Teil 127 (KW 06/2021): Markus Marouschek

Foto: ©Markus Marouschek

Markus Marouschek hält den österreichischen Rekord über 50 Kilometer. Der 31-Jährige ist seit Mai 2019 stolzer Vater. Der Athlet der Union St. Pölten spricht im Interview über sein Training und seine sportliche Familie.

Helden des Laufsportes: Wie bist du zum Laufsport gekommen?

Markus Marouschek: Ich habe es in der Schulzeit immer schon geliebt, wenn wir im Turnunterricht einfach nur laufen durften. Während meiner Zivildienst- und Studienzeit habe ich jedoch die Ambition zum Laufsport verloren. Als mein Vater, Stefan Marouschek, im Jahr 2010 begonnen hatte Wettkämpfe zu laufen, habe ich wieder Blut geleckt. Anfangs war ich nur der begleitende „Balljunge“ mit Getränkeflaschen, Gels, Kleidung etc. im Gepäck. Ich konnte der Wettkampfatmosphäre nicht lange widerstehen und schlüpfte selbst wieder in meine Laufschuhe. Damals sagte ich noch: Marathonlaufen werde ich nie! 2013 folgte mein erster Marathon in Wien.  

“Sport liegt in unseren Genen”

Stefan Marouschek über seine sportliche Familie.

Du kommst ja aus einer unglaublich sportlichen Familie. Wie kommt es, dass in deiner Familie so das Lauffieber umgeht?

Das ist anscheinend wirklich gut in den Genen verwurzelt: Mein Opa (väterlicherseits) spielte in seinen jungen Jahren Feldhandball. Mein Vater und Onkel (Paul) folgten mit Handball in der Halle, in der Form wie man es heute kennt. Onkel Pauli mischt in den letzten Jahren im Triathlon national in seiner Altersgruppe immer oben mit und durfte sogar auf Hawaii an den Start gehen. Seine Tochter, also meine Cousine, Melanie trainiert mittlerweile auch schon auf die erste Volldistanz hin. Meine Schwester Julia hat sich auch von Papa und mir mit dem Lauffieber infizieren lassen.

2018 wurdest du schnellster Österreicher beim Berlin Marathon. Nach 02:34 Stunden hast du das Ziel erreicht, welche Erinnerungen hast du an diesen Tag?

Nachdem ich schon mal beim Berlin-Marathon angetreten bin, wusste ich vorab welch bombastische Stimmung mich erwarten wird. Die Vorfreude auf die jubelnden Zuseher, Streckenverlauf und Organisation war riesig. Und es hatte sich wieder einmal bestätigt: Ich bin ein Berliner! Das hatte bereits Kennedy beim Zieleinlauf 1963 gesagt. (grins) Mein Wunsch war es, das erste Mal unter 02:35 Stunden zu bleiben. Das Sahnehäubchen bzw. der zweite Wunsch war – nachdem ich die österreichische Starterliste gecheckt hatte – der schnellste Österreicher zu sein. Die Mixtur aus guter Vorbereitung, Tagesverfassung, tollem Wetter und großartiger Stimmung ließen keinen dieser Wünsche offen.

Aktuell bist du mit einer Zeit von 03:12:14 Stunden österreichischer Rekordhalter über 50 Kilometer. Erzähl uns von diesem Rennen und hast du im Vorfeld damit spekuliert diesen Rekord zu brechen?

Ich habe mir bewusst die Bestenliste angesehen. Der 12 Jahre alte Rekord schien mir mit meiner körperlichen Verfassung nicht für unmöglich. Da es meine erste WM-Teilnahme war, war ich eigentlich bis knapp vor Start noch sehr unentschlossen, ob ich den nationalen WM-Rekord angreifen soll oder doch das Rennen mit einer moderaten Pace sicher heimbringe. Der Kursverlauf (1 x 5km + 5 x 9 km) und das Gefühl einmal im Nationalteam laufen zu dürfen ließen selbst 50 Kilometer in meinem Kopf kurzweilig erscheinen. 

Welche läuferischen Erfolge konntest du sonst noch feiern?

Nach der 50-km-WM schraubte ich das intensive Training sehr zurück. Ich meldete mich kurzfristig mit der Form die noch übrig blieb für den Wachau Marathon 2019 an. Mir war aber klar, dass es kein leichtes Rennen wird, da ich am Vortag an der tschechischen Grenze einen musikalischen Auftritt hatte. Es wurde vier Uhr nachts bis ich schlafen gehen konnte. Keine zwei Stunden später klingelte der Wecker, um rechtzeitig das Frühstück vor Startschuss verdauen zu können. Und dann ist es passiert: Im Zombiemodus konnte ich zum ersten Mal einen Sieg in einem Marathon-Event für mich entscheiden. Einen schöneren Saisonabschluss hätte ich mir nie erträumen können.

Wie siehst eine normale Trainingswoche bei dir aus?

Einen richtigen Plan habe ich nie. Ich lege nur Wert darauf, dass ich die „Basics“ in der Woche unterkriege. Soll heißen pro Woche: 1 x Bahntraining, 1 x Fahrtenspiel, 1 x LongJog. Den Rest entscheidet meine Tagesverfassung. 

Im Mai 2019 bist du zum ersten Mal Vater geworden, hat sich dein Trainingsverhalten im Alltag dadurch verändert?

Vom Umfang her eigentlich gar nicht. Zeitlich schon: Ich trainiere meistens erst nachdem mein Sohn Moritz im Bett liegt. Ansonsten würde keine Zeit zum spielen bleiben. Mein Training findet somit (bei einer 40 bis 60-h-Arbeitswoche) spät abends/nachts statt.

Du wohnst in St. Pölten, wie sind dort deine Trainingsmöglichkeiten?

Sehr vielfältig! Der Traisenradweg ist keine fünf Gehminuten von mir zuhause entfernt. Bis zur Union-Sportanlage mit einer 400-m-Bahn sind es keine fünf Kilometer. Weiter im Süden kann man auch sehr gut Höhenmeter sammeln.

Welche sportlichen Ziele hast du für die Zukunft?

Eigentlich wollte ich 2020 zum ersten Mal einen Marathon unter 2:30 Stunden laufen. Aufgrund der Pandemie wurde das erstmal nichts. Die Arbeit (in der Apotheke) wurde intensiver und raubte mir die Motivation für das Training danach. Ich trainiere zwar auf Formerhalt, jedoch nicht spezifisch auf einen Wettkampf hin.

Bleibt neben der Familie und dem Sport auch noch Zeit für ein anderes Hobby?

Ich musiziere (Gitarre, Gesang) sehr viel in verschiedenen Formationen. Viele Songideen entstehen im Training neben der Traisen. 2017 habe ich wieder die Ambition für die Fotografie entdeckt und knipste mich sogar 2019 bei einem Fotowettbewerb von Fujifilm auf den dritten Platz.

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