Laufen ist Kopfsache. Oder: Warum man auch mal die Nase voll hat

Liebe Leser,

Warum laufen wir eigentlich? Ganz ehrlich: Wir lieben es, aber es ist schon anstrengend. Fast jeder Lauf ist entweder mental oder körperlich eine kleine Herausforderung, oft sogar eine ziemlich große Herausforderung. Jedes Mal Laufen erfordert ein ganz kleines Bisschen Willenskraft. Habt ihr euch auch schon mal vor dem Training gefragt: “Was passiert eigentlich, wenn ich einfach nicht laufen gehe? Wie würde sich das anfühlen?” Oder: “Warum geh ich nach einem anstrengenden Arbeitstag bei Minus vier Grad noch raus zum Lauftraining, wo ich eigentlich schon vor Beginn des Trainings im geschlossenen Raum leicht gefroren habe?”

Kennt ihr diesen Punkt während eines Trainings- oder Wettkampflaufs, wo man sich denkt, ‘ich kann nicht mehr’?

Viele Läufer sprechen von “Schmerzen, die man aushalten muss”. Irgendwo kann da, glaub ich, jeder zustimmen. Schmerzen – oder auch der übergroße Wunsch, einfach anzuhalten. Ich frage mich manchmal während eines nicht so guten Trainings: “Liesl, was passt jetzt eigentlich grad nicht? Wo ist das Problem?” Ist es das Ziehen in der Wade, das nach-Luft-Schnappen, die Bauchschmerzen, das leichte Schwindelgefühl, die eiskalten Finger, oder der Gedanke, dass ich mir noch weitere 10 Kilometer vorgenommen habe und jetzt schon irgendwie nicht so richtig “im Flow” bin? Oft kann ich nicht einmal sagen, was gerade das Problem ist. Fakt ist aber: manchmal mag man halt nicht.

Manchmal bewundere ich Leute, die das Laufen nicht so sehr “brauchen”, so sehr zur Routine gemacht haben. Ich stelle mir vor, wie das wäre, wenn ich “nur” die Arbeit hätte, und Freizeit ohne Laufen. Vielleicht sogar ganz ohne Sport. Wie lange würde ich das “genießen”? Wann würde ich es einfach nicht mehr aushalten, mich nicht zu bewegen? Könnte ich mich einfach an die Inaktivität gewöhnen, oder: was würde ich mit all der freien Zeit und überschüssigen Energie alternativ anfangen?

In meinem Fall weiß ich, je weniger ich trainiere, desto energieloser und “lethargischer” fühle ich mich – paradoxerweise.

Dennoch habe ich (ihr vielleicht auch?) Phasen, wo ich das Laufen lieber mag, und Phasen, wo ich weniger Freude daran habe. Es hat eigentlich nichts mit den äußeren Umständen zu tun. Z.B. fällt mir tendenziell das Training während der kalten Jahreszeit nicht schwerer. Im Gegenteil, ich bin umso “stolzer” dass ich trotz Minusgraden fast jeden Tag wie gewohnt draußen laufen bin.

Die Phasen sind eher “psychisch bedingt”. Oder man könnte auch sagen, es ist alles Kopfsache.

Das Gefühl, dass einem das ständige Laufen bis ganz oben steht, dass man die Schnauze voll davon hat und irgendwie einfach mal für längere Zeit pausieren können würde (ohne schlechtes Gewissen – leider unmöglich in meinem Fall!) – dieses Gefühl kommt aus heiterem Himmel, und ich weiß nicht warum. Dann habe ich für ein paar Wochen vor beinahe jedem Training den Gedanken “was wäre wenn… ich einfach daheim bleibe? Keine Laufschuhe hätte? Meine Garmin Uhr verkaufe? Ích stattdessen zum Klettern, Crossfit oder ins Fitnessstudio gehe? …würde ich mich dann besser fühlen, nicht ständig so müde?”

Sinnlos, diese Gedanken. Ich gehe trotzdem laufen. Meistens taugt es mir dann eh so halbwegs nach den ersten paar Kilometern.

Und ich weiß: es kommt unweigerlich wieder die “Hoch-Phase”. Wo ich vom Laufen einfach nicht genug bekommen kann. In der Früh ein Lauf, und am Nachmittag schau ich wehmütig den anderen zu, die jetzt trainieren “dürfen”. Es kommt vermehrt zu spontanen 2. Trainingseinheiten am Tag. Ich laufe zum Supermarkt, ich laufe ins Fitnessstudio. Laufen ist mein Leben. Laufen, laufen, laufen. Ich liebe es, muss ständig darüber reden, weil es mir so viel Freude macht.

Zum Glück habe ich meistens die “gute Phase”.

Ich behaupte, ob man gern lauft, ist Kopf- und Einstellungssache.

Wer positiv an die Sache herangeht, der hat auch mehr Spaß dabei. Nicht “ich muss laufen”, sondern “ich darf”.

Mich würde interessieren – was habt ihr diesbezüglich für Erfahrungen gemacht?

Eure Liesl

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