Teil 91 (KW 12/2020): Mario Bernhardt

©Marco Bernhardt

Mario Bernhardt ist Mitglied bei der LG Passau und läuft die zehn Kilometer in 32:28 Minuten. Der 31-jährige Niederbayer ist aber auch abseits der Straße Leichtathlet durch und durch. Mehr dazu im Helden-Interview #91.

Helden des Laufsports: Wann hast du mit dem Laufen begonnen?

Mario: Als 15-Jähriger konnte ich beim Passauer Domlauf zum ersten Mal in die „Laufbranche“ reinschnuppern. Bei der Überquerung der Ziellinie war mir bereits klar, dass dies nicht mein letzter Lauf gewesen ist. Drei Jahre lang kombinierte ich mein seit Kindesalter ausgeübtes Hobby, Fußball, mit dem Laufen, bis ich mich schließlich endgültig gegen den Fußball und für meine neue Leidenschaft, den Laufsport, entschied.

Hdl: Was waren deine bisher größten Erfolge?

Mario: Der Deutsche Meistertitel mit der Mannschaft über 50 Kilometer, sowie der zweite Platz im Einzel im Jahr 2018, waren meine größten Erfolge. Der Gewinn des Passauer Domlaufs 2018 war für mich ebenfalls ein großer Erfolg, obwohl es kein Meisterschaftsrennen war. Mit diesem Lauf begann vor 16 Jahren alles! Es war schon immer mein Traum diesen Lauf eines Tages für mich zu entscheiden. Im Jahr 2019 wurde ich bei den Bayerischen Halbmarathon-Meisterschaften fünfter, und bei den Bayerischen Marathon-Meisterschaften siebter. Diese sind bis jetzt auch meine besten Einzelplatzierungen.

Hdl: Gibt es Bestzeiten auf die du besonders stolz bist?

Mario: Ja, die 32:28 Minuten über zehn Kilometer auf der Straße machen mich schon sehr stolz.

Hdl: Vom Crosslauf bis zur Ultradistanz, ist bei dir alles dabei! Welcher Untergrund und welche Distanz ist dein Favorit?

Mario: Jede Distanz hat seinen Reiz, ganz klar! Eine meiner Geheimfavoriten sind aber die zehn Kilometer auf der Straße mit einem Rundkurs von 2,5 Kilometer. Wenn ich in einer schnellen Gruppe dabei bin, befinde ich mich nur noch im „Tunnel“. Ich habe das Gefühl an den Zuschauern vorbeizufliegen.

Hdl: Wie viele Stunden pro Woche investierst du in Sport? Betreibst du neben dem Laufen auch noch andere Sportarten?

Mario: So um die zehn bis 12 Stunden kommen da schon gut zusammen. Mit Laufen, Athletik-Training und Dehnen können es mal mehr oder weniger Stunden sein, je nachdem auf welche Disziplin man sich vorbereitet. Vor ein paar Jahren habe ich noch Sommerbiathlon für mich entdeckt (man läuft mit Laufschuhen und schießt entweder mit Luftgewehr oder Kleinkaliber). Diese Sportart betreibe ich bei den Renholdinger Vorwaldschützen die zu den Top drei Vereinen in Deutschland gehören. Hier nehme ich auch an Meisterschaften teil. Es macht wahnsinnig viel Spaß und gibt mir einen regelrechten Adrenalinkick in die Biathlon-Arena in Ruhpolding mit Schießstand, welche man nur aus dem TV kennt, einzulaufen. Es ist die perfekte Abwechslung zum normalen Mittel- und Langstreckenlauf bzw. Training. Ich kann Sommerbiathlon jedem Fan empfehlen, der gerne die Faszination Biathlon ausprobieren möchte, aber nicht auf den ausbleibenden Schnee warten will.

Hdl: Wie sieht eine normale Trainingswoche bei dir aus?

Mario: Das Training ist immer auf zwei Wochen an die darauf folgende Wettkämpfe orientiert und mit meinem Trainer, Günter Zahn, abgestimmt. Hier ein kleiner Auszug von einer Woche:

Montag: Dauerlauf + Athletiktraining

Dienstag: Tempoläufe oder ähnliches mit der Trainingsgruppe in Passau

Mittwoch: Dauerlauf

Donnerstag: Dauerlauf + Athletiktraining

Freitag: Fahrtspiel oder ähnliches mit der Trainingsgruppe in Passau

Samstag: Dauerlauf im Gelände

Sonntag: Dauerlauf bis zu 02:30 Stunden oder Alternative Rennradfahren

Hdl: Wie bereits erwähnt, bist du Mitglied bei der LG Passau. Top-Platzierungen sind bei euch Normalität, was zeichnet diesen Verein aus?

Mario: Dass bei der Leichtathletik Gemeinschaft Passau Top-Platzierungen Normalität sind hat gute Gründe. Denn das Wort „Gemeinschaft“ ist nicht nur der Vereinsname, sondern Inhalt und Programm. Zusammenhalt und gegenseitige Unterstützung im Vereinsleben, Training und bei Wettkämpfen ist an der Tagesordnung. Die Mitglieder, egal ob passiver oder aktiver Sportler, versuchen dieses Wort „Gemeinschaft“ zu leben. So Veranstalten wir auch Sportfeste damit noch andere Sportbegeisterte ihrem Sport mit Spaß nachgehen können. Es ist aber auch die tolle Atmosphäre welche uns motiviert, Woche für Woche mit der Trainingsgruppe auf den Trainingsstätten zu stehen und noch härter und intensiver zu trainieren. Dieser Ansporn wird mit unseren Trainingslagern noch verstärkt. In diesen intensiven Tagen will jeder das Bestmögliche für sich und die Mannschaft herausholen. Was man dabei aber auf keinen Fall vergessen darf, der Spaß kommt nie zu kurz. Obwohl wir keine klassische Mannschaftssportart ausüben hat jeder den „Wir“-Gedanke im Kopf. Hier passt der Spruch „Alle für Einen und Einer für alle“ sehr gut. Mit alle meine ich auch wirklich alle, also auch diejenigen, welche nicht aktiv auf der Laufbahn stehen und Rekorde jagen.

Hdl: Welche sportlichen Ziele hast du für die Zukunft?

Mario: Den Marathon möchte ich schon noch unter 02:34 Stunden laufen, dann wäre ich 50 Minuten schneller als bei meinem allerersten Marathon. Aber das ist für mich nicht alles, ich finde man soll nicht immer auf Zahlen und Platzierungen achten, sondern auch mal stolz sein auf das was man schon alles erreicht hat, trotz Tiefen die einen schon mal aus der Bahn werfen können. Man darf nie vergessen warum man das alles macht. Denn der Spaß soll im Vordergrund stehen. Nie diesen Gedanken zu verlieren, das ist für mich ein großes Ziel für die Zukunft.

Hdl: Du bist nicht nur läuferisch unterwegs, sondern auch abseits der Straße fleißig und bildest dich ständig fort! Erzähl uns davon.

Mario: 2011 habe ich meinen C-Leichtathletik Trainierschein erfolgreich abgeschlossen. Es waren mehrere Wochenendkurse und eine komplette Fortbildungswoche an der Sportschule in Oberhaching. Die Inhalte waren unter anderem „Einführung in das Grundlagentraining“, „Aufbau einer Trainingseinheit usw.“ Einfach alles was man im Bereich Leichtathletik wissen oder gehört haben sollte. Abgerundet hat das Ganze noch eine theoretische und mündliche Abschlussprüfung.

Hdl: Du hast einen ganz interessanten Beruf. Du arbeitest mit Behinderten zusammen, was genau sind deine Aufgaben?

Mario: Ursprünglich habe ich Nutzfahrzeug Mechatroniker gelernt, bis ich dann über den Zivildienst zu den Donauhof-Werkstätten gelangt bin. Über die Lagerlogistik hab ich den Weg in die Montagegruppe gefunden und bin nunmehr seit vier Jahren als Gruppenleiter mit Sonderpädagogischer Zusatzausbildung angestellt. Meine Aufgabe ist es Menschen mit Behinderung eine Teilhabe am Arbeitsleben zu ermöglichen. Vom Kontrollieren der Fertigprodukte bis zum Erlernen neuer Arbeitsschritte/Arbeitsprozesse, und der Planung der Gruppenausflüge ist alles dabei. An dieser Stelle möchte ich mich gerne bei meinem Betreuerstab (M2/M2P) bedanken, dieser mir den Rücken freihält wenn ich sportlich auf Reisen bin und mir diesen Urlaub gewähren.

Hdl: Welche Hobbys, außer das Laufen, hast du noch?

Mario: Allzu viel Zeit für andere Hobbys bleibt da ja fast nicht mehr übrig. Aber Rennrad fahren, Klettern und das Langlaufen mit Freunden geht immer und darf nie zu kurz kommen. Es ist eine schöne Abwechslung und man sieht mehr als die gewohnten Laufstrecken. Wenn ich nicht sportle, was nicht so oft im Jahr vorkommt, gehe ich auf Reisen und erkunde mit Freunden die Welt. Bald geht’s mit dem Van nach Südeuropa und Ende des Jahres mit dem Rucksack nach Neapel.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.