Laufen als „Droge“.

Liebe Leser!

Es gibt vermutlich zwei Typen von Menschen (grob gesagt).

Typ 1 (= Normaltyp). Macht gerne ab und zu mal Sport, um den Kopf frei zu bekommen, um überschüssige Energie abzubauen und vor allem, weil er oder sie sich danach besonders gut und zufrieden fühlt. Aber: Muss sich zum Sport jedes Mal ein bisschen aufraffen, schließlich wird’s ja kein Spaziergang, sondern richtig anstrengend. Typ 1 verkürzt auch mal eine Sporteinheit, weil es ihm oder ihr „schon reicht“, weil statt 1 Stunde ja auch 40 Minuten genug sind. Typ 1 hat kein Problem mit Sportpausen und Regeneration. Typ 1 ist gern in Bewegung, strengt sich aber weniger gerne an.

Typ 2 (= Sport-Junkie). Macht praktisch jeden Tag Sport. Fühlt sich an Tagen, wo nicht trainiert wird, nicht wohl. Hat schlechte Laune, wenn er oder sie keinen Sport treiben kann. Priorisiert das Training (z.B. durch kluge Zeiteinteilung, sodass es sich immer ausgeht). Kann es manchmal kaum erwarten, dass das Training endlich losgeht. Wartet nicht gern aufs Training, möchte sofort anfangen sich auszupowern. Hat manchmal Probleme damit, das Training zu beenden (15 Minuten gehen noch…). Fühlt sich nicht nur nach dem Training, sondern auch währenddessen besonders gut und zufrieden. Hat beim Sport das Gefühl, gerade zur richtigen Zeit am richtigen Ort und „in seinem Element“ zu sein. Typ 2 muss sich aktiv zur Regeneration zwingen, um keine Verletzungen zu bekommen. Hat Typ 2 eine Verletzung, was dann doch hin und wieder vorkommt, wird er oder sie sehr kreativ, sich auf alternative Weise auszupowern, sodass die Verletzung heilen kann und der Schweiß trotzdem fließt.

Diese Typeneinteilung hat jetzt nicht zwangsläufig etwas mit dem Laufen zu tun. Typen der Kategorie 2 gibt es in allen Sport-Sparten. Es sind zum Beispiel diejenigen, die einfach jeden Tag in der Woche im Fitnessstudio anzutreffen sind, auch am 24.12. oder am Fasching-Dienstag. Es sind diejenigen, die viele 100 Kilometer in der Woche Fahrrad fahren, die daheim gleich nach dem Aufstehen aufs Ergometer steigen. Es sind auch Vereinssportler (Kampfsport, Turnen,…), die 2-3x pro Woche im Verein trainieren, und an den restlichen Tagen entweder im Fitnessstudio, daheim oder outdoor.

Ich würde mich eher als Typ 2 bezeichnen. Der Weg ist für mich das Ziel, jeder Kilometer ein „Erlebnis“, das mich weiterbringt und zufrieden macht. Einige Menschen (Typ 1) haben mich schon mal gefragt, ob ich „süchtig“ nach Laufen bin. Wenn man Sport als „Sucht“ bezeichnen kann, dann würde ich sagen, ja, durchaus. Als Ärztin darf ich aber einwenden, dass Sport zwar einerseits süchtig machen kann, auch z.B. in Kombination mit einer Essstörung, aber dass Sport immer noch nicht gleich zu setzen ist mit konventionellen Drogen wie Nikotin, Alkohol etc. Sport ist nämlich auch „schwierig“, und jeder normale Mensch, der versucht, statt Rauchen mit täglichem Sport anzufangen, wird mir bestätigen, dass das nicht komplett das Gleiche ist. Egal wie man es definiert – ob ich (oder generell: der oben beschriebene Typ 2) nun „sportsüchtig“ ist oder einfach nur ein bisschen verrückt oder extrem passioniert – Fakt ist, dass ich mir manchmal schwer tue, das Laufen wegen einer Verletzung zu reduzieren oder zu pausieren. Und dass ich es nicht über längere Zeit missen möchte, weil mich Laufen und Ausdauersport generell einfach zu einer zufriedenen, ausgeglichenen Person macht, die ich ohne Sport vielleicht nicht so bin 😉 Ich muss mich halt wenn möglich 1x am Tag auspowern, und dann passt wieder alles.

Wie geht’s euch so mit diesem Thema?

Eure Liesl

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