Kosgei darf den Titel nicht verteidigen – Aber Masters-Meister darf er werden

Text und Foto: Olaf Brockmann

Total kuriose Situation bei den Marathon-Staatsmeisterschaften, die im Rahmen des Vienna City Marathons diesen Sonntag ausgetragen werden! Vorjahresmeister Isaac Kosgei startet zwar über die 42,195 km, darf aber nach einer neuen ÖLV-Bestimmung seinen Titel nicht verteidigen. In der Masterswertung in der Klasse plus 40 Jahre darf er aber sehr wohl österreichischer Meister werden!

Foto: ©Olaf Brockmann / Issac Kosgei bei seinem Meisterschaftssieg 2020.

Wie ist das möglich? Im Vorjahr hatte er im Dezember bei dem vom Vienna City Marathon und dem ÖLV veranstalteten Meisterschaften in Wien zum zweiten Mal nach 2018 den Titel in 2:26:35 Stunden gewonnen. Aber jetzt darf er nicht zum dritten Mal Meister werden. Grund: Issac Kosgei lebt zwar seit Jahren in Linz, startet für die Zehnkampf Union, ist aber kenianischer Staatsbürger. Bisher durften Ausländer sehr wohl in Österreich den Titel gewinnen. Der ÖLV aber hat inzwischen die Teilnahme an der Staatsmeisterschaft an die Staatsbürgerschaft gebunden, ein durchgehender Aufenthalt im Land reicht nicht mehr.

Am Donnerstag 40 Jahre alt

Hintergrund dazu: Der ÖLV will, dass Ausländer den heimischen Athleten nicht wertvolle Punkte für die Qualifikationen für Großveranstaltungen (2022 WM und EM) wegnehmen. Vielmehr drängt der ÖLV die besten Ausländer, sich intensiv um eine Staatsbürgerschaft zu bemühen. Das Paradoxe: Isaac Kosgei wird diesen Donnerstag 40 Jahre alt und startet deshalb Sonntag auch in der Masterswertung. Hier darf er sehr wohl österreichischer Meister werden, da er, so der ÖLV, hier den heimischen Stars keine Quali-Punkte wegnehmen kann.

„Meine Vorbereitung war besser als in den letzten zwei Jahren”, so Isaac Kosgei in einer Aussendung des VCM. Er hat in der Woche im Durchschnitt 90 Kilometer trainiert, davor waren es oft nur 45 bis 60 Kilometer. Er wünscht sich, eine 2:15-er Zeit zu laufen und traut sich das bei guten Bedingungen auch zu. Obwohl der Kenianer sehr routiniert ist, verspürt er doch Aufregung: „Es ist der wichtigste Wettkampf für mich in diesem Jahr, mein Hauptziel.“

Aufstand beim Verbandstag

Die alte Ausländerregel hatte bis 2020 Bestand, ab 2021 gelten die neuen Bestimmungen. Dagegen hatte es heuer noch im März einen Aufstand beim Verbandstag gegeben. Der Wiener Leichtathletik-Verband hatte die Aufhebung der neuen Regel beantragt. In der Begründung hies es: „Die Berechtigung einer Teilnahme an Staatsmeisterschaften der Allgemeinen Klasse sollte nicht nur an die Staatsbürgerschaft, sondern sehr wohl auch an den Hauptwohnsitz und an den Start bei anderen nationalen Meisterschaften gebunden sein. Universitätsstädte leben von Diversität und Inklusion. Mehr als ein Drittel unserer aktiven Sportlerinnen und Sportler haben nicht die österreichische Staatsbürgerschaft,
jedoch ihren Hauptwohnsitz seit Jahren in Österreich. Sie sind Teil unserer Trainingsgruppen und vollwertige Mitglieder am Sportplatz, zahlen Startgelder und Lizenzgebühren!“

Der WLV-Antrag wurde heiß diskutiert, aber mit 80 von 146 Stimmen, also mit 54,79 Prozent, abgelehnt. Damit kam auch das Aus für Isaac Kosgei, der am Sonntag gute Chancen auf einen Podiumsplatz gehabt hätte, jetzt aber „nur“ Favorit auf en Mastertitel ist.

Hans-Peter Innerhofer vorn?

In Abwesenheit der besten Läufer um Olympia-Starter Peter Herzog zählen nun der Salzburger Berglauf-Spezialist Hans-Peter Innerhofer, der sein Marathondebüt läuft und eine Zeit im Bereich von 2:20 oder darunter erzielen kann, sowie der Vorjahres-Zweite Patrick Krammer Favoriten auf den Titel. Bei den Frauen ist Victoria Schenk klare Favoritin, sie und hofft auf eine Zeit unter 2:40 Stunden. Die fünffache Staatsmeisterin Karin Freitag hat gute Chancen, eine weitere ÖLV-Medaille zu gewinnen.

Eva Wutti im Halbmarathon

Titelverteidigerin Eva Wutti wird hingegen nicht an diesem Bewerb teilnehmen. Sie hatte sich auf einen Marathonstart in Wien vorbereitet und war dafür auch angekündigt. Die 32-jährige Kärntnerin merkte jedoch trotz guter Testwettkämpfe in den vergangenen Wochen, dass sie noch nicht voll bereit für ein ansprechendes Rennen über 42,195 Kilometer ist. „Nach einem kräfteraubenden Frühjahr war der VCM ein neues Ziel und eine wichtige Motivation für mich. Die Veranstaltung kommt nun aber etwas zu früh für eine starke Marathon-Performance“, sagt sie. Die ÖLV-Rekordhalterin (2:30:43 – gemeinsam mit Andrea Mayr) wird am 12. September in Wien nun auf der Halbmarathondistanz starten. Ihre Bestzeit steht bei 1:15:11 Stunden. „Im Frühjahr 2022 will ich wieder nach Wien zurückkommen und den Rekord angreifen“, blickt Wutti voraus.

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