Karin Augustin: Mit Freude beim Laufen

Österreichs derzeit beste Ultraläuferin, Karin Augustin vom Running Team Lannach, gibt Einblicke in ihr Leben als Ultraläuferin, ihre Ziele und wie es “passieren” kann, einen Marathon Sub-3 zu laufen.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist 2410_0x0-1024x683.jpg
Foto: ©ÖLV

ÖLV: Karin, du bist vergangenes Wochenende bei den Österreichischen Staatsmeisterschaften im Wiener Prater mit 2:52:32h persönliche Bestleistung im Marathon gelaufen. Auf das Podest haben nur knapp sechs Minuten gefehlt. Salopp gefragt: Was ist möglich, wenn du ausgeruht zu einem Marathon kommen würdest?

Karin Augustin: Dass mir der Lauf so aufgeht, war überhaupt nicht geplant. Ich befinde mich derzeit mitten in der Vorbereitung auf die Saison 2021 und bin eigentlich nur am Kilometer-sammeln, kein Tempotraining, ausschließlich Umfänge. Zwölf Tage vor dem Marathon kam die Nachricht, dass der ÖLV mit dem VCM die Meisterschaften umsetzen kann. Ich verspürte null Druck, lief in der Woche vor dem Event weiter mein Programm und hatte seit Montag bereits 130km in den Beinen. Seitdem der ÖLV mit dem Kilometerfresser-Cup auf www.oelvrunning.at startete, bin ich zusätzlich motiviert. Virtuelle Läufe waren bis jetzt nicht so meines, aber dieses Format ist genial, es macht wirklich Spaß, es ist genau das Richtige für mich.

Das wäre bereits meine nächste Frage gewesen. Mit Freude haben auch wir festgestellt, dass du mit Start des Online-Bewerbs sofort die Führung übernommen hast und seitdem unaufhaltsam deine Kilometer auf unserer Plattform abspulst. Nach etwas mehr als zwei Wochen stehst du bei 362,48km und würdest auch in der Männerwertung führen. Wie ist das möglich?

Mein Leben besteht zwar sicher nicht nur aus Laufen, aber es nimmt einen großen Teil davon ein. Das Auto lasse ich am Weg in die Firma stehen und laufe täglich hin und retour, bei jedem Wetter. Dadurch kann ich meinen Vollzeit-Job und auch die Familie unter einen Hut bringen. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln würde ich sogar 15 Minuten länger brauchen. Natürlich bin auch ich manchmal nach der Arbeit müde und könnte mich einfach in die Öffis setzen. Der Reiz des Kilometerfresser-Cups ist dann aber doch zu groß. Das Format passt auch super zur Jahreszeit, in welcher ich immer zwischen 150 und 200km pro Woche zur Vorbereitung auf 2021 laufe.

Also wäre das jetzige Pensum Im Vergleich mit dem Training auf einen Saisonhöhepunkt nahezu vergleichbar?

Ja, definitiv. Auf meinem Strava-Profil sammle ich alle Daten. Mittlerweile kamen so rund 7000 Laufkilometer in diesem Jahr zusammen – mit den rund 4000km am Stadtrad eine ganze Menge. Das Auto verlässt die Garage wirklich nur am Wochenende. 🙂

Zum Vergleich. Bei den 24h-Meisterschaften 2016 in Irdning bist du 187,00km gelaufen. Heuer hast du einen neuen Österreichischen Rekord in Bad Blumau mit 218,81km aufgestellt. Wie hast du dich darauf vorbereitet?

Ich laufe extrem gerne gemütliche Kilometer, je mehr desto lieber. Intervalle liegen mir eher nicht so, auch das Marathon-Tempo vom letzten Sonntag laufe ich eher selten. Laufen ist für mich mehr als nur Laufen – es entspannt ungemein und ich fühle mich nach extensiven Einheiten frischer als vorher.

Welche Rolle spielt die mentale Komponente?

Diese ist sicher meine große Stärke. Als ausgebildete Sportpsychologin mit dem Zusatz des Mentaltrainings für Leistungssportler kann ich sehr viele Ansätze daraus in die Praxis übernehmen, auch wenn ich das Wissen nur bei mir selbst anwende.

Seit Juli bist du 24h-Rekordhalterin, Wenn du auf diese Saison zurückblickst, wie verlief sie aus deiner Sicht?

Überraschend. Ich hatte definitiv andere Ziele. Neben den Ultraläufen, die ich seit 2011 verfolge, war mein Traum immer schon, einen Marathon unter 3h zu laufen. Heuer sollte dies endlich in Wien im Rahmen des Vienna City Marathons passieren. Die Absage verlagerte mein Ziel nach Salzburg – auch dieser Lauf wurde gecancelt. Ich änderte die Taktik und fasste die Verteidigung meines Titels über 100km ins Auge. Diese Meisterschaft fiel ebenfalls Corona zum Opfer. Was blieb: Die 24h Meisterschaften in der Steiermark.

Konntest du dich da überhaupt noch gut vorbereiten darauf?

Zum Glück ja. Der Lockdown ermöglichte viel Trainingszeit. Der Rekord passierte einfach, es lief im wahrsten Sinn des Wortes sehr gut. Anschließend meldete ich mich spontan zum Halbmarathon in Salzburg an. Die 1:23:58h waren ebenfalls persönliche Bestleistung und passierten einfach – wie so viel in dieser Saison.

Wenn so viel “einfach passierte” in dieser Saison. Was wäre aus deiner Sicht im Marathon möglich bei optimaler Vorbereitung.

Ich bin mir sicher, dass eine noch bessere Zeit möglich ist. Mit optimaler Vorbereitung traue ich mir eine Steigerung auf unter 2:50h zu.

Hast du deine Ziele für 2021 bereits definiert?

Ja. den 24h Rekord möchte ich angreifen – ob bei der WM in Rumänien oder wieder in Bad Blumau, diese Events motivieren mich bereits jetzt, möglichst viele Kilometer zu sammeln.

Abschließend zu unserem Gespräch. Wenn du auf deinen größten sportlichen Träume blickst, wie sieht dieser aus?

Laufen bis ins hohe Alter und den Spaß daran beibehalten. Die Freude am Laufen nicht zu verlieren. Ich bewundere Menschen, die mit 70, 80 Jahren noch immer fit genug sind, zu laufen. Das ist sicher einer meiner größten Träume.

Das Interview führte Bernhard Rauch vom ÖLV.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.