Nach Plan

#Kolumne

Nach dem vom gerade aktuellen Laufwehwehchen erzwungenen Alternativsport rolle ich das Fahrrad in die Garage. Dort lagern zwischen Gartengeräten, Bücherkisten, Skiklumpert und zu entsorgenden Möbeln – für ein Auto ist hier kein Platz – inzwischen sechs Räder in allen Größen.

Wenn ich mich auf die Zehenspitzen stelle und den Rahmen hoch über das Jugendrad hebe, dann mit einem eleganten Lupfer noch die ordnende Reihe aus erstem Volksschulrad und weißem Radprüfungsrad überwinde, landet mein eigenes Rad perfekt in dem schmalen Zwischenraum vor dem Prinzessin Lillifee- und dem Babyrad, und alle sechs Drahtesel stehen platzsparend im rechten hinteren Eck der Garage. Soweit der Plan. Während ich den verfolge, grüble ich nach, wie ich denn endlich das nächste DNS („did not start“) in den Ergebnislisten all der Volksläufe, für die ich schon angemeldet bin, vermeiden kann.

Vor 6 Wochen hatte ich folgenden Plan ausgeklügelt: Noch 8 Wochen bis zum Rennen. Das heißt, ich laufe vorsichtige X Stunden in den ersten drei Wochen, steigere dann zwei Wochen lang auf X plus 1, dann noch mal zwei Wochen auf X plus zwei Stunden, sodass ich dann am Tag Y nach Z Minuten durchs Ziel laufe.

Etwas kam dazwischen. Das DNS („did not start“) ist mir jetzt schon sicher. Somit adaptierte ich den Plan vor drei Wochen für ein kürzeres Rennen: ich starte vorsichtig mit 5 Mal einem Kilometer in XkommaY Minuten, schaffe drei Wochen später – also heute – locker XkommaY Minuten minus 5 Sekunden und laufe in weiteren drei Wochen am Tag Z das Rennen in XkommaY Minuten minus 10 Sekunden je Kilometer.

Etwas kam dazwischen. Ich schaffe heute gar nichts, außer das nächste DNS. Hochflexibel rechne ich mir schon was Neues aus: ich integriere das kurze Rennen X in 3 Wochen als flotten Trainingslauf in den Plan Y und erreiche vier Wochen später am Tag Z beim langen Rennen, das ich auf ein halblanges verkürze, zumindest das Ziel.

Während ich mir überlege, wie ich die Dienstreise in Woche 4 des neuen Plans und den längsten Lauf in Woche 5 sicherstelle, lupfe ich das Rad nicht ganz so elegant wie geplant über das Jugendrad, touchiere das Volksschulrad und verliere auf meinen Zehenspitzen das Gleichgewicht. Alle fünf Räder fallen um und ich mit dem sechsten obendrauf.

Wann hör ich endlich auf, solche Pläne zu machen?

Sportliche Grüße, Herbert!

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