Julian Kreutzer: „In Dänemark hat ein Mann vor mir masturbiert“

Julian Kreutzer, ein Typ der gegen den Strom schwimmt, machte sich im Juni alleine mit seinem Bus auf in ein wildes Abenteuer. Der Andorfer Läufer, der über 10.000 m eine Bestzeit von 32:10 Minuten vorzuweisen hat, möchte sich als Selbstversorger und Hobby-Wikinger quer durch Europa, aber auch darüber hinaus, durchkämpfen. Ziel und Dauer der Reise ist unbekannt. Im Interview spricht der gelernte Bäcker über seine Beweggründe und zieht eine erste Bilanz. Vorsicht Spoiler: Es wird kurios!

Kreutzer lernt viele neue Menschen kennen.

Helden des Laufsports: Wie bist du auf die Idee gekommen, diese Reise zu machen?

Ganz ehrlich? Ich wollte einfach weg! Zum einen war da Corona. Ich war bei einem Lauf, wir sind danach zusammengesessen und haben Abstand gehalten. Später wurden wir allerdings von der Polizei angezeigt. Mich hat das alles schon so genervt, ich wollte einfach abschalten. Zum anderen möchte ich den Menschen dadurch zeigen, dass man nicht lange überlegen soll, sondern einfach seiner Abenteuerlust freien Lauf lassen soll. So habe ich mich in meinen Bus gesetzt und bin los gefahren.

… und schöne Landschaften.

Was hast du alles von zu Hause mitgenommen?

Nicht viel. Ein paar Kleidungsstücke und mein Rad.

Was haben deine Eltern dazu gesagt und wie finanzierst du das Ganze?

Die waren nicht wirklich begeistert, aber wie schon erwähnt, man soll das machen was einem selbst gut tut. So teuer wird das alles gar nicht. Bis auf den Benzin, möchte ich mich so durchkämpfen und so wenig Geld wie möglich brauchen.

Wie können wir uns das vorstellen?

Was ich zum Essen brauche, gibt mir die Natur. Ich fange Fische, esse Pilze und so weiter. Wenn ich duschen möchte, gibt es immer irgendwo Wasser. Ist es mal kalt, wird es einfach am Lagerfeuer erwärmt. In Schweden, wo ich mich aktuell befinde, möchte ich länger bleiben, mir eine Hütte bauen und leben wie ein Wikinger. Deswegen mache ich mich die Tage auf dem Weg in den Norden.

“Ich fange Fische und esse Pilze. Die Natur gibt mir alles was ich brauche”

Julian Kreutzer will leben wie ein Wikinger.

Würdest du dich als Aussteiger bezeichnen?

Ja.

In welchen Ländern bist du bereits gewesen, was ist das Ziel deiner Reise?

In Deutschland, Belgien, Holland und Dänemark war ich bereits. Aktuell bin ich in Schweden. Da bleibe ich vorerst einmal, später möchte ich bis nach Asien. Wie lange ich insgesamt unterwegs sein werde, weiß ich noch nicht. Zwei bis drei Jahre aber schon. In jedem Land möchte ich einen Halbmarathon laufen.

Für jeden Blödsinn bereit: Julian Kreutzer aus Andorf.

Stell uns deinen Bus, mit dem du diesen Trip machst, etwas genauer vor.

Es ist ein Mercedes-Benz Baujahr 1984 ohne Servolenkung. Der Wagen ist also um 12 Jahre älter als ich. Maximale Geschwindigkeit: 80 km/h – USB-Anschluss wird überbewertet. Mein Schatz hat 234.000 Kilometer am Buckel, läuft mit Diesel und verbraucht nur zehn bis elf Liter – ein Traum. Ein kleiner Gasherd-Kühlschrank ist integriert, der läuft wenn man ihn heizt! Echt schräg das Ding. Eine Solaranlage mit 260 Watt und einen Kanister am Dach, mit ungefähr 100 Liter Wasser für die Dusche draußen, hat der Bus auch.

Tipp: Kauft euch einen alten Camper! Das Feeling ist unglaublich. Wenn ein alter Camper entgegen kommt, drehen alle durch. Hupen ist ein Muss.

Über deinen Youtube-Channel dokumentierst du deine Erlebnisse. Was waren deine bisherigen Highlights?

Ich habe viele nette Menschen kennengelernt. Vor allem die Dänen und die Schweden sind besonders freundlich und sehr zufrieden, ohne großen Luxus zu haben beziehungsweise zu brauchen. An dieser Stelle möchte ich mich noch bei Patrick Großpötzl bedanken, der mir die Videos perfekt zusammenschneidet.

Komm schon! Etwas schräger geht es nicht? Ich habe deine Videos gesehen …

Ja, ok. In Holland war ich laufen, als ich zurückkam, lag ein Mann in meinem Bett und sagte fragend: Sex? Ich habe laut geschrien und er lief weg. In Belgien, da war ich spazieren, plötzlich stand ein Mann vor mir, sah mich an und masturbierte dabei. Ich habe versucht ihn zu ignorieren und suchte die nächste Toilette auf. Da haute er ab! Als ich zum Bus zurückkam und einstieg, sah ich plötzlich zwei Männer vor dem Bus – der ominöse Typ hatte Verstärkung mit. Die beiden umzingelten meinen Camper, einer stand direkt davor, sodass es mir nicht möglich war, wegzufahren. Sie starrten mich an, es war dunkel und keine anderen Menschen in der Nähe! Ich hatte gewaltige Angst. Gott sei Dank kam später ein Auto und die Typen verschwanden. Weiters habe ich in Dänemark zwei Mädels kennengelernt, die waren zu Beginn eigentlich ganz nett, dann haben sie mich allerdings angebellt! Du lest richtig! Angebellt!

“In Dänemark haben mich zwei Mädels angebellt”

Julian Kreutzer über seine kuriosen Erlebnisse.

Kommen wir zum Sportlichen. Wie läuft das Training?

Ganz gut. Ich wollte schon den Stockholm Halbmarathon laufen, aber leider war dieser ausverkauft. Meine Form ist sehr gut, ich hoffe, bald den passenden Wettkampf zu finden.

Mercedes-Benz Baujahr 1984

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