Karriereende mit 18: Für Anna Baumgartner wurde der Druck zu groß!

Anna Baumgartner galt als DAS österreichische Lauftalent überhaupt. Sieben österreichische Jugendrekorde konnte die heute 19-Jährige erlaufen. 2019 beendete Baumgartner allerdings ihre Karriere. Warum die Marchtrenkerin diesen Schritt, auf den sie sehr stolz ist, gegangen ist, erzählt sie uns im Interview.

Anna Baumgartner (rechts) – Foto: ©ÖOC/GEPA Pictures

Helden des Laufsports: In welchem Alter hattest du erstmals Kontakt mit dem Laufsport und wann hast du deinen ersten Sieg feiern können?

Anna Baumgartner: Erstmals in Kontakt mit dem Laufsport kam ich schon in der Volksschule durch verschiedene Kinderlaufveranstaltungen, die meist in Marchtrenk stattfanden. Meine Sportlehrerin hat damals schon fleißig mit uns trainiert. Mir hat das Laufen immer schon Spaß gemacht, vielleicht auch, weil ich immer vorne mit dabei war (lacht). Mein erster Sieg müsste in der 2. Klasse Volksschule beim Marchtrenker Volkslauf gewesen sein.

800 bis 3000 Meter waren deine Distanzen, hattest du eine Lieblingsdistanz?

Meine Lieblingsdistanz waren die 1500 m, weil man lange genug Zeit hatte, eine gute Position zu erlangen, man nicht wie bei den 3000 m die letzten 1000 m komplett leidet und man nicht so schnell weglaufen musste wie bei den 800 m.

“Die vier Staatsmeistertitel in der allgemeinen Klasse waren echt toll”

Anna Baumgartner über ihre größten Erfolge.

Welche waren deine größten Erfolge?

Mein größter Erfolg für mich persönlich war sicherlich der 3. Platz beim EYOF 2017 in Györ, zumal ich dort auch im Finale eine persönliche Bestzeit gelaufen bin. Meine sieben österreichischen Rekorde in der U16 und U18 Klasse zählen sicherlich auch zu meinen größten Erfolgen. Über die vier Staatsmeistertitel in der allgemeinen Klasse habe ich mich auch sehr gefreut.

Wie sah eine Trainingswoche bei dir aus?

Während meiner aktiven Zeit besuchte ich den Leistungssportzweig im Borg Linz, wo ich dieses Jahr maturiere. Da die Schule mit den Trainern eng zusammenarbeitet, hatten wir jeweils vor der Schule und nach der Schule Zeit, zu trainieren. Die Trainingswochenaufteilung sah bei mir immer recht unterschiedlich aus. Natürlich war der Umfang in den Vorbereitungsphasen höher, als in der Vorwettkampf- und Wettkampfphase. Grundsätzlich hatte ich in der Woche zwischen acht und elf Trainingseinheiten, da von Dienstag bis Donnerstag ein Training vor der Schule stattfand, das aber meist aus einem lockeren Dauerlauf, Rehabilitationstraining oder Stabitraining bestand. Am Nachmittag hatte ich meist entweder einen Grundlagenlauf, Intervalle (max. zweimal/Woche), einen flotteren Dauerlauf oder ein Alternativprogramm wie Schwimmen, das ich ja auch einige Jahre aktiv im Verein trainiert habe. Am Sonntag hatte ich dann oft einen Ruhetag, beziehungsweise nach Wettkampfwochenenden am Montag.

“Ich habe nicht auf meinen Körper gehört”

Anna Baumgartner (19).

Wenn Experten über dich sprechen, fällt meistens der Satz: „Eines der größten Talente Österreichs“! Warum hast du deine Karriere so früh beendet?

Ich hatte schon sehr früh mit Ermüdungserscheinungen zu kämpfen (erstmals 2016 durch einen Ermüdungsbruch). Ich war auch immer sehr ehrgeizig und habe oft nicht auf meinen Körper gehört (Training trotz Krankheit). Durch Verletzungen entstandene Zwangspausen habe ich mich immer wieder ein wenig erholt. Mit der Zeit hat sich der psychische Druck und auch Stress, den ich mir auch selbst gemacht habe, immer mehr auf meinen Körper ausgewirkt. 2018 habe ich dann Gastritis bekommen und zahlreiche Mangelerscheinungen, was meine Leistungen im Wettkampf und Training natürlich negativ beeinflusste. Im Sommer 2018 habe ich dann die U18 EM ausgelassen und habe mich wieder relativ gut erholt. Bei mir spielte dann aber auch die Angst mit, durch verpasstes Training nicht mehr an vorherige Leistungen anknüpfen zu können. Im Herbst 2018 fand ich jedoch wieder in meine alte Form zurück, jedoch erfüllte mich das Laufen nicht mehr so, wie es das zuvor getan hatte. Während ich davor beim Laufen abschalten konnte und froh war, für mich zu sein, hatte ich nun während meinen Laufeinheiten stets ein Gefühl von innerer Unruhe, das auch im Alltag nicht aufhörte. Ich wusste selbst nicht, woran es lag, aber ich fühlte mich komplett unwohl. Jede Trainingseinheit stellte eine Qual für mich da. Im Frühjahr 2019 sah ich dann keinen anderen Ausweg mehr, als meine Karriere zu beenden, was für mich sicherlich die beste Entscheidung war, auch, wenn es viele nicht nachvollziehen konnten. Ich habe mir oft die Frage gestellt, ob es das richtig war, weil ich selbst weiß, dass ich ein Talent zum Laufen habe. Aber im Nachhinein bin ich sehr stolz auf mich, diesen Schritt gegangen zu sein, weil mir das Laufen jetzt wieder viel Spaß macht. Das Laufen ist immer noch ein großer Teil von mir, aber ich weiß nicht, ob der Leistungssport je das Richtige für mich war. Trotzdem bin ich dankbar für die vielen schönen Momente, die ich in dieser Zeit erleben durfte.

In welchen Beruf siehst du deine Zukunft?

Ich weiß es ehrlich gesagt noch nicht so 100%ig, aber ich interessiere mich sehr für Mode. Mein Ziel wäre es vielleicht einmal für ein Modemagazin zu arbeiten, gerne auch im Ausland. Der Bildungsweg dorthin ist aber ein wenig schwierig, da Modejournalismus nur an Privatuniversitäten im Ausland angeboten wird.

Früher hast du die meiste Zeit mit dem Laufen verbracht, welche Hobbys hast du heute?

Wie ich bereits erwähnt habe, ist der Sport immer noch ein Teil von mir, nur, dass ich es mir jetzt selbst einteilen kann. Da ich dieses Jahr in der Maturaklasse bin, benötige ich ein wenig Zeit, um zu lernen. Sonst geh ich in meiner Freizeit gerne einkaufen, auch das Treffen mit Freunden ist nun einfacher, da die Zeit nicht mehr so verplant ist. Mit meiner Schwester bin ich auch oft in Kaffeehäusern unterwegs, was durch Corona jetzt gerade nicht so möglich ist. Am Wochenende fahre ich gerne wohin, am liebsten mit dem Zug nach Wien, weil ich diese Stadt liiieeebe und sehr gerne dort Zeit verbringe. 🙂

Für Anna Baumgartner (Foto: ©) ist das Laufen jetzt nur noch Genuss.

2 Kommentare zu „Karriereende mit 18: Für Anna Baumgartner wurde der Druck zu groß!“

  1. Gratuliere “Helden des Laufsports” zu diesem ehrlichen und “etwas anderen” Interview. Anna Baumgartner viel Erfolg für die Zukunft und ganz bestimmt wird das Laufen weiterhin ein wesentlicher Teil bleiben.

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