Christian Steinhammer: „Keine Zeit um Einzelschicksale in den Vordergrund zu stellen“

Christian Steinhammer knackte im Februar die Norm für Leichtathletik-Europameisterschaften in Paris. Beim Halbmarathon in Barcelona konnte der Wiener seine persönliche Bestzeit auf 63:37 Minuten verbessern. Jetzt bremst den EM-Bronzemedaillengewinner von 2018 das Coronavirus (Convid-19) etwas ein – der 31-Jährige bleibt trotzdem positiv.

©Christian Steinhammer

Helden des Laufsports: Wie sieht deine persönliche Saisonbilanz bis zur Coronakrise aus?

Christian: Durchaus positiv! Nach dem Frankfurt Marathon bin ich im November wieder ins Training eingestiegen und war mit meiner Performance beim Silvesterlauf in Peuerbach sehr zufrieden. Noch besser ging es mir beim Barcelona Halbmarathon. Dort bin ich mit 63:37 Minuten neue Bestzeit gelaufen und habe mich für Paris 2020 qualifiziert. Ein perfekter Tag und ich durfte feststellen, dass ich in absoluter Top-Form bin, umso blöder ist natürlich die jetzige Situation.

Hdl: Was hast du empfunden als du von der Absage des Wien Marathons erfahren hast, und wo hat dich diese Nachricht erreicht?

Christian: Als die Absage des Wien Marathons bekannt wurde, war ich zuhause. Da ich auch beruflich mit dem Wien Marathon zu tun habe, und ich die stattgefundenen Krisensitzungen schon miterlebt hatte, kam die Absage allerdings nicht wirklich überraschend für mich.

Hdl: In Wien wolltest du das Olympia-Ticket attackieren. Wie groß ist jetzt die Enttäuschung?

Christian: Ja! Wien wäre im Frühling der ganz große Höhepunkt gewesen. Seit November habe ich dafür trainiert. Die letzten zwei Jahre musste ich leider das Rennen immer vorzeitig beenden, aber jetzt nach Barcelona, war ich guter Dinge die Norm für Tokio zu unterbieten. Die Olympischen Spiele, sofern diese überhaupt stattfinden, haben sich somit für mich erledigt.

Hdl: Trainierst du jetzt, sofern das gesetzlich möglich ist, „normal“ weiter?

Christian: „Normal“ ist aktuell ganz schwierig. Gerade beim Marathontraining auf diesem Niveau sind schon hohe Umfänge nötig, wenn dann ein klares Ziel fehlt, fragt man sich schon: Warum mach ich das alles? Es ist einfach frustrierend. Der Trainingsplan ist jetzt abgeändert. Diese Woche wären sehr harte Einheiten am Programm gestanden, jetzt haben wir das Training angepasst und es wird eher ruhiger trainiert. Die aktuelle Gesetzeslage erschwert die Situation natürlich auch noch, da unser Trainingszentrum in der Südstadt gesperrt wurde. Laufen im Freien ist zwar möglich, aber andere Dinge wie Krafttraining und Regeneration ist zurzeit einfach schwierig. Zur Not habe ich auch noch ein Laufband in der Wohnung stehen. Man sieht, Training ist zwar möglich, aber vom Kopf her zurzeit brutal schwer.

Hdl: Hast du Angst, dass deine Karriere als Leistungssportler vorbei sein könnte? Bist du finanziell abhängig vom Laufen?

Christian: Als Marathonläufer hat man wenige Chancen sich und seine Sponsoren öffentlich zu präsentieren. In Österreich ist das eben beim Wien Marathon, wo es eben auch Startgeld gibt, der Fall – diese Gelder fehlen jetzt einfach. Es ist schon ein großer Einschnitt, aber das Coronavirus wird meine Karriere nicht beenden. Es ist jetzt sowieso nicht die Zeit, um Einzelschicksale in den Vordergrund zu stellen! Das große Ganze ist wichtig. Ich lass mich auf jeden Fall nicht unterkriegen. Was das Geld betrifft, macht es mich eher wütend, dass aktuell große Fußballvereine kommen und jammern, dass es ihnen so schlecht geht.

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