Merle Brunnée: „Streckenrekord wäre möglich gewesen”

©Florian Freundt

Merle Brunnée hat am Samstag, 25.01.2020, den 50-Kilometer-Lauf im Hessischen Rodgau für sich entscheiden können. Rund 1.000 Läufer/innen gingen dort an den Start. Die 25-jährige Athletin vom MTG Mannheim erreichte nach 03:33:25 Stunden das Ziel und verpasste so nur knapp den Streckenrekord, welcher bei 03:32:41 Stunden liegt.

Helden des Laufsports: Mit satten 12 Minuten Vorsprung bist du am Samstag ins Ziel eingelaufen, warst du dir deiner Dominanz bewusst?

Merle: Nein, das war mir nicht bewusst. Die ersten 20 Kilometer hatte ich auch keinen großen Abstand zur zweiten Frau, ich konnte die Zweitplatzierte, Annette Müller, ja nach jeder Runde bei der 180-Grad-Kurve sehen und so den Abstand abschätzen. Das war vielleicht eine halbe Minute. Der Abstand wurde dann aber immer größer und ich habe sie nicht mehr gesehen. Ich hatte bei ca. 15 Kilometer sogar damit gerechnet, dass Annette aufschließen würde. Aber es war dann – anders als bei den Männern an der Spitze – kein “Kopf-an-Kopf-Rennen”. Das war teilweise aber auch ganz gut für mich. Gut insofern, als dass ich den Lauf in Rodgau nicht kompetitiv angehen wollte. Ich hatte meinem Trainer gegenüber den Wunsch geäußert, gerne diesen Ultramarathon mitzulaufen und wir hatten uns daraus geeinigt, dass ich das Rennen eher als langen gesteigerten Trainingslauf angehen sollte, da der Hauptfokus momentan und in den nächsten Wochen auf dem Marathon in der Frühlingssaison liegt. Allerdings wäre ein Kopf-an-Kopf-Rennen auch reizvoll gewesen, da man sich gegenseitig pusht. Für diesen Tag war es so aber perfekt.

Hdl: Mit einem Sieg ist man vermutlich immer zufrieden, bist du das auch mit deiner Zeit?

Merle: Ich bin mehr als zufrieden. Ich hätte vorher nicht erwartet, dass ich mit dieser Zeit ins Ziel laufen werde. Ich bin den Lauf ja wie einen mittleren Dauerlauf angegangen, also zwischen 04:20 und 4:25 Minuten pro Kilometer und habe dann im weiteren Verlauf das Tempo angezogen. Die letzten zehn Kilometer waren im 04:06er Schnitt. Deswegen konnte ich das Rennen auch so sehr genießen und meine Mitläufer mit meiner Stimmung und meinem Tempo “mitreißen”. Ich habe am Samstag sogar die Marathon-Distanz als Durchgangszeit in unter drei Stunden absolviert, damit bin ich sehr zufrieden. Ich bin noch nicht so lange am Laufen und war “erst” bei vier Marathons am Start, aber diese Durchgangszeit ist tatsächlich meine zweitbeste Marathon-Zeit. Im Nachhinein ist es natürlich schade, dass ich den Streckenrekord so knapp verpasst habe. Ich hätte im Schnitt ja nur jeden Kilometer eine Sekunde schneller laufen müssen. Mir war nicht bewusst, dass das so knapp werden würde, ansonsten wäre ich das Rennen vielleicht anders und etwas kompetitiver angegangen, aber das war ja nicht mein Plan.

Hdl: In Rodgau läuft man zehn Runden auf einer Fünf-Kilometer-Strecke, was ist hier das tolle daran?

Merle: Zehn mal fünf Kilometer mag für den einen oder anderen eintönig klingen. Ich muss da sagen: Ganz im Gegenteil! Da man sich die Runde mit allen anderen Läufern teilt, ist man nie allein, ich wurde immer angefeuert von meinen Mitläufern. Das war eine unbeschreibliche Stimmung. Da ich das Führungs-Fahrrad mit dem Schild “erste Frau” vor mir hatte, wussten natürlich alle, dass ich die Erste bin und haben mich angefeuert. Und auch mit den Zuschauern am Rand, besonders auf Höhe des Wendepunktes, war richtig was los und es herrschte eine super Stimmung. Die zehn Runden ermöglichen es, dass man mehrmals an diesem Punkt vorbeikommt und jedes Mal eine kleine Party erlebt.

Hdl: Werfen wir einen kleinen Blick zurück.Wie zufrieden bist du mit deiner letzten Saison?

Merle: Ich bin sehr zufrieden und vor allem neugierig, was noch kommen wird. Als ich 2018 in Mannheim den Marathon gelaufen bin, war das der Startschuss für mich als Leistungssportlerin. Seit dem trainiere ich in meiner Trainingsgruppe der MTG Mannheim unter Trainer Christian Stang und ein Highlight jagt das nächste. Ich habe große Freude an den Wettkämpfen an denen ich teilnehme. In der letzten Saison war das Hauptziel der Frankfurt Marathon, den ich in 02:51:30 Stunden gefinisht habe. Daneben sind natürlich die vielen Erfolge bei Volksläufen in der Region auch schön – jeder hat seinen eignen Charme. Ob es nun fünf oder 21 Kilometer, oder wie jetzt in Rodgau das erste Mal 50 sind, ich laufe wirklich überall gern.

Hdl: Welche Ziele hast du für die Saison 2020?

Merle: Mein Hauptziel ist die deutsche Meisterschaft über die Marathondistanz, die dieses Jahr im Rahmen des Hannover Marathons stattfinden wird. Darauf arbeite ich hin und werde versuchen, eine neue persönliche Bestzeit zu laufen. Da ich im gleichen Zeitraum jedoch mein zweites medizinisches Staatsexamen ablegen werde, geht das Studium während der Marathonvorbereitung natürlich vor. Trotzdem werde ich beides so gut wie möglich parallel vorbereiten. Der Ausgleich an vollen Lerntagen sind für mich meine Trainingseinheiten. Seit Rodgau habe ich jetzt auch die Ultramarathondistanz im Blick. Dadurch, dass es so gut lief, habe ich Lust auf mehr bekommen. Nach dem Rennen wurde ich direkt auf den Termin für die Deutschen Meisterschaften hingewiesen, den ich mir zumindest mal notiert habe. Ob ich dort dann an der Startlinie stehen werde, wird sich zeigen.

Info: Das Interview mit dem Sieger findet ihr hier.

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