Laufen und Umweltschutz?

Liebe Leser!

Umweltschutz ist ein großes Thema. Heutzutage mehr als je zuvor. Obwohl ich kein Experte in Sachen Klimaschutz bin, ist meiner Meinung nach die Erderwärmung nicht zu leugnen. Ja, ich weiß, diesbezüglich gibt es zahlreiche Verschwörungstheorien. Den Klimawandel soll es ja angeblich überhaupt nicht geben, sondern das haben sich bloß die bösen Eltern von Greta Thunberg einfallen lassen, um damit ein riesen-Geschäft zu machen. Ja klar. Ganz ehrlich Leute, könnt ihr euch an die Winter vor 25 Jahren erinnern? – Eben. Aber ich will nicht vom Thema abkommen.

Obwohl ich mich bemühe, meinen CO2-Fußabruck möglichst gering zu halten (so gering es halt geht, auch ich gebe viel zu oft dem Bedürfnis nach Komfort nach, kaufe sicherlich zu viele PET-Flaschen, benutze ein Smartphone, kaufe natürlich nicht alles „Bio“…) – trotzdem ist mir bewusst, dass Laufen unter Umständen umweltschädlich ist. Auf den ersten Blick scheint Laufen eine sehr „umweltschonende“ Sportart zu sein. Man braucht ja schließlich nicht viel dazu: keine Schneekanonen, keine Skilifte, keine beheizten Schwimmbäder oder Sporthallen, keine besonders teure Ausrüstung, und keine elektronischen „high end“-Geräte. So die Theorie. Der Minimalist läuft in einer uralten Jogginghose, verwendet genau ein paar Laufschuhe bis dieses so richtig kaputt ist, dass die Zehen vorne bereits rausschauen, verwendet natürlich keine GPS Uhr, keine Bluetooth Earphones, keine multifunktions-Thermo-Unterwäsche,… Ja klar. Obwohl es so natürlich auch geht – wer das Laufen liebt, der beginnt irgendwann, mehr Geld in dieses Hobby zu investieren und dabei leidet die Umwelt: erstens bei der Produktion all jener Utensilien, die der ambitionierte Hobbyläufer unbedingt zu brauchen glaubt, und zweitens bei der Mobilität: man fährt kilometerweit mit dem Auto zu diversen Lauf-Events. Man fliegt über den halben Globus, um an renommierten Städtemarathons teilzunehmen. Und dann noch die einzeln in Plastik verpackten Spezial-Riegel, -Gels, das Iso-Getränkepulver, die unzähligen Plastik-Sportflaschen, das mini-Sebamed Duschgel, die mini-einzeln-verpackten Proben von Diana-Balsam mit Menthol et cetera,… Die Liste der Umweltsünden des Laufsport(ler)s ist unendlich. Andererseits gilt selbiges auch für beinahe alle anderen Sportarten, teilweise (siehe Wintersport / Skifahren!) ist der CO2 Fußabdruck des Sportles XY sogar noch viel, viel größer! Auffällig ist beim Laufen halt nur die Diskrepanz zwischen dem Minimum, womit man eigentlich auskommt (der nackte Steinzeitmensch, der barfuß hinter dem Mammut her – oder vor dem Mammut davon? – läuft) und dem ganzen Schnickschnack, das sich die Industrie ausgedacht hat um an uns Läufern zu verdienen. Hm.

Es gibt allerdings einen Lichtblick: Zum Beispiel geht bereits der Frankfurtmarathon mit gutem Beispiel voran, den CO2 Fußabdruck dieses Events zumindest etwas zu reduzieren: Beispielsweise dürfen Teilnehmer und Helfer beliebig viele Freifahrten mit den „Öffis“ unternehmen. Die Stromversorgung während des Marathons kommt zu zwei Dritteln aus Sonnenenergie/Photovoltaik. Zusätzlich verspricht der Veranstalter, für jeden Finisher einen Euro für die Pflanzung von 4500 Olivenbäumen in der italienischen Toskana zu spenden. Auch der Kölnmarathon möchte sich mehr in Richtung Klimaschutz bewegen: Mit Finisher-Medaillen aus Holz werden, wenn die offiziellen Angaben stimmen, immerhin 30 Tonnen CO2 im vergleich zu herkömmlichen Medaillen gespart. Auch das offizielle Marathonshirt besteht nun zu 67 Prozent aus Holzfaser aus nachhaltiger Forstwirtschaft und zu 33 Prozent aus Bio-Baumwolle. Die unzähligen Trinkbecher, die den Läufern am Streckenrand zugereicht werden, bestehen aus Pappe und werden in großen Fangkörben gesammelt, um die Verschmutzung der kölner Straßen durch unzählige Becher zu minimieren. An einigen Versorgungspunkten kommen sogar Mehrwegbecher zum Einsatz!

Ja ich weiß: trotzdem fallen durch Veranstaltungen wie einen Stadtmarathon unzählige Tonnen CO2 an, die man einsparen könnte, wenn man die ganze Sache einfach abblasen würde. Und dann kommen wieder unzählige kluge Leute daher, die meinen, die Marathons wären ja sowieso ein unglaubliches Verbrechen an der Umwelt, und man könne sich ergo jede Bemühung sparen, die Sache etwas umweltfreundlicher zu gestalten.

Das finde ich nicht. Ganz abgesehen vom Laufsport – meiner Meinung nach ist jeder Schritt in die richtige Richtung ein guter Schritt. Jeder PET-Flasche, die man nicht kauft, jeder Mehrwegbecher, der bei einer Sportveranstaltung zum Einsatz kommt. Jeder Kilometer, den man mit dem Rad fährt, anstatt mit dem PKW. Fahrgemeinschaften, die gebildet werden. Sportgewand, das länger verwendet wird als bloß bis zur nächsten Saison, weil man jetzt unbedingt eine neue und hippere Short braucht. Obwohl fast jeder (ich selbst auf jeden Fall!) täglich dazu beiträgt, die Umwelt zu verdrecken, kann man auch jeden Tag ein paar Kleinigkeiten richtig machen. Ja, das fällt trotzdem ins Gewicht.

Und deshalb finde ich es toll, dass die Veranstalter von Städtemarathons jetzt langsam auch schon auf den Öko-Zug aufsteigen!

Eure Liesl

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