum Trainieren. Wir haben vier Wochen Höhentraining in Iten, „The Home of Champions“, verbracht. Der Ort trägt seinen Namen zu Recht den hier leben bekannte LäuferInnen und zahlreiche TopathletInnen absolvieren ihre Höhentrainings hier. Auch wenn klimatisch die perfekten Bedingungen zum Laufen herrschen und man dem Winter entflieht, einfach ist es hier auf keinen Fall. Vor allem die ersten Tage brachten mich zum Verzweifeln. Es stand zwar nur lockeres Training zur Anpassung an die Höhe am Programm, aber „locker“ ist hier relativ. Selbst ein langsamer 10 km Regenerationslauf ist pure Anstrengung. Es geht auf und ab, auf uneben, staubigen, roten Straßen und vermutlich trägt auch die Höhe seinen Teil dazu bei, dass ich Mühe habe ein angemessenes Tempo zu halten und nach rund 10 km war in den ersten Tagen ohnehin der Garaus. Selbst die schöne Landschaft kann man beim Laufen kaum genießen, denn man sollte sich auf den unebenen Untergrund konzentrieren, sonst liegt man schneller auf der Nase als man denkt. Auch ich durfte dies zweimal erfahren.

Aufgrund dieser Umstände absolvierten wir unser Tempotraining nahezu ausschließlich auf der Bahn oder der einzigen Asphaltstraße, die nach Eldoret führt. Auch unseren wöchentlichen Longrun machten wir auf dieser Straße. Man kann hier gut 30 km laufen. Es geht tendenziell bergab, lediglich ein paar Anstiege hat man zu überwinden. Da die Straße jedoch stark befahren ist sollte man entweder früh morgens starten oder seinen Longrun auf Sonntag verlegen. Zurück geht es mit einem Matatu (Kleinbus) um rund € 0,80. Natürlich kann man auch laufen, aber das ist nur etwas für Hartgesottene. Man hat einige Höhenmeter zu bewältigen und der ständige Ostwind bläst einem harsch um die Ohren.

Ansonsten verbrachte ich für meine Verhältnisse viele Kilometer auf der Bahn. In Iten gab es eine Aschebahn, die jedoch bis voraussichtlich 2030 umgebaut wird. Hier soll ein riesen Sportzentrum mit Tartanbahn entstehen. Es blieb uns somit nichts anderes, als auf die private Bahn des High Altitude Trainings Centers von Lohrna Kiplagat auszuweichen. Hier muss man aber doch etwas tiefer in die Tasche greifen, umgerechnet zahlt man rund € 17,00 pro Nutzung bzw. € 80,00 für ein Monat.

Die anfänglichen Zweifel stellten sich nach und nach ein. Das laufen wurde leichter und die Tempoeinheiten besser. Nach einem letzten Longrun am Samstag, mit schnellen Intervallen, konnten mein Freund Andi und ich dann mit gutem Gefühl und positiv gestimmt die Heimreise am Nachmittag antreten.

Tipps für alle, die eine Reise nach Kenia planen:

– Unbedingt eine Safari machen! Wir hatten einen Tagesausflug in den Nakuru Nationalpark gemacht und Giraffen, Zebras, Löwen, Nashörner und vieles in ihrer natürlichen Umgebung hautnah erlebt!

– Reiseapotheke und Sonnencreme einpacken! Man ist nahe am Äquator – der Sonnenbrand lässt nicht lange auf sich warten.

– Unbedingt mit einmal einem Matatu fahren. Platz hat man in dem Sammeltaxi immer, so ist es keine Seltenheit, dass in dem Achtsitzer fast 20 Leute sitzen.

– Im Kerio View Hotel erhält man um € 8,00 eine Ganzkörpermassage (1 Stunde). Es war die beste Massage die ich bislang hatte, wenn auch nicht immer schmerzfrei!

– Wenn man den Einheimischen (Laufkollegen, Kindern, etc.) eine Freude machen will, dann unbedingt alte (Lauf-)Schuhe und Bekleidung mitnehmen. Wir hatten je einen zweiten Koffer mit Kleidung dabei die wir in Schulen und an Laufkollegen verteilt haben.

– Aller Anfang ist schwer! Also nicht verzweifeln, auf seinen Körper hören und Spaß am Training behalten.

– … und auch wenn man schnell Laufpartner findet, am Besten nimmt man doch seinen eigenen mit. Danke an meinen Liebsten Andi, der mich täglich begleitet hat, mich motiviert hat und es auch mal ertragen musste, wenn aus einem Kätzchen ein Löwe wurde.

Lg Cornelia