Cornelia Stöckl-Moser: Hoffnung und Rückschläge – Teil 1

Von Cornelia Stöckl-Moser (25) aus Saalfelden – Linz Marathon Siegerin 2019

„…und da sind sie wieder, diese Schmerzen. Altbekannte Schmerzen, aber an einer anderen Stelle. Das kann doch nicht sein.“ Doch, ist es leider so, auf Rückschlag folgt Rückschlag oder eben auf Stressfraktur folgt Stressfraktur. Aber nun von vorne.

Guter Start in die Saison

Die Saison 2019 hatte für mich eigentlich recht erfreulich begonnen. Ich konnte beim Barcelona Halbmarathon im Februar mit 01:15:07 Stunden nahezu an meine Bestzeit (01:14:49 Stunden) anknüpfen. Auch in Linz blieb ich nur knapp drei Sekunden über meiner vorgenommenen Ziel-Zeit (02:40 Stunden) und konnte mir sogar den Sieg samt Staatsmeistertitel im Marathon sichern. Danach ging es in die wohlverdiente Pause, ehe ich Mitte Mai wieder ein ernsthaftes Training aufnahm, denn Mitte Juli sollte ich Österreich bestmöglich bei der Universiade (Weltspiele der Studenten) in Neapel vertreten.

Von einem Arzt zum nächsten

Das Training und die Trainingswettkämpfe waren jedoch durchwachsen. Auf recht erfreuliche Leistungen folgten immer wieder äußerst bescheidene Resultate. Anfang Juni konnte ich moderate Schmerzen im Beckenbereich verspüren. Als diese nach rund zehn Tagen noch nicht verschwunden waren, ging ich zum Arzt, der mir entzündungshemmende und schmerzstillend Mittel empfohl. Diesem Ratschlag folgte ich, denn die Universiade nahte und ich konnte bzw. wollte mein Training fortsetzen. Die Schmerzen ließen nach und ich setzte das Schmerzmittel allmählich ab. In den letzten zehn Tagen vor dem Halbmarathon reduzierte ich die Trainingsumfänge. Die Schmerzen verschwanden vollständig. Dennoch merkte ich, dass etwas nicht stimmt. Ich fühlte mich grundsätzlich sehr gut und auch der Kopf wollte alles geben, aber irgendwie fehlte „die Leitung“ zu den Beinen. Das Rennen selbst, die Universiade, war eine reine Katastrophe. Ich lief die schlechteste Zeit (01:22:19 Stunden) die ich je in einem Halbmarathonrennen gelaufen bin, sogar bei meinem ersten Halbmarathon war ich schneller, und das war mit Sicherheit nicht den suboptimalen Bedingungen (07:00 Uhr morgens, 31°C und 86% Luftfeuchtigkeit) geschuldet.

Neues Ziel – Nächster Rückschlag

Naja was soll`s, Schwamm drüber und weiter geht das Training: Neues Ziel – Wachau Halbmarathon. Doch leider wurden die Schmerzen immer heftiger und als ich am 21. Juli bei einem geplanten Longrun nach drei humpelnden Kilometern nach Hause gehen musste, ging ich wieder zum Arzt. Der Ratschlag war wieder: „Ein paar Tage Pause und Schmerzmittel.“ Schmerzmittel wollte ich aber keine mehr nehmen, das habe ich mir geschworen. Also stieg ich inzwischen auf das Fahrrad um. Als ich bemerkte, dass Aufwärtslaufen eigentlich erträglich ist, lief ich munter drauflos. Jeden Tag auf den Berg und fuhr mit der Bahn wieder ins Tal. Klar die Schmerzen wurden dadurch nicht besser, aber auch nicht signifikant schlechter, naja vielleicht ein Bisschen, aber egal Hauptsache laufen…

Da war die Welt noch in Ordnung: Sieg beim Linz Marathon

Diagnose: Drei Frakturen im Beckenbereich

Die Schmerzen ließen nicht nach und endlich wurde mir ein MRT verordnet. Ich war mir zwar eigentlich sicher, dass dort ohnehin nichts herauskommen wird, die Ungewissheit bleiben wird, aber irgendwann mit der Zeit und mehr alternativem Training, die Schmerzen wieder von selber verschwinden werden. Falsch gedacht! Diagnose: Drei Frakturen im Beckenbereich (Kreuzbein, Scharmbeinast und Hüftgelenkpfanne). Vier Wochen eingeschränkte Bewegung und rund weitere acht Wochen Laufpause. Ok das wird hart, aber immerhin habe ich jetzt eine klare Diagnose.

Studium als Abwechslung

Zunächst widmete ich mich intensiver meinem Zweitstudium, welches kurz vor dem Abschluss steht, und schrieb binnen zehn Tagen meine Bachelorarbeit. Allmählich begann ich mit Alternativtraining, lockeres Radfahren am Ergometer, Aquajogging und selbst schwimmen (Kraultechnik) lernte ich. Nach und nach steigerte ich die Umfänge. Ich saß bis zu vier Stunden am Ergo und verbrachte Stunden im Wasser. Nach einiger Zeit war eine kleine Erleichterung zu spüren und ich durfte auch wieder Wandern und am Crosstrainer trainieren. 1.000 Höhenmeter hoch, mit der Bahn ins Tal und das Ganze noch mal, oft gefolgt von einer weiteren Ausdauereinheit. So vergingen die Wochen dann doch recht schnell.

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