Laufsport… und das Coronavirus

Liebe Leser!

Gleich vorweg: Ich überlasse des den Experten, objektive Informationen über das neuartige Coronavirus bekannt zu geben, also bitte informiert euch an offizieller Stelle, zum Beispiel auf der offiziellen Website des Österreichischen Gesundheitsministeriums.

Diese Kolumne ist am 11.3.2020 entstanden, und nur damit ihr Bescheid wisst, an diesem Tag sah die offizielle Statistik für Österreich so aus:

Stand, 11.03.2020, 8:00 Uhr
Bisher durchgeführte Testungen: 5.362
Bestätigte Fälle: 206
Genesene Personen: 4

Zum Vergleich: meine Recherche am 03.03., also vor circa 1 Woche, ergab folgende Zahlen:

Stand, 03.03.2020, 11:30 Uhr
Bisher durchgeführte Testungen: 2.683
Bestätigte Erkrankungsfälle: 21; Wien (11), Niederösterreich (3), Tirol (2), Salzburg (2), Steiermark (3)

Diese Statistik zeigt – die Zahl der Erkrankten scheint derzeit sprunghaft anzusteigen.

Für diejenigen, die spezielle Fragen haben, welche nicht in den FAQs der Website des Österreichischen Gesundheitsministeriums beantwortet werden, gibt es auch eine Coronavirus Hotline: 0800 555 621

Und hier nochmal zum Mitschreiben, das neuartige Coronavirus wird als COVID-2019 bezeichnet; die Bezeichnung des Erregers ist: SARS-CoV-2.

Die schlechte Nachricht: Es wird (wie ihr auch selbst unschwer der o.g. Website entnehmen könnt, von einer Sterblichkeit von 2,3% ausgegangen). Das heißt, von 100 Menschen die an dem Coronavirus erkranken, sterben 2 bis 3. Was nicht ganz klar ist: bezieht sich diese Zahl auf alle Menschen, die mit dem Virus infiziert wurden (Dunkelziffer?), oder nur auf diejenigen, die tatsächlich Symptome entwickeln?

Ist ja auch irgendwie zweitrangig, denn es geht jetzt in erster Linie darum, wie wir uns selbst und vor allem Personen mit geschwächtem Immunsystem (alte Menschen, Menschen mit chronischen Erkrankungen,…) am besten schützen können.

Auch dies könnt ihr alles auf der oben verlinkten Homepage nachlesen. Ich halte diese Informationsseite für wirklich hilfreich – damit müssten eigentlich alle dringenden Fragen ausreichend beantwortet sein.

Was hat nun diese Epidemie für einen Einfluss auf den Laufsport?

Erstens werden, wie ihr sicher bereits mitbekommen habt, vorläufig alle outdoor-Veranstaltungen mit mehr als 500 Teilnehmern, und alle indoor-Events mit mehr als 100 Teilnehmern abgesagt, um die Verbreitung des Coronavirus zu verhindern. “Sportveranstaltungen ohne Publikum” wären weiterhin möglich, heißt es. 

Zunächst (Anfang des Jahres 2020) wurden der Paris Halbmarathon, der Tokio-, Honkong- und der Wuxi-Marathon (wo bitte liegt Wuxi?) abgesagt. Die im März geplante Leichtathletik-Hallen WM in Nanjing wurde ebenfalls abgesagt, soll aber angeblich 2021 nachgeholt werden. Nanjing liegt nur 450 Kilometer von Wuhan entfernt, dem Ort, wo das neuartige Coronavirus seinen Ausgang nahm.

Es wurde zuerst (Februar 2020) statt einer stringenten Verordnung, seitens unseres Gesundheitsministeriums “nur” empfohlen, das Risiko einer Großveranstaltung selbst anhand einer Checkliste einzuschätzen. Zum Beispiel sollten die Besucher der Veranstaltung darüber informiert werden, sich bei Krankheitssymptomen fern zu halten (Leute, wer krank ist sollte am besten sowieso nicht auf ein Konzert gehen, an einer Demonstration teilnehmen, oder gar einen Marathon laufen…!). Dann sollte es Möglichkeiten zur Händedesinfektion geben, und am besten sogar ein “Temperaturscreening”, d.h. bei jedem Teilnehmer einer Großveranstaltung wird eine Temperaturmessung durchgeführt.

Seit 10.3., als die neue Verordnung bzgl. der outdoor- und indoor-Envents, wie oben beschrieben, in Kraft getreten ist, wurden schlagartig beinahe alle Sport-/Leichtathletikevents im März, und auch einige Veranstaltungen im April (z.B. der Linz-Marathon) abgesagt. Einfach so, zack. Zuerst habe ich das selbst fast nicht glauben können, man freut sich ja auf diese Events und hat dafür trainiert.

Ich gebe zu, dass ich die Tragweite dieser neuen Virus-Epidemie bis vor wenigen Wochen nicht so richtig ernst genommen habe. Es schien alles zu abstrakt, zu weit weg. Und außerdem sah ich in meinem Arbeitsalltag hunderte Personen, die an der “echten Grippe”, Influenza A, erkrankten, und daran auch teilweise starben. Darüber wird nun aber kaum gesprochen, alles dreht sich um das Coronavirus. Zum Vergleich: in der Saison 2018/19 starben in Österreich 1.400 Personen an Influenza A! Und dagegen gibt es seit Jahren eine Impfung, die von vielen Personen allerdings abgelehnt wird.

Zurück zum Coronavirus: Der beste Schutz ist natürlich, daheim zu bleiben und somit den Kontakt zu potenziell infizierten Personen so unwahrscheinlich wie möglich zu machen. Händeschütteln ist ab jetzt tabu (für mich immer noch schwierig – Macht der Gewohnheit). Man merkt irgendwie schon, dass weniger auf den Straßen los ist. Leute machen “Hamsterkäufe”, im Bus befinden sich weniger Personen.

Ich gehe täglich zur Arbeit – ein gefährlicher Ort, denn hier im Spital befinden sich erkrankte Personen, aber “Home Office” ist als Arzt oder im Pflegebereich halt nicht möglich.

Personen, die den Verdacht haben, selbst am Coronavirus erkrankt zu sein, sollten sich am besten an die o.g. Hotline wenden. Es gibt nämlich klare Richtlinien, wann ein Test notwendig oder sinnvoll ist, und welche Patienten in der Notaufnahme eines Akutspitals abgeklärt werden sollen, während andere den Test auch extern, z.B. an einer infektiologischen Ambulanz oder durch das rote Kreuz, durchführen lassen können.

Kommen wir nun zum Thema: der Läufer als immun-supprimierte (Risiko-) Person. Ja, ich habe das bewusst provokant formuliert. Es ist doch allgemein bekannt, dass viele eifrig trainierende Läufer ständig an der Kippe sind, den nächsten Infekt aufzureißen. Warum das so ist? Weil man durch ständiges (Über-) Training, zusammen mit dem ganz normalen Arbeitsalltag, zu wenig Schlaf, zu kurzen Regenerationszeiten etc. Gefahr läuft, die eigene Immunabwehr zu schwächen. Cortisol wird ausgeschüttet, und kaum wird man angehustet, liegt man wieder drei Tage flach.

Eigentlich sollte auch hier der Hausverstand sagen, dass man als Läufer in Zeiten des Coronavirus besonders gut auf sich acht geben sollte. Das heißt, erstens die o.g. allgemeinen Maßnahmen so gut wie möglich befolgen. Und zweitens, lieber ein bisschen lockerer trainieren. Bei leichter gesundheitlicher Angeschlagenheit, wie z.B. bei Halsschmerzen, lieber einen Tag pausieren und mit dem nächsten Training warten, bis man wieder voll fit ist. Lieber nicht am Nachmittag durch die Stadt oder den Park laufen, wo sich viele Personen aufhalten, sondern eher einen “einsamen Waldlauf” etc. bevorzugen.

Meines Erachtens geht es dabei nicht nur um die eigene Person, sondern ich persönlich möchte mich nicht anstecken, damit ich in der Folge nicht andere, alte und kranke Menschen, mit einem deutlich schwächeren Immunsystem anstecke, für die diese Infektion dann tatsächlich zu einem gröberen Problem wird.

Wenn ihr euch selbst schützt und ein bisschen “paranoid” seid, dann schützt ihr auch die Personen in eurem Umfeld: eure Kinder, die Oma, die Tante die so viel Cortison einnehmen muss, etc.

Niemand kann vorhersagen, wie sich die Corona-Epidemie weiter entwickelt. Blickt man aber nach Italien (ich habe ein paar Insider-Infos von italienischen Arztkollegen), dann ist die Situation in Italien derzeit wirklich schlimm und Spitäler/die Infrastruktur, Ärzte und das Pflegepersonal kommen an ihre Grenzen. Seid also vorsichtig und informiert euch am besten täglich, wie sich die Situation in Österreich entwickelt. Aber lasst euch auch nicht verrückt machen – denn Panik hilft niemandem.

In diesem Sinne wünsche ich euch, dass ihr fit und gesund ins nächste Lauftraining starten könnt.

Eure Liesl

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