Monika Frisch: Das Marathon-Wunderkind wird 50

Text: Gerhard Öhlinger. Ein Beitrag aus der Reihe: “Was geschah am …?”

26.10.1983:

Als Kind beeindruckte sie die Sportwelt mit ihren Marathonläufen. Heute wird sie 50 Jahre alt und setzt als „Working Mum“ ihren Ehrgeiz als Chefin von 70 Mitarbeitern um. 

1983 hießen „Fake News“ hierzulande noch „Zeitungsenten“. An eine solche dachte man zuerst, als von Monika Frisch zu lesen war: Eine Salzburger Gymnasiastin, zwölf Jahre jung und ein 40-Kilo-Leichtgewicht, soll österreichische Meisterin im Marathonlauf geworden sein? Doch es stimmte: Locker und kaum schwitzend war die Athletin vom ÖTB Salzburg auf der Wiener Donauinsel nach drei Stunden und zehn Minuten als Erste in der Frauenwertung ins Ziel gelaufen. 

Es folgten ein medialer Hype weit über Österreichs Grenzen hinaus, aufgeregte Diskussionen und Prognosen besorgter „Experten“. Am Montag, dem 21. Dezember, feiert Monika Frisch ihren 50. Geburtstag, und sie kann alle beruhigen, die sich sorgten: „Ich bin pumperlg’sund und habe weder Knie- noch Gelenkprobleme.“ Folgeschäden oder Wachstumsprobleme gab es nie. Und das, obwohl sie als Teenager ein wahres Monsterprogramm an Wettkämpfen absolvierte. Kaum ein Wochenende, an dem sie nicht einen weiteren Pokal von einem Berg- oder Volkslauf heimbrachte. Das Laufen war Familien-Freizeitprogramm, ihre Eltern sowie Schwester und Bruder waren bei vielen Bewerben mit dabei. „Es war eine wunderschöne Zeit, die wir gemeinsam verbracht haben. Ich habe ausschließlich positive Erinnerungen“, sagt sie. 

Im Moment trübt nur eins ihre Zufriedenheit: „Was mir derzeit fehlt, ist etwas mehr Sport.“ Die Zeit wird nun einmal knapp zwischen der Betreuung dreier Kinder zwischen elf und acht Jahren sowie dem Führen des Familienbetriebs, erst recht in Zeiten von Lockdown und Homeschooling. Als Geschäftsführerin der IFK Holding mit Hauptsitz in Salzburg-Maxglan, einem führenden Unternehmen der Kabelbranche, ist sie verantwortlich für 70 Arbeitsplätze. 

Das knallharte Rennen um lukrative Aufträge, etwa von Energieversorgern, geht Monika Frisch sportlich-forsch an: „Ich war immer ehrgeizig, schon in der Schule oder im Studium.“

Zum Laufen musste sie niemand zwingen, auch wenn Bedenkenträger damals derartiges vermuteten. Vater Walter Frisch – er war auch Mitgründer von IFK – sah den Sport einfach als Teil eines gesunden Lebens, und in der nächsten Generation läuft das weiter. „Wenn ich mit meinen Kindern laufen gehe, sehe ich, welche Startnachteile ich als Erwachsene habe“, sagt Monika Frisch. „Ich als durchschnittliche Hobbysportlerin komme gleich ins Schwitzen.“

Skifahren, Mountainbiken, Fußball oder Hallenhockey stehen hoch im Kurs bei den beiden Söhnen und der Tochter der einstigen Laufsport-Galionsfigur: „Wir lassen sie ihre sportlichen Leidenschaften ausleben.“

Als im Frühjahr ein „Sport am Montag“-Beitrag von einst auf ORF Sport + wiederholt wurde, waren die Frisch-Kinder von ihrer Mama beeindruckt: „Sie waren sehr überrascht, dass ihre Mutter auch einmal jung war“, muss Monika Frisch schmunzeln.

Foto: ©Salzburger Nachrichten

Würde der Nachwuchs ähnliche Ambitionen entwickeln, wäre dem ein Riegel vorgeschoben: Kein Marathonveranstalter lässt heute mehr Teilnehmer unter 18 Jahren zu. Dabei gehen Kinder vernünftiger an die Sache heran als viele Erwachsene: „Wenn sie nicht mehr können, bleiben sie einfach stehen“, sagt Monika Frisch. Sie selbst schloss das Marathon-Kapitel mit 15 Jahren nach dem zweiten Staatsmeistertitel und der Bestmarke von 2:51:39 Stunden ab. Danach lief sie auf Mittelstrecken weiter, ehe das BWL-Studium und der Beruf Vorrang bekamen. 

„Bei der Firma IFK habe ich heuer auch schon mein 20-jähriges Jubiläum“, rechnet die Chefin vor. Und die Feiern hören auch in naher Zukunft nicht auf: „Mit meiner 99-jährigen Oma tausche ich mich gern aus. Scheinbar habe ich gute Gene geerbt.“ In diesem Sinn sieht Monika Frisch den 50er: „Da ist erst die Mitte erreicht. Ich bin zuversichtlich, dass die zweite Hälfte auch eine schöne wird.“

Alter TV-Bericht von 1983

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