Jan Kerkmann: “In Rodgau ging ein Traum in Erfüllung”

Geschafft!

Jan Kerkmann hat am Samstag, 25.01.2020, den 50-Kilometer-Lauf im Hessischen Rodgau für sich entscheiden können. Rund 1.000 Läufer/innen gingen dort an den Start. Der 28-jährige Athlet des TSVE 1890 Bielefeld erfüllte sich damit einen kleinen Traum und kam knapp unter drei Stunden ins Ziel. Wir haben mit dem Freiburger über seinen Triumph und seine nächsten Ziele gesprochen.

Helden des Laufsports: Gratulation zum Sieg! Was bedeutet dieser für dich?

Jan: Vielen herzlichen Dank! Der Sieg hat für mich eine immense Bedeutung, weil ich meine Vorjahrsplatzierung wiederholen konnte und weil ich den Ultramarathon in Rodgau wahrlich ins Herz geschlossen habe. Dass ich mit der Startnummer eins ins Rennen gehen durfte, habe ich als eine eminente Ehre aufgefasst. Entsprechend freut es mich, das Vertrauen der Veranstalter nicht enttäuscht zu haben. Zudem stellt es ein unvergleichlich befreiendes Gefühl dar, im Januar bereits das heimliche Hauptziel für die Saison 2020 erreicht zu haben. Nicht zuletzt ist es natürlich schön zu wissen, dass das Training der letzten Monate einen leistungsfördernden Effekt hatte und die präferierte Methode sich weiterhin beweisen darf.

Hdl: 02:59:05 Stunden für 50 Kilometer, das ist schon sehr beeindruckend. Bis auf Jan Kaschura, der rund zwei Minuten nach dir ins Ziel kam, hattest du eigentlich keine Konkurrenz. Schildere uns das Rennen aus deiner Sicht?

Jan: Aufgrund der großartigen Zusammenarbeit mit Jan Kaschura, der fabelhaften Anfeuerung durch die anderen Läuferinnen und Läufer, der ehrlichen Herzlichkeit der Veranstalter und der sympathischen Moderation darf ich den Rennverlauf als unvergesslich und perfekt bezeichnen. Nachdem ich letztes Jahr bereits über 40 Kilometer mit Frank Merrbach absolviert hatte, bildete die über nahezu acht Runden fortgeführte Kooperation mit Jan Kaschura in diesem Jahr den Schlüssel zu einer Zeit unter drei Stunden. Im Rennen selbst habe ich stets nur von Runde zu Runde gedacht und versucht, möglichst konstante Zeiten um 18 Minuten zu erreichen. Obwohl ich ansonsten ein eher defensiver, auf Absicherung möglicher Bestzeiten bedachter Läufertyp bin, situierte ich mich unwillkürlich in einer Dynamik, die mich antrieb, das Rennen mit einer gewissen Zugkraft zu bestreiten. Als motivierendes Mantra führte ich mir vor Augen: „Wenn du die nächste Runde noch gemeinsam mit Jan Kaschura gestalten kannst, darfst du nach dem Rennen resümieren, dass du immerhin 25/30/35/40 Kilometer mit einem Top-Marathonläufer (Bestzeit 02:28 Stunden) gelaufen bist“. Diese Denkweise war für mich vor allem deswegen entlastend, weil ich mich z. B. nach 25 Kilometern nicht direkt mit der immer noch gewaltigen Gesamtstreckenlänge und den ausstehenden 1,5 Stunden der Anstrengung konfrontiert sah. Ab dem jeweils vierten Kilometer des Kurses habe ich das Tempo leicht angezogen, um immer knapp unter der Drei-Stunden-Hochrechnungsschwelle zu bleiben. Selbst nach 45 Kilometern, als sich herauskristallisierte, dass eine Fünf-Kilometer-Zeit von 18:15 Minuten ausreichen würde, um die drei Stunden zu unterbieten, habe ich aber nicht obsessiv versucht, ein hasardeurartiges Verausgabungszeremoniell zu instanziieren. Stattdessen bin ich einfach in einer Geschwindigkeit weitergelaufen, die ich noch als tolerabel empfunden habe. Dass die letzte Runde mit 17:21 Minuten gestoppt wurde, hat mich ausgesprochen gewundert, es zeigt aber auch, dass sich in diesem Stadium jeglicher Druck von mir dissoziiert hatte.

Hdl: Wie lange und wie intensiv hast du dich auf Rodgau vorbereitet?

Jan: Nach dem Frankfurt-Marathon Ende Oktober habe ich zunächst eine zweiwöchige Regenerationsphase eingelegt. Ab Mitte November habe ich dann mit dem Grundlagentraining begonnen und jede Woche einen langen Lauf absolviert.

Hdl: Was gefällt dir am Ultralauf?

Jan: Am Ultralauf gefällt mir besonders die Vorbereitungsweise. Mittlerweile mag ich es sehr, die Umgebung in langen Läufen zu erkunden, die sich über eine Zeitspanne von mehr als drei Stunden erstrecken. Im Wettkampf selbst ist die Stimmungslage bereichernd und glücksstiftend, nach 35 oder 40 Kilometern unverhoffte Kraftreserven freisetzen zu können. Außerdem finde ich es verblüffend, dass nach ca. einer Stunde Renndauer stets der zweifelnde Gedanke aufkommt, ob und wie das bislang gewählte Tempo noch zwei weitere Stunden gehalten werden soll. Dass es schließlich doch gelingen kann, überrascht mich immer wieder. Des Weiteren lässt sich beim Ultralauf ein ungeahnter Lerneffekt feststellen. So habe ich den Eindruck, dass sich nach der Erfahrung mehrerer 50-Kilometer-Rennen eine Intuition entwickelt, wann das Tempo forciert werden darf und mit welchem Körpergefühl ein erfolgreiches Wettkampfresultat nach 25 oder 30 Kilometern verknüpft sein sollte. Neben der intensiven Beschäftigung mit den Grenzpfeilern der eigenen Leistungsfähigkeit, reizt mich also die Ausprägung der Fähigkeit, ein Rennen vollständig lesen zu können und dabei die eigenen Handlungsoptionen permanent zu hinterfragen.

Hdl: Welche Ziele hast du für die Saison 2020?

Jan: Ich würde gerne zwei Marathonrennen laufen und mich auf einem Niveau deutlich unter 02:30 Stunden stabilisieren.

Info: Ein Interview mit der Siegerin findet ihr hier.

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