Teil 74 (KW 46/2019): Julian Kreutzer


Julian Kreutzer aus Andorf läuft die 10.000 Meter in 32:10 Minuten und ist Stammgast auf dem „Stockerl“. Der 23-jährige Behindertenbegleiter von der „IGLA Long Life“, erzählt uns im Helden-Interview #74 von seinem Training und davon, dass er giftige Pilze isst. 😉

Helden des Laufsports: Hallo Julian! Wann hast du mit dem Laufen begonnen und was war deine Motivation?

Julian: Soweit kann ich gar nicht mehr zurückdenken, aber ich glaube zu wissen, dass ich mit ca. 14 Jahren damit angefangen habe. Meine Motivation waren meine beiden Onkel, die immer schon sehr sportlich waren. Aber auch meine Eltern und Geschwister hatten großen sportlichen Einfluss auf mich. Ohne sie würde ich heute wahrscheinlich nicht so aktiv sein.

Hdl: Du läufst Wettkämpfe von 800 Meter bis 10.000 Meter. Gibt es Bestzeiten auf welche du besonders stolz bist?

Julian: Ich finde meine 1.000er Zeit (02:28 Minuten) kann sich sehen lassen. An den anderen Zeiten muss noch etwas gearbeitet werden, aber es wird.

Hdl: Bei Landes- oder Staatsmeisterschaften findet man dich meistens ganz vorne. Wie sieht hier deine Bilanz aus?

Julian: Es ist gar nicht so leicht bei Landesmeisterschaften auf das Stockerl zu laufen – da wir in Oberösterreich, wie ich finde, ein sehr gutes Niveau haben. Aber es stimmt, gelegentlich gelingt mir der Sprung auf das „Stockerl“. Bei Staatsmeisterschaften mit den Profis zu laufen, auch wenn sie mich dann stehen lassen, ist natürlich immer wieder ein cooles Gefühl. Allerdings bin ich mir sicher, dass sich mit meinem neuen Coach einiges tun wird 😉

Hdl: International durftest du Österreich auch schon vertreten, erzähl uns davon!

Julian: Es war ein irre tolles Gefühl in Wales (Berglauf-WM), Sardinien (Crosslauf-EM) und zuletzt bei der Crosslauf-EM in Tillburg dabei sein zu dürfen. Aber ich muss sagen, ich habe mir vor dem Start immer in die „Hosen“ gemacht, darum waren auch die bisherigen Leistungen nicht so prickelnd. Mit dem “Candycheck Andy” (Anm. Andreas Vojta) im Zimmer zu liegen, hat natürlich auch was. Von den Abschlussfeiern möchte ich jetzt gar nicht zu viel erzählen, die sind dort einfach genial – und ja, sehr, sehr hübsche Frauen sieht man auch beim Laufen. Ich werde auf jeden Fall alles geben, um diesen Moment wieder erleben zu dürfen. Wenn dann auch noch die Nervosität vor dem Start wegfällt, dann klappt es sicher auch mit einem besseren Ergebnis.

Hdl: Wie sieht eine normale Trainingswoche bei dir aus?

Julian: Normal gibt es nicht mehr. Ich habe im Jänner mit Braco Muric einen wunderbaren Menschen kennen gelernt. Ich kann es gar nicht beschreiben wie unglaublich glücklich mich das macht! Es macht so viel Spaß und er hat mir endlich die Augen geöffnet und mir gezeigt, was es heißt ans Limit zu gehen. Es geht nicht nur mehr um Leistung, sondern auch um Persönlichkeitsentwicklung. Zurzeit gehe ich fünf Mal pro Woche laufen und fühle mich richtig gut dabei. Ich habe von ihm gelernt, wieder auf den Körper zu hören, die Gedanken abzuschalten und nicht zuzulassen, dass der Verstand das Leben bestimmt. Ich bin mir sicher, das ist das richtige Erfolgsrezept. „Tera Zen“ ist zurzeit mein Hauptteil des Trainings, jeden Donnerstag kommt auch eine „Tera Zen“ Gruppe zusammen und da fühle ich mich so richtig wohl.

Hdl: Was ist „Tera Zen“?

Julian: Thera Zen bedeutet einfach nichts – und das ist das Schöne daran. Man kann es gar nicht beschreiben, es hat keine Bedeutung.

Hdl: Du lebst in Andorf. Wie sind dort deine Trainingsbedingungen?

Julian: Perfekt! Es gibt steile Hügel, Schotter, Wiesen, Wald und die Unterstützung meiner Familie und Freunde.

Hdl: In naher Zukunft verschlägt es dich wegen dem Laufsport eventuell nach Amerika. Ist da was dran?

Julian: Es ist noch nicht zu 100% fix, da eventuell das Zeugnis nicht angenommen wird, aber ich halte euch auf dem Laufenden. Wenn es nichts werden sollte, fällt mir sicher ein anderer Blödsinn ein.

Hdl: Was würde dich in Amerika erwarten?

Julian: Es wäre ein Wahnsinn! Alleine die dortigen Trainingsgruppen, die ich leider in Andorf nicht habe, würden mich sicher um einiges weiterbringen. Aber auch die Trainingsmethoden dort sind etwas anders als bei uns, da könnte ich mir sicher viel mitnehmen. Generell, wäre ich sehr neugierig wie die Leute dort so ticken, das ist von Land zu Land unterschiedlich und sehr spannend. Ein weiterer positiverer Effekt wäre, dass ich neue Leute kennenlernen würde.

Hdl: Hast du dich in deiner Laufbahn schon einmal mit schweren Verletzungen plagen müssen und wie beugst du dagegen vor?

Julian: Wenn ich Braco nicht kennen gelernt hätte, dann hätte ich auf jeden Fall mehr Verletzungen! Jetzt bin ich regelmäßig zur Untersuchung bei ihm und das hält mich verletzungsfrei. Wenn Anzeichen da sind, wird eben ein Monat Pause gemacht.

Hdl: Welche sportlichen Ziele hast du für die Zukunft?

Julian: Ich habe gelernt, mir über die Vergangenheit oder Zukunft keine Gedanken zu machen. Ich kann nur so viel sagen: Es wird bald bergauf gehen.

Hdl: Wenn du in deiner Freizeit nicht gerade läufst, was machst du dann?

Julian: Ein Arbeitskollege (Gerald Kaufmann) ist zum Glück auch sehr verrückt und mit dem kann man alles machen. Vom Schatzsuchen, bis hin zum Verstecken im Wald, oder sich mit Tannenzapfen bewerfen, ist alles dabei. Genauso wie Schwammerl pflücken, sowie auch giftige Schwammerl essen, und mit dem Boot im Fluss fahren – uns fällt immer etwas ein.

Hdl: Danke für das Gespräch und viel Erfolg für deine sportliche Zukunft.

Julian: Danke sehr, sehr nett 😉