Teil 53 (KW 24/2019): Lisa Hörbinger

Lisa Hörbinger ist Läuferin im Team der „Naturfreunde Wals“, Triathletin beim „TrumerTriTeam“ und wohnt in der Nähe von Salzburg. Die 27-Jährige wuchs in einer Läuferfamilie auf und hat die Leidenschaft für den Sport von ihren Eltern übernommen. Überraschenderweise, konnte sie sich bereits in ihrer ersten Saison für die „Triathlon Age Group-EM“ (olympische Distanz) in Kitzbühel qualifizieren – und ist damit quasi über Nacht in den Triathlon-Sport „hineingerutscht“. Das und viel mehr könnt ihr im Helden-Interview #53 nachlesen. 

Helden des Laufsports: Hallo Lisa. Bevor wir zu dir kommen, erzähle uns kurz von deinen sportlichen Eltern. Dein Papa und deine Mama haben ja ordentliche Bestzeiten im Marathon stehen!

Lisa: Stimmt, die sind ganz schön gut drauf. Mein Papa ist – mit seinen doch deutlich über 50 Jahren – im vergangenen Jahr beim Marathon in Verona mit 03:04 Stunden nochmal knapp an seine Bestzeit herangekommen. Aber auch meine Mama hat mit 03:09 Stunden eine Hammer-Zeit, konzentriert sich aber mittlerweile auf die Distanzen bis zum Halbmarathon. Bei sämtlichen Altersklassenwertungen in der W50 steht sie immer ganz oben am Stockerl, ist aber auch in der Gesamtwertung oft ganz vorne mit dabei. Vor allem mit ihr bin ich auch im Training wirklich viel unterwegs, sie ist für mich die absolut beste Trainingspartnerin und immer topmotiviert – hoffentlich komme ich irgendwann an ihre Zeiten heran. Es ist manchmal schon ein komisches Gefühl, dass die eigene Mutter schneller läuft als man selbst, aber ich arbeite daran ;-).

Hdl: Du bist also mit dem Laufsport aufgewachsen. Bist du seit deiner Kindheit leidenschaftliche Sportlerin, oder seit wann betreibst du das Ganze so intensiv wie heute?

Lisa: Eigentlich nicht. Durch meine Eltern war ich zwar schon als Kind bei vielen Läufen am Start und oft auch gar nicht so schlecht – der Spaß am Laufen war dann aber zu Ende, als ich wirklich trainieren hätte müssen. Mit der Pubertät kam dann generell die „Faulheit“ – da bin ich zwar gelegentlich gelaufen, um halbwegs fit zu bleiben, aber sicher nicht aus Leidenschaft. Rückblickend weiß ich heute auch, dass ich immer zu schnell unterwegs war – Laufen war für mich damals irgendwie immer nur anstrengend. Nach dem Studium habe ich dann begonnen, für meinen ersten Halbmarathon zu trainieren. Danach hat es mich dann irgendwie „gepackt“ – vor allem, als ich bemerkt habe, dass mit gezieltem Training doch einiges weitergeht. Heute spüre ich auch, dass ich die Leidenschaft meiner Eltern für den Laufsport bzw. den Sport generell quasi „geerbt“ habe, das verbindet uns total und führt auch dazu, dass wir relativ viel Zeit miteinander verbringen, obwohl ich natürlich längst nicht mehr zuhause wohne. 

Hdl: Mittlerweile machst du auch Triathlon. Wie kam es dazu?

Lisa: Triathlon ist mittlerweile meine große Leidenschaft geworden, ich starte jetzt in meine vierte Saison. Dazu gekommen bin ich über den ÖTRV (Österreichischen Triathlonverband), für den ich neben meinem Job als „Freelancerin“ arbeite. Ich habe sowohl beim Triathlon-Weltcup (2012) als auch bei der Europameisterschaft (2014) in Kitzbühel mitgearbeitet und war wahnsinnig fasziniert von der Sportart, aber weit davon entfernt, mir das selbst zuzutrauen. Natürlich wurde ich auch öfters angesprochen, ob ich das nicht mal selbst versuchen möchte. Damals bin ich schon regelmäßiger gelaufen und auch gerne geschwommen, aber Radfahrerin war ich keine. Im August 2015 stand ich dann tatsächlich beim Crosstriathlon in Berndorf am Start – Rennrad hatte ich ja keines, deshalb habe ich mir einfach einen Bewerb gesucht, den man mit dem Mountainbike bestreiten kann. Rückblickend war es ein ziemlicher Horror – ich hatte ja keine Ahnung, was da auf mich zukommen würde! Die Mountainbike-Strecke war technisch für mich viel zu anspruchsvoll und da gleichzeitig auch noch Staatsmeisterschaften dort ausgetragen wurden, hatte ich nur Panik, jemandem im Weg zu sein. Beim Laufen im Gelände bin ich teilweise gegangen, weil ich einfach völlig ausgepowert war. Am Ende des Tages wurde ich aber mit dem Sieg in der U23 (ich hatte mich immerhin gegen EINE Konkurrentin durchgesetzt ;-)) belohnt. Ein Jahr später, also 2016, habe ich mit einem gebrauchten Rennrad an meinem ersten „normalen“ Sprint-Bewerben teilgenommen – einfach zum Spaß, ohne wirklich viel zu trainieren. Es hat mir aber sofort total viel Spaß gemacht.

Hdl: Für die Triathlon Europameisterschaften in Kitzbühel hast du dich auch schon qualifizieren können. Das war so nicht geplant, oder?

Lisa: (lacht) Ja, das war absolut nicht geplant. 2016 war, wie bereits erwähnt, meine erste Triathlon-Saison – und nachdem auch da wieder ein Event in Kitzbühel stattfand, inklusive einem „Volkstriathlon“, wollte ich da unbedingt an den Start gehen. Am Vorabend haben mich meine Kollegen vom ÖTRV quasi überzeugt, spontan noch eine Triathlon-Lizenz zu lösen, da der Bewerb auch eine der Quali-Möglichkeiten für die Europameisterschaft im Folgejahr war. Der Bewerb war vom Format her etwas komplett Neues, es gab nämlich gleich zwei Rennen an einem Tag zu bestreiten. Ich weiß noch, dass es keine 15° Grad hatte und aus Kübeln geschüttet hatte. Danach habe ich meine Sachen im Zimmer aufgehängt und war mir sicher, dass ich keinesfalls ins Finale kommen würde. Tatsächlich musste ich dann aber nochmal starten – und habe ich mich dort auch für die Triathlon-EM 2017 über die olympische Distanz qualifiziert, obwohl ich zuvor überhaupt noch nie mehr als eine Sprintdistanz bewältigt hatte. Die EM war dann 2017, ebenfalls in Kitzbühel, ich war dort natürlich seeehr weit hinten in der Ergebnisliste, aber es war ein unglaublich cooles Gefühl… die Stimmung, wenn du als Österreicherin bei einer Heim-EM ins Ziel läufst und der Aufwand, der dort betrieben wird, um für jeden Teilnehmer ein perfektes Rennen zu ermöglichen, ist einfach unglaublich.

Hdl: Welche weiteren Highlights bzw. Erfolge gab es bereits in deinem Sportlerleben?

Lisa: Ich konnte mich vor allem in der letzten Saison über richtig viele Podestplätze in meiner Altersklasse freuen, meine Pokalsammlung ist ganz schön gewachsen – und ich freu mich trotzdem nach wie vor jedes Mal wahnsinnig, wenn ich „auf’s Stockerl“ darf, weil das für mich absolut nicht selbstverständlich ist. Vor allem im Triathlon ist doch einiges an Konkurrenz da, hier muss ich einfach noch besser werden. Viel wichtiger sind aber sowieso die persönlichen Bestzeiten – also, dass ich mich immer wieder verbessern kann. Es gibt so viele, die schneller laufen als ich, aber wenn der Trainingsaufwand auf diese Art belohnt wird, dann ist das einfach motivierend. Letztes Jahr hat es sogar völlig unerwartet gleich zweimal für einen Gesamtsieg bei den Damen gereicht, auch, wenn das nur bei sehr kleinen Läufen war. Im August war ich dann auch bei meiner zweiten Europameisterschaft in Glasgow, also quasi mein erstes internationales Rennen, das war auch eine sehr spannende und coole Erfahrung. 

Hdl: Wie sieht eine normale Trainingswoche bei dir aus und trainierst du nach einem Plan?

Lisa: Ich arbeite 30 Stunden, habe nebenbei noch zwei „Freelance-Jobs“ und mache zusätzlich noch berufsbegleitend meinen Master, also Freitag und Samstag sind bei mir häufig blockiert. Das wird jetzt etwas besser, weil ich im letzten Semester bin und wir jetzt nur mehr wenig Vorlesungen haben und die Masterarbeit schreiben müssen. Das heißt, ich muss mein Training einfach an die verfügbare Zeit anpassen. Ein normaler Trainingsplan wäre für mich schwer umsetzbar. Ich habe aber zum Glück schon seit der Vorbereitung für die EM in Kitzbühel einen Trainer bzw. guten Bekannten, der selbst im Laufsport mal sehr erfolgreich war, und mir einen Trainingsplan schreibt. Dieser Plan wird alle 14 Tage erstellt und komplett an meine zeitlichen Ressourcen angepasst – das ist superpraktisch. Die aktuelle Saison verläuft bislang wirklich super für mich – nachdem ich beim Linzhalbmarathon mit 01:43:44 eine neue persönliche Bestzeit erreichen konnte, durfte ich mich bei den ersten beiden Triathlons der Saison jeweils ebenfalls über neue Bestzeiten und Stockerlplätze freuen. Das motiviert natürlich extrem für die restliche Saison ;-).

Hdl: Du wohnst in Hallwang bei Salzburg. Hast du dort eine Laufstrecke die du empfehlen kannst?

Lisa: Tatsächlich bin ich relativ oft in Siezenheim unterwegs, weil meine Eltern dort wohnen bzw. ich in der Nähe arbeite. Dort ist die Saalach die ideale Laufstrecke, oder das „Ainringer Moor“, wenn es ein bisschen abwechslungsreicher sein soll, was den Untergrund betrifft. Bei mir in Hallwang bin ich fast ausschließlich auf der Ischlertrasse unterwegs, fahre aber auch gern an den Wallersee und laufe dort die Runde um den See. Die ist sehr schön, viel auf Schotterboden und ein bisschen kupiert, also eine super Trainingsstrecke. 

Hdl: Was sind deine großen Ziele in den nächsten Jahren?

Lisa: Heuer möchte ich meine Zeiten auf den „gewohnten Distanzen“ noch verbessern – nächstes Jahr steht auf jeden Fall eine Mitteldistanz auf der Wunschliste, vielleicht der Ironman 70.3 in Zell am See. Ansonsten möchte ich definitiv auch mal die Marathon-Distanz in Angriff nehmen … ich habe vor ein paar Jahren gesagt, dass ich einen Marathon laufe, bevor ich 30 werde – mal schauen, ob sich das ausgeht. Langsam läuft mir die Zeit davon ;-)).

Hdl: Beruflich bist du seit einem Wechsel Anfang Mai in der IT-Branche im Bereich „Content Marketing“ und „Social Media“ tätig. Was genau kann man sich darunter vorstellen?

Lisa: Ich arbeite bei der österreichischen Registry für alle .at-Domains, sprich, jede Domain, die mit .at endet, wird bei uns registriert. Ich bin Teil des dreiköpfigen Marketing-Teams und vor allem für Blogartikel, Websiteinhalte und auch unseren Social Media Auftritt verantwortlich. Der Wechsel war schon eine Herausforderung, weil ich im IT-Bereich bislang noch nicht wirklich Erfahrung hatte. Mein persönliches „Wörterbuch“ wird nach wie vor täglich um verschiedenste Fachbegriffe erweitert – aber ich bin superhappy, vor allem, weil das Team echt cool ist.

Hdl: Was machst du sonst noch in deiner Freizeit?

Lisa: Ich bin, wann immer es sich ausgeht, gerne am Berg unterwegs – im Winter zum Skitourengehen, im Sommer zum Wandern. Da darf es auch mal richtig gemütlich sein, am liebsten mit einer Hütte am Gipfel. Generell bin ich jemand, der gerne und viel unterwegs ist, ich bin leidenschaftliche Urlaubs-Planerin und gehe gerne gut essen. Zum Glück habe ich einen Freund, der diese Hobbies alle teilt 😉

Hdl: Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg!

Lisa: Vielen Dank an dich. Ich habe die Interviewreihe natürlich schon seit Längerem mitverfolgt, hätte aber nie damit gerechnet, dass ich auch ein Teil davon werden darf. Cool, dass es so Leute wie dich in unserem Sport gibt!