Neujahrsvorsätze

Liebe Leser,

Kennt ihr das auch? – Der 1. Jänner naht, oder wir befinden uns schon in den ersten Tagen und Wochen eines neuen Jahres. Man ist voll guter Vorsätze, beruflich, privat,… natürlich auch was die Gesundheit anbelangt, und betreffend das Training.

Hier muss man sich die berechtigte Frage stellen: warum am 1.1.? Warum habe ich zum Beispiel am Anfang jedes Monats oder sogar am Anfang jeder Woche, das Gefühl, sozusagen ein neues Kapitel aufzuschlagen und dass ich am Montag, am 1. eines Monats, und ganz besonders am 1. Januar, die Chance habe, nachhaltig etwas zu verändern und zu verbessern? Warum??

Mein Erfahrung sagt mir nämlich, dass es am 1. oder am Wochenbeginn nicht mehr und nicht weniger wahrscheinlich ist, etwas zu verändern, als an jedem anderen beliebigen Tag. Allerdings kann ein gewisses Datum immer eine gute Erinnerung sein, was man eigentlich schon seit Monaten oder Jahren an guten Vorsätzen umsetzen wollte, und dass es jetzt wirklich mal an der Zeit wäre.

Mein Papa hat immer gesagt, “wenn du was verändern möchtest, dann sag dir einfach hier und jetzt, egal zu welcher Tageszeit: ‘heute mach’ ich das einfach mal so’.” Zum Beispiel “heute esse ich viel mehr Obst und Gemüse als sonst, wie ich mir das eigentlich schon lange vorgenommen habe.” Oder “heute investiere ich eine Stunde in das Lernen einer neuen Sprache”. Oder eben “heute ziehe ich die Trainingseinheit XY (den ersten 30 km Lauf seit langem, zum Beispiel) einfach mal durch”. Es lohnt sich, wenn man “heute” anfängt, statt “am 1.”. Allerdings muss man bedenken, dass es angeblich circa 21 Tage dauert, bis sich eine neue Gewohnheit gefestigt hat. Man braucht also ein gewisses Durchhaltevermögen.

Bei mir ist das so: planen und mir Notizen über meine “Projekte” zu machen, bringt relativ viel. Bei anderen Leuten, so habe ich mir sagen lassen, bringt das Aufschreiben gar nix. Da ist halt jeder anders. Wenn ich etwas in meinen Kalender notiere, z.B. “8 x 1000 Intervalle”, dann muss das gemacht werden (95% Wahrscheinlichkeit 😉

Eine andere Strategie kann sein, sich ein längerfristiges Ziel zu setzen, zum Beispiel einen Wettkampf. Ich habe Freunde, die bereiten sich schon im November auf einen Marathon Ende März vor. Oder sagen wir, die haben schon im November richtig Struktur im Training, weil sie immer dieses Ziel im Frühjahr vor Augen haben. Das bewundere ich! (Ich persönlich tu mir schwer, so lange voraus zu planen.)

Es muss sich außerdem lohnen, wenn man Ziele umsetzt (die im Allgemeinen nicht ganz einfach zu erreichen sind), und neue Gewohnheiten etabliert. Daher: fokussiert euch darauf, WARUM ihr die Vorsätze unbedingt umsetzen wollt. Was erwartet ihr euch davon? Eine neue Bestzeit? Das tolle Gefühl, ein hartes Training wirklich ohne Ausrede mit Vollgas durchgezogen zu haben? Ein besseres Körpergefühl? Haltet euch das vor Augen was euch antreibt. Vieles ist, meiner Meinung nach, Einstellungssache. Zum Beispiel kann man sich entweder nur auf das Negative konzentrieren (“diese verdammten Intervalle sind psychisch und physisch einfach nur Horror. Ich hasse das. Ich möchte auf die Couch. Warum kann ich nicht einfach nur locker laufen? …”), oder nur auf das Positive (“Ich bin stark und diszipliniert. Gleich habe ich es geschafft. Nur noch X Minuten. Nur noch diese zwei 1000er Intervalle. Das geht schon, ich kann das! No pain no gain.”) Man merkt, wenn man sich zumindest einredet, dass sich etwas lohnt und dass man es irgendwie gerne und freiwillig macht, dann geht es leichter. Versprochen!

Und ein letzter Tipp von mir, ich würde sogar sagen, einer der wichtigsten Tipps: Überfordert euch nicht und steckt euch nicht zu hohe Ziele. Wenn ihr euch bei einem Vorsatz denkt “ich schaffe es nie und nimmer, das langfristig durchzuhalten”, dann solltet ihr eure Lebensstiländerung oder die neue Gewohnheit so anpassen, dass ihr euch vorstellen könnt, es viele Jahre ab jetzt so zu machen.

Als Beispiel die Ernährungsumstellung: wenn ihr euch ehrgeizig vornehmt, ab jetzt viel gesünder zu essen, und euch allerhand Nahrungsmittel komplett verbietet, werdet ihr euch möglicherweise nach ein paar Tagen denken: ‘es reicht!’ Um dann endgültig den Hut drauf zu hauen und alles wieder so zu machen wie bisher. Oft ist es aber besser, sich nicht Verbote zu machen, sondern nur ein paar zusätzliche Kleinigkeiten, die sich leicht jeden Tag umsetzen lassen, vorzunehmen: “ich esse jeden Tag mindestens 2 Portionen Obst oder Gemüse, und eine Handvoll Nüsse. Außerdem trinke ich jeden Morgen ein großes Glas Wasser.” Selbst wenn man ansonsten alles beim Alten lässt, zahlen sich solche kleinen Änderungen aus, wenn man sie dann auch wirklich Tag für Tag umsetzt.

Beim Training genauso: Statt sich zu sagen “ab nächster Woche gibt es jede Woche zwei harte Intervalltrainings und zusätzlich einen langen Lauf von mindestens 20 Kilometern”, sollte man sich lieber vornehmen “ich laufe in der Woche zumindest 3 Kilometer unter X Minuten, und einmal die Woche laufe ich länger als 1 Stunde durchgehend.” Das hört sich doch viel schaffbarer an, und bringt langfristig wahrscheinlich auch einen gewissen Benefit.

Nur damit ihr es wisst, ich hab zwar allerhand Tipps zur nachhaltigen Änderung von Gewohnheiten und zur Verbesserung des Lebensstils gelesen und gesammelt, aber trotzdem ist der innere Schweinehund am Ende manchmal stärker, und dann muss man auch mal freundlich und nachsichtig mit sich selbst sein.

Sagt euch: ‘okay, heute ging es leider nicht besser, aber morgen mach ich dann wieder mit meinen Vorsätzen weiter.’ Und ärgert euch nicht über euch selbst, sondern freut euch über jeden kleinen Schritt, den ihr schafft.

Ich wünsche euch, dass ihr eure Ziele erreicht, und vor allem einen guten und stressfreien Start ins neue Jahr.

Lg eure Liesl

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